Kiku
20.12.2011

Schon als Kind gern verkleidet und gesungen

Interview mit Sebastian Smulders, Jung-Darsteller (Rolf Gruber)

Die beiden Jugendlichen Victoria Wenisch und Clara Konetzky führten sich im Salzburger Landestheater das Musical The Sound of Music zu Gemüte, verfassten eine Kritik dazu - siehe Hintergrund - und führten mit dem Jungdarsteller Sebastian Smulders das folgende Interview:

 

Kinder-KURIER: "The Sound of Music“ ist ja ein Publikumsrenner. Das Stück ist vor allem weit bekannt durch den Hollywoodfilm mit Julie Andrews. Was macht deiner Meinung nach dieses Musical/dieses Stück so erfolgreich?

Sebastian Smulders: Was macht dieses Musical so erfolgreich... ich glaube die Tatsache, dass dieser Film einen ganzen Stil darstellt, den sich ganz viele Leute unter Deutschland , sowie auch unter Österreich vorstellen – dass ist Österreich, heile Welt, die Berge. Das ist auch das, was die Leute z.B. in Amerika oder in Asien sehen. Die schauen sich nicht den Atlas an, nein, die schauen sich Sound of Music an und sind von der landschaftlichen Schönheit Österreichs beeindruckt.

Nur ein Beispiel: Man muss es immer wieder sagen, viele Leute haben jahrelang gedacht, Edelweiß wäre die österreichische Nationalhymne.

Wie bist du auf die Rolle des Rolf aufmerksam geworden?

Das ist leider ganz banal, ich habe eine Audition-Ausschreibung bekommen und da waren die Rollen aufgelistet, unter anderem die Rolle des Rolf Gruber : jung, Rollenalter 16 bis 20 Jahre, ich dachte mir dann, dass sich das ja noch gerade ausgehen könnte - vom Äußerlichen her (lacht).

Außerdem kannte ich auch den Regisseur, ich habe schon ein Kinderstück mit ihm gemacht, in Pippi Langstrumpf habe ich schon den Tommy gespielt und hatte dadurch dann auch „Kindererfahrung“.

Ja, dann habe ich mich ganz normal beworben, hab vorgesungen und irgendwann kam dann das Angebot.

Wie hast du dich auf diese Rolle vorbereitet?

Ich habe mir tatsächlich, als ich mich auf die Audition vorbereitet habe, zum allerersten Mal den Film angeschaut .Ich kannte jedoch Lieder wie „Edelweiß“ oder „Do Re Mi“ vom Hörensagen bzw. von der Ausbildung.

Wie ist Hannah Kastner als Bühnenpartnerin? Was schätzt du an ihr?

Sie ist toll! Sie ist eine tolle Bühnenpartnerin, wir konnten sehr schnell eine Verbindung aufbauen. Wir hatten schon zuvor bei Frühlingserwachen gemeinsam gespielt. Wir haben auch die Audition für „Sound of Music“ zusammen gemacht. Es ist einfach großartig, wenn man mit jemandem spielen kann, den man kennt! Da muss man nicht dieses „Eis“ brechen. Dadurch konnten wir unglaublich locker mit der ganzen Sache umgehen.

 

Victoria Wenisch und Clara Konetzky

 

Victoria Wenisch und Clara Konetzky

Was war dein lustigstes ...

... Erlebnis bei „The Sound Of Music“?

Wir haben ja gemeinsam mit Servus TV eine Dokumentation gedreht und wurden dann unter anderem auch bei den Originaldrehorten gefilmt. Und da bin ich zusammen mit Hannah zu diesem Pavillon gefahren, der in Hellbrunn steht . Servus TV wollte dort Interviews machen und wissen, wie die Originaldrehorte auf uns wirken .Als wir dann unsere gemeinsame Szene nachgespielt haben, stand plötzlich eine Schar von Touristen um den Pavillon herum, hat laut mitgesungen und Fotos gemacht.

Wie hast du die positiven Kritiken aufgenommen?

Ich war sehr erstaunt, dass wir so ein gutes Feedback bekommen haben! Nicht nur die Bewertung, sondern, dass das sogar auch bis in die New York Times, nach China bzw. London ging.

Wie bist du zum Beruf des Musicaldarsteller gekommen?

Als Kind habe ich mich immer gerne verkleidet und auch immer gerne gesungen. Ich habe mir aber nie gedacht, einen Beruf daraus zu machen. Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass man damit kein Geld verdienen kann. In der Oberstufe habe ich in unserem Schultheater mitgespielt, hatte eine Band und war im Chor. Im Schultheater habe ich dann meine Leidenschaft für die Schauspielerei entdeckt. Da habe ich mich dann gefragt, ob man Gesang und Schauspiel nicht vielleicht verbinden kann. Ich habe mich dann informiert, wo man das parallel studieren kann und bin dann schließlich beim Musical gelandet.

Wenn man sein Hobby zum Beruf macht und Musicaldarsteller wird, verändert sich dann der eigene Blick aufs Theater?

