Sieger_innen der Semifinalrunde in Wien

© Lydia Steinmassl

Blaumeise, Rap, Schmetterlinge und Spielzeug-Traktoren
11/05/2014

Blaumeise, Rap, Schmetterlinge und Spielzeug-Traktoren

Jugendliche forschen mit Profis aus der Wissenschaft - Sparkling Science - und performen über ihre Projekte.

von Heinz Wagner

Ein Mann wird Vater. Soll er in Karenz gehen oder nicht? Schadet es seiner Karriere, wenn er es tut? Im Gespräch mit seiner Chefin kämpfen hinter seinem Rücken zwei Figuren, Engel und Teufel. Karriere oder monatelang den ganzen Tag miterleben können, wie sein Kind heranwächst…?

Überraschend

Mit dieser Szene stellten Schüler_innen der 8b der AHS Rahlgasse (Wien-Mariahilf) ihr Forschungsprojekt beim ersten Sparkling Science Slam vor: Väterkarenz - Auswirkungen auf Karrieren von Männern. Unter Leitung vom Joanneum Research und in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Feministische Studien der schwedischen Uni von Örebro, der Synthesis Forschung Gesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik ( Wien) waren sie dieser Frage im Rahmen eines prickelnden Wissenschaftsprojekts, das Jugendliche und Profi-Forscher_innen zusammenbringt, nachgegangen. Das überraschende Ergebnis: Wenn Väter sich für Karenz entscheiden, so hindert sie das in der Karriere NICHT, teilweise ist es für sie sogar – auch im Beruf – von Vorteil.

Trotzdem verpasste diese Gruppe – äußerst knapp – den Einzug ins Finale. Vier Gruppen aus Schulen, zwei aus Ost, zwei aus Westösterreich, stellen ihre Forschungsarbeit kreativ beim Sparkling-Science-Kongress am 17. November in Wien vor.

Vor"lesen"

Aus Wien schaffte es unter anderem das Projekt „Sprachsynthese von auditiven Lehrbüchern für blinde Schüler/innen (SALB)“. Sprachausgabe erleichtert das Surfen im Web für blinde Menschen oder solche mit starken Sehbeeinträchtigungen. Dabei gab es in den vergangenen Jahren starke, brauchbare Entwicklungen von Hilfe-Tools. Angelika und Daniela Angerer, Kevin Leeb und Denise Postl vom Bundes-BlindenerziehungsInstitut stellten eine solche Entwicklung vor, die darauf basiert, dass aufgenommene Sprach-Teile immer neu zusammengesetzt werden. In ihrem Projekt mit dem Forschungszentrum Telekommunikation Wien und dem Zentrum für Sprach-Technologie-Forschung der Uni von Edinburgh (Schottland) bringen sie nicht zuletzt ihre Praxiserfahrung ein, um die sprachbasierten „Werkzeuge“ benutzergerecht und –freundlich zu gestalten.

"Blaumeise" und Rap

In die Rolle eine Blaumeise schlüpfte Heidi Pablé, um aus ihrem Leben zu erzählen. Neben ihren Erzählungen, wie sich der Klimawandel auf ihr Leben auswirke, unterbrachen ihre Sacré Cœur Pressbaum Mitschülerinnen Marie Grech, Lilli Hofweyrer und Viktoria Kowar immer wieder mit Trommelschlägen auf Becher und einem Rap, der die Arbeitsweise des Projekts schilderte. Eine Besonderheit von „Der Einfluss von Klimafaktoren auf Verhalten und Fortpflanzung einheimischer Vogelarten“ in Kooperation mit der Österreichischen sowie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften und dem Konrad Lorenz Institut für Vergleichende Verhaltensforschung ist die schon langfristige über viele Jahre gehende Forschungsarbeit sowie der Umstand, dass dieses private (Real-)Gymnasium in einem großen Buchen-Eichen-Mischwald mit Wiesen und Gebüschstreifen liegt.

