Leben | Kiku 04.03.2012

Spiel und Tanz um Liebe zur und in der Philosophie

"Love and happiness" im Wiener Palais Kabelwerk

Vierzehn Tonnen Sand bilden den doch stabilen, wenngleich flexiblen, sich nicht viel, aber doch verändernden Untergrund. Aus dem auch so manches zu Tage gefördert wird. Noch viel mehr wird oberirdisch ausgebreitet, wenngleich auch da so manches aus den Tiefen des Unterbewussten kommen mag. Wenngleich es von eher hohen Gedankenflügen ausgeht. Klingt vielleicht rätselhaft, verspielt. Ist nur ein Versuch der Annäherung an die Performance "Love and Happiness". Die ist ab Mitte der Woche noch vier Mal im oberen Stockwerk im Palais Kabelwerk in Wien-Meidling zu erleben. Ein anspruchsvolles intellektuelles Vergnügen. Liesbeth Schoonheim, Sophie Menasse und Monika Demmer spielen sich – auf Englisch - durch 2000 Jahre Philosophiegeschichte. Ihr Anknüpfungspunkt und roter Faden ist die Liebe.

Texte und Geschichten

Szenenfoto aus "Love and Happiness"
© Bild: Angie Dittrich

Teils tragische wahre Romanzen großer Philosoph_innen wie etwa jene zwischen Hannah Arendt und Martin Heidegger werden aufgegriffen. Philosophische und psychologische Texte – teils in animierten Videoinstallationen auf die Rückwand und in den Sand projiziert – sind der Ausgangspunkt. Gespielt wird jedoch um das zentrale Thema Liebe – und heruntergebrochen (oder erhöht?) auf allgemeiner Erfahrungen, Strukturen vom einander Annähern, Begehren, Streben bis Kampf um Aufmerksamkeit des/der anderen, Enttäuschung, sich abwenden...

Theater, Tanz, Live-Musik

Szenenfoto aus "Love and Happiness"
© Bild: Angie Dittrich

Im Programmheft finden sich philosophischen "Protagonist_innen" für die jeweiligen Szenen: von Nietsche über Plato, Abélard&Hèloise, Arendt bis Sartre.
Sie waren für Schoonheim und Menasse, die einander beim Philosophiestudium im belgischen Leuven kennen gelernt hatten, dort der Ausgangspunkt. "Wir haben für einen Abschlussabend an der Uni einen Abend mit einigen dieser Texte gestaltet. Das war sozusagen die Urfassung", erzählen die beiden. Platos Texte, von denen viele in Dialogform geschrieben sind, gaben den Anstoß zur Präsentation in einer theatralen Form. Und Sophie Menasse, die schon als Kind in Theatergruppen spielte, bevor sie als Jugendliche "Die Phantasten" (mit)begründete, "wollte unbedingt wieder einmal Theater spielen". Schoonheim, die auf tänzerische Ausbildungen zurückblicken kann, die starke Grundmomente dieser Inszenierung bilden, wollten noch eine Musikerin. Und fanden in Monika Demmer eine langjährige Viola- und Violin-Spielerin UND Tänzerin.

Nachwirkend

Szenenfoto aus "Love and Happiness"
© Bild: Angie Dittrich

Ein sehr gelungener, von vielen langsamen Momenten gekennzeichneter Abend, der viel Konzentration und Anspannung in sich birgt und vom Publikum abverlangt, gleichzeitig jedoch anregt, inne zu halten, zumindest anschließend zu reflektieren, wie’s bei einem/einer selbst um diese lebenswichtigen Themen steht…

Infos

Szenenfoto aus "Love and Happiness"
© Bild: Angie Dittrich

LOVE AND HAPPINESS
Oder wie man aufhört zu philosophieren und zu lieben beginnt
Eine dramatische Liebesphilosophiegeschichte von Platon bis Sartre

gespielt in englischer Sprache

Eine Produktion von: Die Phantasten – ernsthaft verspielt
Performance: Liesbeth Schoonheim, Sophie Menasse, Monika Demmer
Regie: Nicole Delle Karth

Vorstellungen: 7., 8., 9., 10. März, 20 Uhr
Palais Kabelwerk: 1120, Oswaldgasse 35A (nahe der u6-Station Tschertegasse)
Kartenreservierung: Telefon ( 01) 802 06 50
eMail: tickets@palaiskabelwerk.at
Eintritt: € 15,-- / € 10,-- (Studierende)

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( Kurier ) Erstellt am 04.03.2012