© Heinz Wagner

ACES
03/05/2013

Spielend und spannend Grenzen überwinden

Länderübergreifendes Schulnetzwerk. Bei ACES arbeiten Klassen aus Österreich und 14 Ländern in Projekten

von Heinz Wagner

Die Packung mit den Schnitten wird geöffnet – vor der WebCam, eine Schnitt rausgenommen und über den Rand des Laptops hinweggeschoben. Sie verschwindet hier im Medienraum der jobFit-Schule in der Wiener Holzhausergasse. Und taucht auf dem großen an die Wand projizierten Bild wieder auf – das kommt aus der anderen WebCam. Und die steht im slowakischen Myjava.

Ein halbes Dutzend Mal skypten die Jugendlichen der beiden Schulen im Rahmen eines der ACES-Projekte (siehe Infokasten). In der aktuellen Runde, die im April mit den Projektpräsentationen im slowakischen Senec (bei Bratislava) zu Ende geht, drehte sich alles um Medienkompetenz. Im slowenischen Laško hatten sich sie Wiener Schule und jene in Myjava aufs skypen verständigt. Dabei probierten sie verschiedenste gemeinsame Aktivitäten aus- u.a. spielten sie auch das beliebte Kartenspiel UNO über die Distanz. Ihr Projekt läuft unter dem Titel „inclusion 2.0“ – also Einbeziehung aller Schülerinnen und Schüler ohne jemanden auszugrenzen, nur weil sie oder er vielleicht das eine oder andere Handicap (Behinderung) hat. Und das eben unter Verwendung neuer (elektronischer) Medien. So ganz „nebenbei“ erfahren die Jugendlichen dabei aber auch hautnah den Unterschied zwischen echter und medialer „Wirklichkeit“, denn was via Computermonitor aussieht, als würden die Schnitten bzw. Karten von hier nach da wandern, ist ja nur Fake.

Echte Treffen

Um sich aber auch wirklich wirklich auszutauschen, gab es – wie bei allen ACES-Projekten – natürlich auch ganz reale Begegnungen einiger der Jugendlichen – und das in beiden Städten.

Sogar drei Schulen (das Maximum) beteiligten sich am „Realitäts-Check“ der kulturellen Identität. Neben der Neuen Mittelschule aus dem steirischen Köflach sind dies das Ady Endre Gymnázium Budapest sowie die Shkolla fillore Xhemail Kada in einer der ältesten Städte des Kosovo, in Peja/Peć. Ihre Kollegin Hana, die der (Kinder-)KURIER telefonisch beim Treffen in Budapest erwischt, zeigte sich in der ungarischen Metropole vom Termin im Fernsehstudio am meisten angetan, „ich hab dort Interviews auf Englisch gemacht“, berichtet sie stolz.
Peter von der ungarischen Partnerschule erzählt, „wir haben auch selber Videos vom internationalen Kulturabend gemacht, wo alle traditionelle Tänze und Lieder auch in Gewändern ihrer Region dargebracht haben. Aber natürlich haben wir auch den gemeinsamen ACES-Dance (der beim großen Auftakt-Meeting im schon erwähnten Laško erarbeitet wurde) aufgenommen.“
Ein kultureller Unterschied anderer Art – der zwischen Klein- und Großstadt - beeindruckte Andreas aus der Steiermark am meisten: „Das Einkaufszentrum war riesig, viel größer als bei uns zu Hause“.
Seinem Kollegen Julian brannten sich in Budapest neben Stadtbesichtigung und TV-Studio vor allem die gemeinsamen Spiele ein, „und dass es am Anfang schon eine Überwindung gekostet hat, immer nur Englisch zu reden, was manchmal schon auch schwer war, aber dann immer besser geworden ist. Und wir werden uns auch weiter über Facebook unterhalten und die Freundschaften, die da entstanden sind, so leicht weiter halten. Insgesamt war es eine sehr, sehr lustige Zeit.“

Alte und neue Musik

Beim Aufenthalt in der Steiermark gestalteten die Kids übrigens gemeinsam einen ausführlichen Beitrag für den freien Sender Radio Helsinki. Unter anderem verwendeten sie dafür sowohl traditionelle als auch moderne Musik aus allen drei Ländern. Das war übrigens – ungewollt – fast schon ein idealer Übergang zur nächsten Runde von Projekten dieses zentraleuropäischen Schulnetzwerkes.

Die Bewerbungen dafür sind rech einfach und vor allem ziemlich unbürokratisch, wie bisher teilnehmende Lehrkräfte angenehm überrascht feststell(t)en. Das neue Thema, zu dem Projekte eingereicht werden können: Ich und die anderen – entdecke Verschiedenheit rundum und in dir selbst.

Kinderredakteurin

Im Kosovo gibt es übrigens im TV einen Sendeschiene, für die Kinder mit einbezogen werden. Beim Kick-off-Treffen im slowenischen Laško recherchierte und interviewte die 12-jährige Dea Balaj für einen umfangreichen Beitrag. Sie arbeitet schont das dritte Jahr (!) für die albanischsprachige Sendung Programi Fluturues Fëmijeve.

„I and the others: Discovering diversity around and within me“, lautet das Thema des Schulwettbewerbes der aces - Academy of Central European Schools.
Schulklassen, die – gemeinsam mit Partnerschulen aus Zentraleuropa – eine Projektidee zum Thema Diversität entwickeln und umsetzen möchten, bitte mitmachen!

Was ist ACES?

Academy of Central European Schools ist eines der größten Schulnetzwerke in Mittel- und Südosteuropa. Es ist eine Initiative der ERSTE Stiftung, koordiniert vom Interkulturellen Zentrum und VČELÍ DOM.
Der Projektbewerb gibt SchülerInnen und LehrerInnen die Gelegenheit, sich mit KollegInnen aus 14 anderen Ländern zu vernetzen, Wissen und Erfahrungen auszutauschen, bei internationalen Treffen neue Lern- und Lehrmethoden kennenzulernen, und natürlich neue Freundschaften und Kontakte zu schließen.

Partnerländer

Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Moldau, Montenegro, Österreich, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.

Wer kann mitmachen?

Klassen aller Schultypen (Alter 12-17 Jahre) und Unterrichtsfächer. Das Projekt bietet sich auch für fächerübergreifendes Arbeiten an. Einreichfrist ist der 30. April.

Wie kann man mitmachen?

Die besten Projektvorschläge werden ausgewählt, bei der Umsetzung begleitet und finanziell unterstützt. Wer noch keine passende Partnerschule hat, kann sie über die Online-Partnerbörse finden:

www.aces.or.at/partnerfinder

Die Landkarte des 15 Länder umfassenden Schulnetzwerkes