Kiku
05.12.2011

Spielerisch-experimentelle Höhenflüge in Schule und Museum

Hereinspaziert! Museumsprojekte wollen Mehrsprachigkeit von Kindern (und ihren Eltern) nutzen

Hubschrauber aus dem vierten Stock des Technischen Museums. Und viele auf einmal. Aus buntem Papier. Und leicht herzustellen. Mädchen und Buben der vorjährigen 3a sowie der 2b der Volksschule Leystraße (Wien-Brigittenau) hatten sie zuvor mit wenigen Scherenschnitten und einigen Knicks aus breiten Papierstreifen hergestellt - auf dem Boden knotzend im Festsaal des genannten Technik"tempels".
Es war fast der Abschluss der Vorstellung eines spannenden Pilotprojekts, das nun sozusagen in Serie geht. Die beiden genannten Klassen hatten zuvor das Museum drei Mal besucht, Flugzeuge und heiße Luft sowie Experimente und Geschichten darum herum standen auf dem Programm, erzählen Necla Sayici und Ebru Ünal, dem Kinder-KURIER.

Vielsprachig

Und in der Schule wurde mit den Erfahrungen aus dem Museum weiter gearbeitet. Jedes Kind bastelte ein eigenes Flugobjekt aus Papier, Karton und Holz. Jede und jeder ein anderes. Die meisten wurden in eine Art Karton-Vitrine platziert. "Daraus haben wir eine Ausstellung in der Schule für unsere Eltern gemacht, berichten die Kids. Für die Präsentation hatten sie diese Boxen mit ins Museum gebracht.
Jessika Saib zeigt ihren Flieger stolz dem KiKu: "Das ist ein englisches Flugzeug", deutet sie auf die Beschriftung des Ausstellungsstücks in deutscher und englischer Sprache (Airplane). Gleich daneben liegt Zarife Koçaks Flieger, der nicht nur so benannt wird, sondern auch mit Uçak - wie das Teil auf Türkisch heißt.

Museumskoffer

Die Vielsprachigkeit ist wesentlicher Bestandteil des Projekts "Hereinspaziert - Museumskompetenz für Kinder nichtdeutscher Muttersprache". Statt dies als Defizit oder Mangel anzusehen, wird die Mehrsprachigkeit genutzt - Objekte werden in mehreren Sprachen bezeichnet, der dazugehörige Museumskoffer enthält auch Bücher in verschiedenen Sprachen usw. "Und Helikopter, Rettungshubschrauber und ein Knochen war auch drin", weiß Luka Petrović.
Warum ein Knochen? "Wir haben gelernt, dass Vögel hohle Knochen haben und deswegen fliegen können und wir Menschen nicht, weil unsere Knochen nicht hohl sind."

Experimente

Was allerdings noch viel mehr Spaß machte, das zeigten einige auch rund um die Vorstellung des Projekts "Hereinspaziert": Experimente.
Ein Fön, ein Tischtennisball und ein Rohr. Dass ein Tischtennisball auf der heißen Luft aus einem Haarfön tanzen kann, das kennen viele. Aber wenn du darüber noch ein Rohr hältst. Hui, das flutscht, der Ball saust nach oben - ruck zuck durch und oben raus und höher. Keine zusätzlich Kraft nur der Sog zieht den Ball nach oben - der "Schmäh", wie Flugzeuge nach oben kommen.
Am meisten faszinierte die Kids die "Rakete" - ein ausgeleertes Teesackerl wird angezündet und schon fliegt das Teil - weil die erwärmte Luft aufsteigt.

Hintergrund

Das Projekt "Hereinspaziert" war Teil der vom Bildungsministerium geförderten Initiative, besonders Kinder aus solchen Familien in Museen zu bewegen, die mehrere Sprachen können und doch selten Museen besuchen.
"Mit Hereinspaziert! werden Sprachbarrieren abgebaut und neue Zugänge zum Museum als außerschulischer Lernort geschaffen", begründet Gabriele Zuna-Kratky, die TMW-Direktorin diese Initiative. Und für den Sponsor Verkehrsbüro zieht Generaldirektor Harald Nograsek eine Parallel zum eigenen Business: "Reisen öffnet Horizonte und trägt zum besseren Verständnis anderer Kulturen bei. Das wollen wir auch in den heimischen Klassenzimmern vermitteln."

Necla Sayici (12) schrieb diese Geschichte:
Um fliegen zu können, wäre ich gerne ein rosa Einhorn mit Flügel und einem Horn, weil es sehr schön ist. Es fliegt in ein großes Wolkenkönigreich. Mein Einhorn kann höher als ein Flugzeug fliegen. Es fliegt nicht so schnell wie eine Rakete, aber schon schnell. Auf ihm kann man nicht nur fliegen, sondern auch reiten.

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