Jugendliche Reporterin fotografiert das Jugendparlament

© Heinz Wagner

Jugendparlament
03/10/2017

Schulreform: So schnell und einfach könnt’s gehen!

Beim letzten Jugendparlament im alten "Hohen Haus" einigten sich alle vier Fraktionen – Gelb, Türkis, Violett und Weiß – auf ein gemeinsames Schulautonomie-Gesetz.

von Heinz Wagner

Jede Schule soll selber mehr entscheiden können – auch was unterrichtet wird. Neben Kernfächern soll es einen großen Spielraum für selbst bestimmte Wahlfächer geben. Das sah eine fiktive Gesetzesvorlage zur Abänderung des Schulunterrichtsgesetzes vor. Mehr als 100 Abgeordneten aus fünf Schulen der beiden Bundesländer Steiermark und Tirol, die das 18. Und nunmehr letzte Jugendparlament im alten Hohen Haus (dann wird es bis 2020 renoviert) stellten, bekamen die Vorlage Freitag Früh. In vier Fraktionen – Gelb, Türkis, Violett und Weiß – diskutierten sie, fanden am Grundgedanken viel Gefallen, aber an so manchen Punkten des Entwurfs etliche Kritikpunkte.

So fanden die in der Regel 15-Jährigen, viele Wahlfächer ab der fünften Schulstufe (1. Klasse Mittel- oder allgemeinbildender höherer Schule) wären für 10-Jährige eine Überforderung. Manche schlugen zunächst die neunte Schulstufe als die passende Grenze vor, andere meinten dazu, aber da hätten sie doch selbst schon die Entscheidung über die weitere Bildungslaufbahn getroffen. Und so kristallisierte sich bald die 7. Schulstufe als Ziel für eine Abänderung des Gesetzes heraus. Was aber gar nicht gehe meinten unisono Abgeordnete aller Fraktionen, dass – wie im Entwurf – die Schulleitung diese Wahlmodule festlege. Auch, dass die Kernfächer (etwa Deutsch und Mathematik) immer gleich in der Früh stattfinden müssten, behagt nicht allen.

Rasche Vier-Parteien-Einigung

Schon nach der ersten Ausschuss-Sitzung, bei der gewählte Vertreter_innen aller vier Klubs (Fraktionen) die ersten Diskussionsprozesse darlegten, schien sich eine mögliche Vier-Parteien-Einigung abzuzeichnen. Einen Klubsitzung sowie die Mittagspause mit Fraktionsverhandlungen später langte für die zweite Ausschuss-Sitzung ein gemeinsamer Gesamt-Änderungsantrag ein: Ab der 7. Schulstufe, Wahlmodule legt der SchulGemeinschaftsAusschuss fest und diese können klassenübergreifend – auch für zwei Jahrgänge – angeboten werden.

Eigentlich ruck-zuck. Da staunten einige der Parlaments-Abgeordnete, die stets das Jugendparlament mit Rat aus dem echten parlamentarischen Leben begleiten wie es auch gehen könnte: orientiert an der Sache, Gemeinsames vor Trennendes stellen. Die einstimmig beschlossene Gesetzesänderung werden einige dieser Abgeordnete, das versprachen sie, auch im echten Parlament zur Sprache bringen.

Neben der Gesetzesänderung brachten etliche Abgeordnete noch ergänzende Entschließungsanträge ein. Von der täglichen Sportstunde über Informationsveranstaltungen für jüngere Kinder über mögliche Wahlfächer bzw. Freifächer in der 5. Und 6. Schulstufe bis zu Nachhilfe-Buddy-Systemen durch ältere Schüler_innen spannte sich der Bogen dieser Anträge, die mehrheitlich angenommen wurden. Keine Mehrheit fand ein Antrag, überholte Fächer abzuschaffen und neue, zeitgemäßere anzubieten.

Interviews

In Kurz-Interviews mit dem Kinder-KURIER meinten die beiden Pressesprecherinnen des violetten Klubs,Leonie-Sofie KornhoferundMarwa Wali, schon in der Mittagspause: „wir sind alle grundsätzlich für mehr Autonomie, aber nicht schon so früh. Und wir wollen in der Oberstufen, dass die Schülerinnen und Schüler ganz alleine entscheiden können, davor sollten die Eltern auch noch ein Mitspracherecht haben.“

Robin Pirchner (Fraktion Weiß) aus der PolyTechnischen Schule Wörgl (Tirol) im Elektro-Zweig, meinte, „bei uns im Klub waren alle schnell einig, dass es die größere Auswahl geben soll, aber erst ab der 7. Oder 8. Schulstufe. Und persönlich“, fügte der Bursch, der gern eine Computertechnik-Lehre beginnen möchte, an „so ein System wäre sicher besser als das jetzige Schulsystem!“

Sein Schulkollege Fabian Hauser, Abgeordneter im Klub Gelb, hätte beispielsweise, gäbe es so eine Wahlmöglichkeit schon längst, sich für Module wie Informatik entschieden.

Für die Türkisen sagteNicolas Mittereggervom BORG St. Johann in Tirol zum Kinder-KURIER: „Wichtig war uns, dass nicht der Schulleiter oder die –Leiterin entscheidet, sondern Eltern und Schüler/innen, welche Module die Schule anbieten soll. Ab der fünften Schulstufe sollte es sie schon geben – da aber unverbindlich und ohne Noten, erst ab der 7. dann fix und mit Noten.“

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Jüngst-Abgeordnete bei der Arbeit

Schnappschüsse vom Jugendparlament am 10. März 2017

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Das Jugendparlament findet jedes halbe Jahr einmal statt. Fürs Jugendparlament können sich jeweils Klassen der neunten Schulstufe jenes Bundeslandes bewerben, das gerade den Vorsitz im Bundesrat, der Länderkammer des Parlaments, führt. Dieser wechselt halbjährlich in alphabetischer Reihenfolge.

Dadurch, dass es im Herbst ausnahmsweise nur ein Lehrlingsparlament gab, wurden nun die beiden Bundesländer Steiermark (Vorsitz im 2. Halbjahr 2016) und Tirol (derzeitiger Bundesrats-Vorsitz) zusammengefasst.

Die Schülerinnen und Schüler bekommen einen fiktiven Gesetzesvorschlag von der Parlamentsdirektion, der sich aber meist an realen aktuellen Gesetzesdiskussionen orientiert.

www.reininsparlament.at

www.demokratiewebstatt.at

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