© Heinz Wagner

Standpunkt-Diskussionen
06/19/2016

Lieber gleichberechtigt als nie

Mehr als 300 Jugendliche diskutierten mit Fachleuten in zwei Standpunkt-Veranstaltungen - in Wien und Linz - über „Starke Mädchen – hübsche Burschen - Gleichberechtigung und Selbstdarstellung in der Schule“.

von Heinz Wagner

Update: 20. Juni 2016, 13:00 Uhr: Korrektur der Zahl der teilnehmenden Jugendlichen und Lehrpersonen an beiden Diskussionen von 250 auf 310.

So früh, nämlich ohne der oft bei Podiumsdiskussionen herrschenden langen Schrecksekunden, wenn die Mikros fürs Publikum offen sind, war’s noch selten bei einer der „Standpunkt“-Veranstaltungen zugegangen. „Starke Mädchen – hübsche Burschen“ unter diesem leicht provokanten Titel diskutierten Mitte Juni in Wien und tags darauf in Linz insgesamt 310 Jugendliche und ihre Lehrer_innen über „Gleichberechtigung und Selbstdarstellung in der Schule“. Und zumindest bei der Wiener Veranstaltung, der der KiKu beiwohnte, war die Beteiligung so stark, dass die Debatte noch sehr lange weitergehen hätte können.

Die ersten – echt nur kurzen – Impulse kamen vom mit Barbara Buchegger (Leiterin von saferinternet.at), Melisa Erkurt (Chefin vom Dienst beim multikulturellen Wiener Stadtmagazin „biber“), Christine Bauer-Jelinek (Coach, Autorin, ehemalige Lehrerin, Therapeutin) und Felix Bergmeister (Lektor an der Uni Wien zum Thema Cultural+Media Studies besetzten Podium unter der Diskussionsleitung von Alois Schörghuber (Ö1).

Eifrige Teilnahme

Die Diskutant_innen aus dem Publikum, wobei manche sich mehrmals zu Wort meldeten: Philip Marić (Schulen des BFI Wien), Niklas Koppel-Novak (GRG 4, Popper-Schule), Julian Rothenberehner (GRG 4, Popper-Schule), Sandra Maria Kuchling (Lehrerin an der BHAK 10), George Nighswander (Sir-Karl-Popper-Schule), Magdalena Massauer (BG 18, Klostergasse), Sara Sadrijaj (Schulen des BFI), Marie Theissing (BG 18, Klostergasse), Michelle Chubana (BHAK 10), Amelie Firan (GRG 4, Popper-Schule), Maximilian Katzengruber (Hertha-Firnbergschulen), Anna Prunbauer (BG 18, Klostergasse), Lilli Huber (BAKiP Wien 8), Sophie Leiner (Wiedner Gymnasium/ Popper-Schule), Lili Leißer (BHAK 10), Stefan Rietziniger (Wiedner Gymnasium/ Popper-Schule), Angela Ransdorf (Wiedner Gymnasium/ Popper-Schule), Clemens Passelt (Sir Karl-Popper-Schule/Wiedner Gymnasium), Christoph Strauss (Sir Karl-Popper-Schule/Wiedner Gymnasium), Julia Györgfelvay (BHAK 10), Natascha Taslim (Lehrerin an der BAKiP, Wien 8), Niko Bäcker (GRG 4/ Popper-Schule), Carina Ragg (Lehrerin am GRG 4/ Popper-Schule), Sara Toth (Sir Karl-Popper-Schule/Wiedner Gymnasium), Denise Szorentin (BAKiP Wien 8), Ulrike Pollak (Schulen des BFI), Adnan Hot (BHAK 10), Anastasija Radunov (Hertha-Firnberg-Schule)

Hilfsmittel

Weitgehend Einigkeit herrschte darin, dass es keine Rolle spielen sollte, ob Mann oder Frau, wenn es um die Auswahl bei einem Job und bei vielem anderen geht. Und die Bezahlung sollte gleich sein. Unterschiedlich die Ansichten, wie weit unsere Gesellschaft da schon sei, ob es Rückschritte gebe, ob eine Quote hilfreich sei oder sich auch verselbstständige. So verwies Podiumsdiskutantin Christine Bauer-Jelinek darauf, dass im öffentlichen Dienst es im Justizbereich mittlerweile schon 60 Prozent Frauen gebe. Manche meinten, es bräuchte kaum mehr darüber diskutiert werden. Andere, wie Melisa Erkurt, orteten Rückschritte. „Die Gesellschaften werden wieder konservativer.“

Ein Schüler stellte den Zusammenhang zwischen Gender-und sozialer Frage expliziter her als manch andere Diskutant_innen, die erstere auch als soziale Frage verstanden wissen wollten: Er verglich das Patriarchat mit dem Kapitalismus: Privilegierte wollen selten freiwillig auf ihre Vorrechte verzichten.

Noch einiges zu tun

Dass noch eine ganze Menge zu tun bleibt, zeigte eine Schülerin auf, die schilderte, dass sie nicht selten ausgelacht bis belächelt werde, wenn sie ihren Berufswunsch Biochemie nenne. Gegen Ende der eineinhalbstündigen Veranstaltung fragte der Moderator die Jugendlichen, wer einen nach herkömmlichen schubladisierten Vorstellungen fürs eigene Geschlecht untypischen Beruf anstrebe: Drei Burschen und fast ein Dutzend Mädchen hoben ihre Hände. Volksschullehrer bzw. Kindergärtner nannten die Burschen. Die Mädchen zählten auf: Logistikerin bzw. Transportmanagerin, Polizistin, Technik, Forschung, Architektin, Biomechanikerin, Informatik, Biochemikerin, Kriminalpsychologin.

