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Tanztheater
09/16/2014

Balancierende Tänze über das Streben nach Gleichgewicht

Tanztheater knüpft an jahrtausendealter Philosophie an und bringt sie in "Balance" mit dem ewigen Ringen um Gleichgewicht - in allen Bereichen.

von Heinz Wagner

Auch wenn die eine oder andere Szene von "Balance" bei der Welturaufführung in der wunderschönen Halle des Weltmuseums vielleicht an den Kreislauf von Jahreszeiten, den Kampf des blühenden Frühlings gegen die Düsternis des langen Winters erinnern mag, „darum ist es mir nicht gegangen, auch wenn das viele so gesehen haben“, meint Yutong-Yang Ji zum (Kinder-)KURIER. In dem von ihr choreografierten – und vor allem in vielen Bereichen eigenhändig organisierten – Tanztheaterstück „Balance“ dreht sich alles um dieses Thema – in vielen seiner Facetten. „Es geht um die innere Balance in einem Menschen selbst, aber auch um die zwischen einzelnen Menschen, aber zwischen Ländern, Kulturen, in der Wirtschaft und auch das Gleichgewicht zwischen Menschen, Tieren, Natur…“

Zerbrechliches Leben

Als Sinnbild oder Symbole knüpfte die Austro-Chinesin – ihre sowie die Herkunft der Mitwirkenden an diesem Projekt ist ihr wichtig, weil sie stolz darauf ist, dass diese aus insgesamt einem Dutzend Ländern verschiedenster Gegenden der Welt zu kommen – an der chinesischen Philosophie des I Ging an. Diese grundlegende Lehre des Lebens baut auf fünf Elementen auf: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Jedes kann – ähnlich dem bekannten Kinderspiel „Schere – Stein – Papier“ anderen Gutes bzw. Böses (an)tun.

Welchen der Kämpfe gegeneinander, welches Gefühl auch immer – ob Freude oder Wut, Trauer oder Zuneigung – fast immer agieren die sieben Tänzerinnen mit zerbrechlichen chinesischen Schüsseln – sehr oft auf dem Kopf. „Die stehen für das Leben an sich, seine Zerbrechlichkeit und dafür, dass sie nur ganz bleiben, wenn sie in Balance gehalten werden.“

Eigenhändig

Rund 300 solcher Schüsseln hat sie bei ihrem eigens dafür organisierten Aufenthalt in ihrer ersten Heimat, in Hai Cheng (im Norden Chinas) eingekauft, einzeln vorsichtig verpackt und nach Österreich gebracht, ebenso wie die aus vor Ort gekauftem Stoff geschneiderten Kostüme. „Diese Schüsseln sind speziell für Tanz gemacht, sie haben einen stärkeren und damit schwereren Rand unten“, erklärt Yutong-Yang Ji, die am Konservatorium Wien Tanzpädagogik und Choreografie studiert hat. Einen wenige Minuten dauernden Kern des Stücks – mit dem 2500 Jahre alten chinesischen Lied hat sie als Diplomprojekt im Rahmen ihrer Ausbildung choreografiert. „Die Idee zu so einem Stück habe ich schon lange. Das Projekt am Kons war nur ein klitzekleiner Teil. Später habe ich mit Tänzerinnen und vier Musikern eine 12-Minuten-Version für den Fidelio-Bewerb gemacht.

Das jetzige Stück hingegen dauert eine dreiviertel Stunde. Das chinesische Lied wird auch auf einem traditionellen Instrument, einer Pipa (Saiteninstrument) vom ersten Stock des Weltmuseums herunter – gespielt. Von dort tanzen auch die sieben tänzerischen Darstellerinnen die prachtvolle Treppe – mit Schüsseln auf den Köpfen – herunter auf die als Podest aufgebaute Bühne. Neben dieser spielen die Musiker_innen – auf Harfe (für Wasser), Geige, (Quer-)flöte (für Edelmetall), Xylophon und Schlagwerk.

Troubles und Hilfsbereitschaft

Auch wenn die Aufführungen sehr ausbalanciert verlaufen, das Streben nach und Ringen um Balance wunderbar transportieren, war der Weg bis dahin kein nur harmonischer, wie die Yutong-Yang Ji schildert. „Wir hatten nicht einmal dreieinhalb Wochen Zeit für Proben. Und es waren auch fast nie alle gleichzeitig da.“
Wie zerbrechlich die Schüsseln sind, belegt die Tatsache, „dass wir jetzt nur mehr etwas mehr als 20 solcher Schalen haben“.
Das Xylophon transportierte die Choreografin und Produktionsleiterin eigenhändig mit dem Komponisten vom Konservatorium ins Weltmuseum.
Doch in all den Widernissen tauchten auch Balance-Elemente auf. „Es gab bis knapp vor der Vorstellung Probleme mit der Lichttechnik. Aber ein Lichtmeister aus dem Burgtheater, den ich von der ProduktionIn 80 Tagen um die Weltkannte, ist kurzfristig eingesprungen.“

Hoffnung

Zurück zum – von vielen missinterpretierten – Frühling: „Die grünen Kleider in diesen Szenen stehen für die Hoffnung. Und die ist einem alten chinesischen Sprichwort nach wie Zucker. Auch wenn sie klein ist und sich im Tee auflöst, versüßt sie doch alles!“

Balance
Produktion, Regie und Choreografie: Yutong -Yang Ji (CN)
Tanz: Doro Altenburger (AT), Nozomi Chinju (JP), Valerie Igl (AT), Katharina Illnar (AT), Anna Nussmüller (AT), Klara Pramesberger (AT), Marina Rützler (AT), Anna Schumacher (DE)
Musik:
Komposition, musikalische Leitung und Geige: Lukas Medlam (UK)
Gesang: Maida Karisik (BH)
Harfe: Iris Mana (ES)
Flöte: Pei-San Hsieh (TW)
Pipa: Caoxin (CN)
Schlagwerk: Ivan Bulbitski (RU)
Lichtdesign: Gerald Weilharter (AT), Jonas Kägi (CH), Manfred Nussmüller (AT), Joachim Tanner (CH), Rodrigo Martinez (MEX)
Kostüme: Yutong –Yang Ji ( CN), Doro Altenburger (AT), Yan Liu (CN), Michael Ellinger von Label km/a (AT)
Kameraproduktion: Alex Dolphin (AT), Mariano Margarit (ARG), Bin Ren (CN)
Fotos: Wolfgang Stecher (AT), Mariano Margarit (ARG), Yi Qian (CN)
Ton: Christian Schleining (AT), Agentur Ai-like Entertainment
Bild: Stephanie Balih (AT)
Plakatdesign: Rodrigo Martinez (MX)
Produktion: Produktionsmitarbeit: Jonas Kägi (CH)
Regieassistenz und Koordination: Lhasa Miyagawa (AT/JP)
I Ging Philosophie Kulturberatung: Prof. Haiyi Deng (CN)

Vorerst leider keine weiteren Termine

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