Stell dir vor, du müsstest flüchten

Kilian Klapper als der jugendliche Flüchtling
Foto: Wiener Klassenzimmertheater Kilian Klapper als der jugendliche Flüchtling

Beklemmender, berührender Perspektivenwechsel in Buch und nun auch Theaterstück "Krieg. Stell dir vor, er wäre hier"

Eine (fast) leere Bühne. Nur ein nackter Tisch steht da. Ein Schauspieler taucht auf, um die Schulter eine Plastiktasche eines Möbelhauses. Entnimmt ihr einen Ghettobluster, einige Kassetten, eine Gasmaske, eine Brille, einen Brief. Wenig. Ein Flüchtling hat oft nicht einmal so viel.
In die Rolle eines solchen schlüpft der Schauspieler in „Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“. Das für Klassenzimmer konzipierte Stück inszeniert das kleine gleichnamige Büchlein (im nur leicht überdimensionierten) Passformat von Jane Teller (bekannt und berühmt geworden mit dem Buch „Nichts“).

Die Grundgeschichte ist einfach. Und doch so heftig. Annahme: Krieg in Europa. Und du musst flüchten. Was auch schon nicht so einfach ist, dein Vater war Abgeordneter, ihr seid verfolgt, müsst alles verkaufen, um überhaupt flüchten zu können. In solchen Fällen gibt’s keine Billigst-Urlaubsflüge, solche Menschen sind sehr oft bis meist auf Schlepper angewiesen.

Betroffen

Und in Ägypten – die nächste Zufluchtsregion – jammern sie schon über die „Flut“ an Flüchtlingen, die sie auch zu fast nichts gebrauchen können. „Flüchtlinge aus Europa können nichts anderes las in Büros sitzen und Papiere umdrehen.“ Und im großen Zeltlager gerätst du noch in Feindschaften verschiedener Flüchtlingsgruppen…

Spricht schon die Autorin ihre Leserinnen und Leser direkt an, so wird dies in der theatralen Inszenierung noch viel dichter. Der Schauspieler wendet sich immer wieder ans Publikum – nicht nur in der gesamten Gruppe, sondern per Blick und/oder Fingerzeig an die eine/den anderen direkt. Beklemmend. Hautnah. Und doch „nichts“ anderes, als das, was Tausende Menschen oft auch nicht weit entfernt, mitunter in der eigenen Klasse am eigenen Leib real erleb(t)en. So wird’s aber auch für jene unmittelbar nachvollziehbar, was Flüchtlinge erleben (können/müssen): Angst. Hunger. Kälte.
Unmittelbar angesprochen sollen/dürfen/müssen die ins Geschehen eingebundenen Zuschauer_innen beispielsweise spontan sagen, was sie beispielsweise mitnehmen würden, wenn sie flüchten müssten
.

Infos

Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

Guerilla Gorillas und das Wiener Klassenzimmertheater bringen diesen Text als Österreichische Erstaufführung nach Wien. Gespielt werden kann im Theater aber vor allem auch im Klassenzimmer.
Nach dem Buch (im Passformat) von Janne Teller „Krieg. Stell dir vor er wäre hier“; aus dem Dänischen von Sigrid C. Engeler, Illustrationen: Helle Vibeke Jensen; Carl Hanser Verlag München, 2011
Inszenierung: Holger Schober
Darsteller: Kilian Klapper

 

Weiterführende Links

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?