Vier Tänzer_innen erkunden das MuseumsQuartier auf ihre Art.

© Heinz Wagner

SBW-Tanzfestival
06/15/2016

Wenn sie auf den Bühnen abheben oder über Mauern springen

Das 19. Szene-Bunte-Wähne-Tanzfestival für junges Publikum wiederholt einige schon gezeigte tolle Stücke und bringt einige Neue. - Dschungel Wien und brut.

von Heinz Wagner

Updates: Laufend neue Besprechungen nach jedem Stück
Update: 17. Juni 2016, 01:20:35

Eine Viertelstunde turnt ein Tänzer auf einem zweiten herum. Die ganze Zeit. Ganz ohne je den Boden zu berühren. Erst liegt der zweite flach auf dem Boden, der erste steigt vorsichtig auf seine Hand, geht rückwärts den Arm entlang, dann den zweiten... Vom Gehen wechselt er ins Turnen, fast Tanzen auf seinem kongenialen Partner, den er beginnt zu „verbiegen“, zu drehen... – bis beide fast zu einer einzigen sich ständig bewegenden Figur werden. „Kein Mensch ist eine insel“ heißt diese Performance und ist der zweite Teil von „Duette“, einem Gastspiel aus den Niederlanden beim 19. Szene-Bunte-Wähne-Tanzfestival für junges Publikum (15. bis 22. Juni, Dschungel Wien, Brut, MQ). