Kiku
13.05.2017

Break-Dance, Jazz, Opern-Arien im Haydn-Saal

Eisenstadt: Kinder, Jugendliche und Promis singen, spielen und tanzen für Stiftung Vis Fontis.

Weiße Hemden bzw. Blusen, schwarze Brillen – die Crew, die da auf die Bühne kommt, macht nicht nur äußerlich so richtig auf cool, in den folgenden Minuten reißen sie das Publikum fast von den Sitzen. Super-synchron tanzt die „Maximum“-Crew Hip*Hop, Street- und Urban-Dance auf der Bühne des ehrwürdigen Haydn-Saals im Eisenstädter Schloss Esterházy. Damit setzten sie am Freitag Abend einen vielumjubelten, fulminanten Auftakt des diesjährigen Benefizkonzerts für die Stiftung „Vis Fontis“ („Kraft der Quelle“). Junge Künstlerinnen und Künstler aus zwei der zehn Einrichtungen, die von dieser Stiftung (Vorsitzende Ágnes Ottrubay), unterstützt werden, traten an diesem Abend – gemeinsam mit prominenten Künstler_innen auf, u.a. der ungarisch-österreichischen Sopran-Sängerin Ildikó Raimondi.

Anregungen von YouTube

Den eingangs beschriebenen mitreißenden Tanz-Auftakt mit Breakdance-Einlagen wie Head-Spins, lieferten eineinhalb Dutzend Kinder und Jugendliche (8 bis 19 Jahre) aus der Sozialstation Wetschehaus im rumänischen Petroasa Mare (zu Deutsch Wetschehaus, bei Lugoj/ Lugosch im Kreis Timiș/Timișoara). Ionut, Andrea, Patrizia, Catalina und Catalin, Joska, Amalia, Alina, Daniel, zwei Jungs namens Denis, Cosmina, Wlad & Co. tanzen erst seit einem Jahr. „Einmal in der Woche mit Profis, aber wir üben natürlich bei uns im Haus fast jeden Tag, ich sogar bis zu zwei Stunden täglich“, vertraut der besonders cool auftretende 13-jährige Ionut – der einzige, der über sein weißes Hemd noch eine schwarze Jacke angezogen hat, dem Kinder-KURIER an. „Inspiration für meine Moves hole ich mir oft aus YouTube-Videos.“

Jung-Musiker_innen-Paradies

Junge und jüngste Musiker_innen aus einer weiteren von Vis Fontis unterstützten Initiative hatten schon beim Auftaktkonzert vor eineinhalb Jahren das Publikum begeistert – und taten es auch diesmal. Schon damals mit dabei: Csanád Barbarics. Bei seinem Klavier-Solo (Etude Dis-Moll P. 8, No. 12 von Aleksandr Nikolajević Skrjabin) schien er – wie so oft – einfach in einer anderen Welt zu schweben, wenn er seine Finger virtuos über die Tastatur schweben lässt. Sein Grundsatz: „Ich spiele nicht auf, sondern MIT einem Instrument!“

Der nun 17-Jährige erhält Unterstützung von der „Snétberger Musik Talent Stiftung“. Diesmal trat er jedoch nicht nur als Solist in Erscheinung, sondern begleitete auch die bekannte Sopranistin Ildikó Raimondi (Josph Hadyn „Die zu späte Ankunft der Mutter“). Die beiden begegneten einander bei der Probe am Nachmittag zum allerersten Mal – und dennoch: Ein mehr als gelungenes Zusammenspiel!

Talente-Förderung

Der Gründer dieser musikalischen Talente-Förderung, der berühmte Weltmusiker Ferenc Snétberger, trat selbst mit einigen der jungen Musiker und Sängerinnen auf: Mit der genialen Jazz-Sängerin Diana Danyi ( Tom Jobins Briga Nunc Mais), mit den Klarinettisten Norbert Sándor und Elemér Fehér (Àlom, vom Meister selbst komponiert). Aus demselben „Stall“ kommt Gergö Palásti, der auf dem Fagott Johann Sebastian Bachs Suite für Violoncello G-Dur Nr. 1 BMV 1007 zum besten gab.
Ferner überzeugten der erst 14-jährige Benjamin Urbán (Klavier) und die junge Opernsängerin Orsolya Janszo (die nun in Bratislava studiert) – gemeinsam ( Georg Friedrich Händel: Lascia ch’io pianga) sowie Urbán in einem Klaviersolo ( Franz Liszt: Csardás Macabre) – wo er wie der oben genannte Csanád Barbarics in anderen Sphären schwebte und das Gefühl vermittelte, er könnte „ewig“ so weiter spielen – und man könnte ihm dabei auch genauso lang zuhören und davonschweben.
Die Opernsängerin verriet dem KiKu: „Ich hab schon mit sechs Jahren begonnen zu singen, damals in Budapest. Ich liebe Klassik. Später hab ich dann im Internet gesucht, wo ich mich weiter entwickeln könnte und bin auf das Snétberger-Zentrum gestoßen. Dort bin ich jetzt seit einem Jahr. Außerdem studiere ich jetzt in Bratislava.“

16-jährige Geigerin, berühmte Sängerin

Der Benefiz-Abend wurde abgerundet durch die 16-jährige Lokalmatadorin, die Geigenvirtuosin Hannah Job, die – begleitet von Adolf Henning am Klavier – Tschaikowskis Valse Scherzo C-Dut op 34 spielte. Und durch fünf Lieder Ildikó Raimondis, diesfalls begleitet von Ferry Janoska: Caro mi oben von Gisueppe Giordani, Aus Leichtsinn ( Franz Xaver Süssmayr), Franz Xaver Mozarts (Sohn vom berühmten Wolferl) „An die Einsamkeit“, Johann Strauß/ Nico Dostal: „heut mach die Welt Sonntag für mich“ und Franz Lehárs Eva Walzer.

​Wetschehaus

Anfang der 90er-Jahre, nach dem Sturz Ceaușescus und dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde von der Caritas Burgenland in einem aufgelassenen Pfarrhof von Petroasa Mare (schwäbischer Dorfname Wetschehaus) die Sozialstation gegründet. Der Leiter der Kinderabteilung des Eisenstädter Landeskrankenhauses, Hans-Peter Wagentristl, wurde ärztlicher Leiter dieser Station. Er und seine Frau, die Religionslehrerin Herta Wagentristl, engagieren sich bei der Unterstützung vor Ort. Rund um das Konzert in Eisenstadt wohnten auch etliche der Kinder im Haus des Paares, andere Kinder bzw. Jugendliche kamen bei anderen Familien in der burgenländischen Hauptstadt unter.

Zahlreiche Burgenländer_innen engagieren sich ehrenamtlich bzw. finanziell für die Betreuungseinrichtung für Sozialwaisen. Seit ihren Anfängen fanden so mehr als Kinder ein Zuhause. Das Generationenzentrum bietet derzeit Platz für rund 20 Kinder und Jugendliche. Sie bekommen außer einem Dach über dem Kopf und regelmäßigen Mahlzeiten auch pädagogische Werte vermittelt. VisFontis unterstützt unter anderem mit Tanztherapien: Die Kinder lernen in den Tanzkursen traditionelle rumänische und moderne Tänze – von letzteren zeigten sie einiges beim Benefizkonzert.

Hier geht's zu einer Reportage über Camp-Wochen des Snétberger-Zentrums

Bericht vom Gründungs-Konzert der Stiftung Vis Fontis

www.visfontis.net

Das Konzert in Bildern

... von Proben am Nachmittag

Schnappschüsse am Rande von Konzert bzw. Proben