Fotos von der Wiener Diskussion

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Standpunkt Wien, Juni 2016

Sogar gesungene Statements

Eine absolute Premiere brachte die Standpunkt im Linzer O.K. (Offenes Kulturhaus) zum selben Thema („Starke Mädchen – hübsche Burschen - Gleichberechtigung und Selbstdarstellung in der Schule“). Eine der Podiumsteilnehmer_innen, Veronika Moser (u.a. Radiomacherin) trat in ihrer zweiten Identität als „Frau Tomani“ (Singer-Songwriterin) auf und hielt ihr erstes – sowie ein späteres Statement singend, wobei sie sich selbst mit der Gitarre begleitete: Inspiriert vom französischen Philosophen René Descartes (cogito, ergo sum – ich denke, also bin ich) sang sie „Ich denke, also bin ich, also spinn ich.. du bist zu sanft, du bis zu kalt...., zu rund, zu eckig...“.

Christine Haiden, „Welt der Frau“-Chefredakteurin und Kolumnistin der OÖ-Nachrichten, verwies einleitend darauf, dass Frauen heute weitgehend gleich gut gebildet sind, aber auf dem Weg in viele Führungspositionen „verschwinden“, speziell in OÖ gibt es derzeit nicht einmal eine einzige Frau in der Landesregierung.

Emanuel Danesch (Trainer bei saferinternet.at, POIKA – Verein zur Förderung gendersensibler Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht) orte in der Arbeit mit Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit und Kompetenz auch in diesen Fragen, aber patriarchalische Strukturen wirkten nach wie vor stark weiter.

Julia Schuster (Institut für Frauen- und Geschlechterforschung) brach nicht zuletzt eine Lanze für gleiche Wertschätzung für alle Berufe, egal ob sie Frauen- oder Männer-dominiert wären.

Jugendliche noch immer altvorderen Stereotypen konfrontiert

Danesch‘ These wurde praktisch voll in der folgenden, lebhaften Diskussion durch die Jugendlichen, die sich zu Wort meldeten, bestätigt. Da gab es Mädchen, die gerne Fußball spielen, es aber ab 12 Jahren in ihrem Heimatort nicht mehr tun durften, Buben, die in die BAKiP (BundesAnstalt für KIndergartenPädagogik) gehen und dort kein Bubenturnen haben dürfen. Eine Reihe von Schülerinnen und Schülern klagten in konkreten Beispielen über Lehrer_innen, von denen sie nach eigentlich längst überkommen gedachten Stereotypen behandelt werden.

Eine Absolventin der BAKiP, die sich in ihrer Diplomarbeit damit beschäftigt hatte, verwies darauf, dass solche Rollenmuster schon sehr, sehr früh anfangen. Sie habe etwa für ihre Arbeit beobachtet, dass Buben in der Bau-Ecke ohne weiteres über die mit Teppich unterlegte Begrenzung hinaus bauen, während Mädchen nur innerhalb dieser Grenzen bleiben. Deshalb sei es so wichtig, schon in der kindlichen Früherziehung sensibel darauf zu achten.

Auch hier ergab sich in den eineinhalb Stunden ein eher einheitliches Bild letztlich anzustreben, dass es egal sein müsste, ob Mann oder Frau – auf den einzelnen Menschen müsste es ankommen.

Ich widersetz mich

„Frau Tomani“ (Veronika Moser) sang dazwischen passend ihr Lied von Normen und „normal“ und ihrer Conclusio: „meine kleine Revolution – ich widersetz mich!“

Und die Journalistin Christine Haiden gab den hoffnungsfrohen Ausblick: „Vor mehr als 100 Jahren wurden Frauen vom Studieren abgehalten, vor 30 Jahren davon, Mechanikerin zu werden, heute sei unter anderem darüber diskutiert worden, ob sich Frauenstimmen für Heavy-Metal-Songs eigenen, in 30 Jahren werde auch das abgehakt sein.

Fotos von der Linzer Diskussion

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Standpunkt Linz, Juni 2016

Zum Nachhören

Standpunkt...
... ist eine gemeinsame Veranstaltung vom Bundesministerium für Bildung und Frauen (noch, bis zur Änderung des Ministeriengesetzes, wo der Bereich Frauen in das jetzige Gesundheitsministerium wandert und ORF. Der KURIER ist Partner des Redaktionsteams.
Mit der Organisation ist KeyKontakt P.R. (beim Kulturkontakt) beauftragt

Die beiden gesamten Diskussionen werden – jeweils in drei Teilen – online ausgestrahlt:

  • Wiener Diskussion: 20./21./22. Juni 2016 (diesmal wiederholt: 25./26./27. Juli 2016)
  • Linzer Diskussion: 23./24./25. Juni 2016

Jeweils 19.30 bis 20 Uhr
http://oe1.orf.at/campus

bzw. zum Nachhören: www.schuelerradio.at

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