© Charlotte derStern

Theater
06/28/2014

Sein bestes Stück...

... oder die Kuh von Orleans - lebendiges Plädoyer fürs Theater von Profis gemeinsam mit Jugendlichen.

von Heinz Wagner

Ein bisschen angelegt wie eine klassische Verwechslungskomödie mit Seitensprüngen da und ebensolchen dort und Klischeefiguren überall. Allesamt so überzeichnet, dass sie zu Karikaturen werden: Von der überdrehten, erfolgreichen, zerbrochenen alkoholkranken Künstlerin Ingeborg, die sich auf der Suche nach ihrer verlorenen Jugend praktisch ganz-körper-operieren lässt und dennoch ihren Trost nur in der Wodka-Flasche findet.

Ihr noch-immer-Ehemann Bernd, der ständig möglichst blutjunge Musen aufgabelt, um sich vorzumachen, dann könne er schreiben, dann jedoch beklagt, es ginge ihm dabei nicht dreckig genug, um wirklich zu Großem inspiriert zu werden. Tochter Ophelia, die von der Mutter immer nur niedergemacht wurde und nun obendrein mit Anatol einen Freund hat, der sie liebt, sich aber als asexuell outet. Damit stempelt er sich zum absoluten Außenseiter in dieser übersexualisierten Belegschaft von „Sein bestes Stück oder Die Kuh von Orleans“.

Profis plus Schüler_innen

(K)ein Schelm, wer beim ersten Teil des Titels… Elektra nennt der eine, Iphigenie ein anderer genau jenes… Alles dreht sich in dieser Koproduktion aus Profis und Jugendlichen (HLW Bergheidengasse, Wassermanngasse, Reumannplatz, Hertha-Firnberg-Schule, HIB Boerhaavegasse, die Graphische sowie GRG Zirkusgasse und Studierende der Uni Wien und der BoKu) – ums Theater. Denn eigentlich steht „Sein bestes Stück“ für den Versuch Hamlets, so der Vorname, den Ingeborg und Bernd ihrem Sohn gegeben haben, in Zeiten der Krise des Theaters das ultimative Stück schlechthin zu schreiben. Wobei er variiert seinen Vater wiederholt – er reißt sich mit „Mimi“ eine Muse auf, die er verleugnet sobald seine Verlobte Stella das Auto besteigt, das diese drei sowie Ophelia und Anatol ins Landhaus der Mutter in Italien bringen soll… Und dennoch ist es Emilia wie Mimi eigentlich heißt, mit der er sich – geistig – findet. Sie und er spinnen die Geschichte von der Suche nach der „inneren Kuh in jedem und jeder“.

Plädoyer fürs Theater

„Zu viel Information“, stoppt Maria M. Lehner, die Assistentin Bernds mitunter dessen Redefluss oder jenen der aktuellen Muse desselben Rita „Lovely“ Brasch. Das gilt ansatzweise auch für manche Szene des ganzen Stücks, in dem so mancher Klassiker zitiert wird, das dennoch selbst ein heiter-ironisch-karikierendes Plädoyer fürs Theater ist, dessen Niedergang es kokett beklagt. Einen leichten Dämpfer versetzt dem ganzen allerdings der – um auch zu einem Klischee zu greifen – oberlehrer_innen-hafte Ton des resümierenden Schlussmonologs.

Sein bestes Stück oder Die Kuh von Orleans
von Charlotte DerStern
Aus der Serie Jugendrelevante Themen für Jugendliche mit Jugendlichen

Text, Regie Charlotte derStern
Künstlerische Assistenz Christina Piringer
Design Konstantin Kunisch

EmiliaMimi“ Lessig Corinna Husek
Hamlet van Spronsen Konstantin Kunisch
Ophelia van Spronsen Anna Scharner
Ingeborg van Spronsen Christina Piringer
Bernd Rose Alexander E. Fennon
Stella Wolf Stephanie Rasch
Anatol Schneider Michael Zakall
Rita „Lovely“ Brasch Michaela Illetschko
Mara M. Lehner Magdalena Bönisch
Nora Tollhaus Nicole Haselbacher
Schwester Kathrin Luisa Leitener
Victor Witrac Stefan Antonicek
Wilhelm „Willi“ Schöller Clemens Jancik
Die innere Kuh Johanna Steine

Theater Drachengasse
www.drachengasse.at

... aus der Kuh von Orelans

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