Kiku
05.12.2011

Spaß mit 16 Figuren auf 64 Feldern

Kinder- und Jugend-Schachfest mit 16-jährigem internationalen Großmeister

Rauf mit dem Aufzug in den 19. Stock. "Das ist der oberste, höher geht's gar nicht", stellt einer der jungen Fahrgäste fest. Rein in den Saal. Auf einigen Tischen stehen schon Schachbretter mit den je 16 weißen und schwarzen Figuren, an anderen werden sie grade aufgestellt. Geradeaus durch die Glasfront Blick auf die Donau. Zu Füßen liegt die Reichsbrücke, die die Lassallestraße in der Leopold- mit der Wagramer Straße in der Donaustadt verbindet. Doch davor alles beherrschend ein riesiger Baukran. Rechts geht's hinaus auf eine lauschige langgezogene Terrasse. Auch hier Tische, die mit den karierten Brettern und Figuren bestückt werden.
(Mehr - fotos und Statements - der Kids in der Fotostrecke!)

Dahinter wuchtig einer der gebogenen Fassaden der UNO-City. Die Welt zum Greifen nah. In anderer Gestalt kommt "die Welt" auch hierher - zum Spielen. Highlight für viele, die zur Schachparty für Kids gekommen sind: Anish Giri (Bild), noch 16 (Ende Juni wird er 17) ist der jüngste in der Top-Weltrangliste. Mit einer Elozahl (Maß für Spielstärke) von 2690 (Stand März 2011) liegt er auf Platz 44 der Gesamt- und natürlich auf Platz 1 der U18-Liste.

Simultan-Partien

Anna-Lena Schnegg (Bild) ist erst 12 und hat schon mehr als 2000 Elo-Punkte. Sie so wie Georg Halwax, Daniel Hartl, Florian Pötz, Christoph Menezes, Tom Nolz, Katharina Newrkla und Fabian Platzgummer spielten an diesem Nachmittag simultan gegen den jüngsten Großmeister. Fünf mussten sich - trotz Handicaps Giris - geschlagen geben, Newrkla und Pötz erreichten je ein Remis und Platzgummer konnte seine Partie gar gewinnen.

Kids brachten Schach in die Schule

Einer aus der jungen Ö-Auswahl, die gegen Anish Giri antraten war Christoph Menezes. Der 15-Jährige hatte gemeinsam mit Gleichgesinnten in der Volksschulzeit (VS Krottenbachstraße) die Lehrerin bedrängt, dass sie Schach spielen wollen. Die ließ sich drauf ein, organisierte den Kontakt zum Schachverband und einen Trainer - und die Schule wurde postwendend damit belohnt, dass die Kinder den Landesmeistertitel in diese Döblinger Schule holten. Nur den ersten einer ganzen Reihe. Schach ist ein Schwerpunkt geblieben und Erfolge gab es noch weitere - für die Schule und für das schon damals auffallende Talent Christoph Menezes.

Schach als Chance

Mit dem Fest wollte Initiator Stefan Löffler aber auch auf ein Projekt aufmerksam machen, das an Wiener Volksschulen mit überwiegend armutsgefährdeten Kindern kostenlosen Schachunterricht ermöglicht. "Schach als Chance" (mit Unterstützung der Erste Stiftung, der Erste Bank, des Tech Gate Vienna, des Park Inn UNO-City und privater Spender) versteht sich "als Baustein gegen die Bildungskrise und zum pädagogischen Ausbau der Ganztagsschulen. Studien belegen den vielfältigen Nutzen von Schach im Alter zwischen sechs und neun Jahren, übrigens auch für das Leseverständnis, und dass sozial benachteiligte Kinder besonders profitieren."

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