Unfreiwillig! Ich bekomme es nicht immer unvoreingenommen mit. Es ist ganz schwierig, sich eine Show anzuschauen und es einfach nur auf sich wirken zu lassen. Man versucht einfach, sich immer neu inspirieren zu lassen.

Wo hast du deine Musicalausbildung gemacht und was war deine erste Rolle nach Ende deiner Ausbildung?

Meine erste Rolle war am Landestheater in Dresden, in „ Heiße Ecke“. Aber meine erste wirklich große Rolle war in Frühlingserwachen, und dann natürlich Alfred in „Tanz der Vampire“.

Hast du manchmal noch Lampenfieber?

Ich bin die Nervosität in Person! (lacht) Ich bin immer SEHR nervös. Jetzt bei den Shows geht es einigermaßen, jedoch  je mehr man über die Jahre kennenlernt, desto größer wird die Nervosität.

Bei „Tanz der Vampire“ war ich immer sehr nervös, da das Stück ja mit Alfreds Prolog beginnt. Der Regisseur hat mir dann erklärt, dass ich die Nervosität eigentlich gut mit hinein nehmen kann, da das gut zu Alfreds Ängstlichkeit passt.

Welche anderen Interessen hast du sonst noch? Was machst du tagsüber? Gesangsunterricht?

Gesangsunterricht hört ja nie auf! Die Stimme ist wie ein Muskel, ein Instrument, das man immer pflegen muss. Die Stimme ist so mit einem selbst verbunden. Wenn es mir schlecht geht, dann hat das auch einen Einfluss auf meine Stimme. Auf der Bühne kann ich mir das natürlich nicht erlauben. Sonst schau ich, dass ich tagsüber nicht zu viel herumsitze, sondern viel unternehme, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt.

Was sind deine Zukunftspläne/Träume/Wünsche ?

Viel zu viele! (lacht) Ich würde gerne wieder mehr eigene Musik machen in Richtung Rock-Po und mit einer Band arbeiten. Das ist aber immer eine Frage von Zeit und Möglichkeit. Und wie es mit allem ist, was man gerne machen möchte, man muss es einfach einmal anfangen!

Mit wem würdest du gerne einmal auf der Bühne stehen?

Ich freue mich eigentlich über jeden, mit dem ich einmal auf der Bühne stehen kann. Es ist toll, Leute ,die ich früher bewundert habe, als Kollegen zu haben. Man kann einfach so viel von diesen Leuten lernen!

Was waren deine Träume und Wünsche, als du jung warst? Was konntest du davon verwirklichen?

Als ich klein war, wollte ich unbedingt Archäologe werden, so wie Indiana Jones. Jetzt habe ich zwar einen ganz anderen Beruf, kann mir aber das, was ich mir früher gewünscht habe, manchmal durch tolle Urlaubsreisen erfüllen.

Was möchtest du der heutigen Jugend mit auf ihren Lebensweg geben? Auf was sollte - deiner Meinung nach - ein junger Mensch heutzutage achten?

Er selbst zu sein, sich nicht von allen Leute irgendetwas einreden zu lassen. Sie sollten sich wirklich selbst fragen: “Wer bin ich?“, Was will ich ?“ Wir leben in einer Gesellschaft, wo so viel von außen auf einen einfließt, wir bekommen viele Vorgaben, wie wir zu sein haben, dass wir es gar nicht mehr schaffen, wirklich in uns selbst zu schauen. Es ist einfach ganz wichtig, sich selbst treu zu bleiben.

Inwiefern ist die Stimmung im Zuschauerraum wichtig für die Leute auf der Bühne?

Sie kann unterstützend sein, jedoch kann sie dich auch ein bisschen irritieren, z.B. wenn du von deinem Auftritt eigentlich überzeugt bist, jedoch nicht so viel Applaus bekommst. Man versucht sich davon aber nicht ablenken zu lassen. Wenn du eine Rolle spielst, darfst du ja nicht plötzlich aus ihr aussteigen.

Abschließend: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich denke ehrlich gesagt gar nicht so weit voraus. (lacht) Ich denke, dass ich mich vielleicht künstlerisch erweitern kann, wieder mit einer Band arbeiten kann. Weiters vielleicht mein Privatleben auszubauen, eine Familie zu haben.

Wordrap

Und hier noch zehn kurze Fragen:

Musik, die mich berührt... Filmmusik, gut handgemachte Musik

Ein Buch, das ich empfehlen kann.... Garp und wie er die Welt sah von John Irving

Stress baue ich ab, indem... ich Sport mache

Ein kluger Spruch, der mich begleitet, mein Lebensmotto... “Life is hard and unpredictable“

Mein Lieblingsplatz in Salzburg ... der Untersberg

Ein Ort, der mich künstlerisch inspiriert.... jedes Café

3 Dinge, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde... meinen Hund und meine Gitarre.

Eine Schwäche, die man mir verzeihen soll... dass ich egoistisch bin

Eine Stärke, für die man mich bewundert... Großherzigkeit und Aufrichtigkeit

Man kann mich auf die Palme bringen, indem... man mich kritisiert oder ignoriert.

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