Bewegungen digital aufzeichnen

Hochtechnisch, superpraktisch ist „Mobile Motion Advisor 2.1“, das Stefan Eßbüchl, Kevin Zauner von der HTL Hollabrunn (NÖ) vorstellten. Die robusten, kleinen, selbst gelöteten Platinen messen über verschiedene Sensoren körperliche Bewegungen und übertragen die Daten per Bluetooth an mobile Endgeräte. Dreh- und Angelpunkt ist eine webbasierte „Open Innovation Plattform“, die gleich eine junge wissenschaftsinteressierte Community zur Mitarbeit einlädt. „Nebeneffekt“: Körperliche Betätigung attraktiv zu machen. Das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien, der Johannes Gutenberg Universität Mainz sowie weiteren Schulen (Goethe Gymnasium, Wien-Penzing, HTL Rennweg, Wien-Landstraße und HTBLuVA Waidhofen a.d. Ybbs, NÖ) wurde allerdings leider zu wenig kreativ präsentiert, um eine Final-Chance zu haben.

Von Flachs bis Schmetterlinge

An der FH Salzburg waren die ersten beiden Schüler_innen-Teams für das Österreich-Finale beim Sparkling-Science-Kongress ermittelt worden. Sechs kreative Performances hatten sich der Jury gestellt, in Wien traten vier Teams an.

Die NMS Lesachtal zeigte besonders anschaulich, wie früher Flachs verarbeitet wurde. Die BAKIP Klagenfurt gab eindrucksvolle Einblicke zu forschendem Lernen im Kindergarten zum Besten. Und gleich zwei Tiroler AHSen, das Akademische Gymnasium Innsbruck und das BRG Sillgasse, informierten auf sehr unterschiedliche Art und Weise über eine neue Methode, die in der Krebsforschung zum Einsatz kommen soll.

Inhalt und Performance

Keine einfache Aufgabe für die Jury, die aus den kreativen, witzigen, musikalischen und sehr professionellen Beiträgen zwei Siegerteams ermitteln musste. Bewertet wurden sowohl der Inhalt und der Bezug zum wissenschaftlichen Projekt, als auch die Kreativität und die Rhetorik bzw. Präsentation. Letzten Endes konnten die Jugendlichen der HBLA Ursprung (Elixhausen) vom Sparkling Science-Projekt „ALRAUNE“ alle drei Jurymitglieder von sich überzeugen. In ihrer Performance erklären die Schüler_innen, wie sie an Allergieforschung in ländlichen, alpinen und urbanen Gebieten mitgewirkt haben.

Das zweite Ticket fürs Finale erhielt die Neue Mittelschule Weer vom Projekt „Viel-Falter“. Sie gewährten Einblicke in den Überlebenskampf siedlungsnaher Schmetterlingshabitate. Zum Einsatz kamen dabei nicht nur zwei Ziehharmonikaspieler und zahlreiche Tänzerinnen und Tänzer, sondern auch zwei Bauern mit ihren Traktoren, die den Einfluss der Düngemittel auf die Schmetterlingshabitate demonstrierten.

Sparkling Science Slam?

Analog den „Poetry Slams“ konzentrieren sich die Teilnehmer_innen bei „Science Slams“ im Wesentlichen aufs gesprochene Wort. Keine Power Points, nur wenige Requisiten. Ziel: Forschung und Wissenschaft einfach und verständlich, möglichst kreativ darzulegen.

Jugendliche plus Profis

Bei Sparkling Science arbeiten Schüler_innen mit Forscher_innen in wissenschaftlichen Projekten zusammen. Seit 2007, wo diese europaweit einzigartige Initiative startete, waren dadurch rund 15.000 Jugendliche in Kooperation mit Wissenschafter_innen in Forschungsprojekten aktiv.

Beide Formate wurden beim Sparkling Science Slam zum ersten Mal kombiniert.

Die Spielregeln: Ein Team darf aus höchstens drei Performer_innen bestehen und hat sechs Minuten Zeit, um dem Publikum zu vermitteln, womit sie sich in den Projekten beschäftigt haben. Zusätzlich können beliebig viele Statist_innen auf der Bühne sein. Technische Hilfsmittel sind nicht erlaubt. Pro Vorentscheidung wurden für Westösterreich in Salzburg und für Ostösterreich in Wien je zwei Tickets für das Finale vergeben. Dieses findet am 17. November im Rahmen des "Sparkling Science-Kongresses" in Wien statt. Auf das Siegerteam wartet ein Preisgeld von 1.000 €, die weiteren Final-Teams erhalten jeweils 500 €.

Anmeldungen zum Kongress sind noch bis 10.11.2014 möglich:

www.sparklingscience.at/

www.youngscience.at/

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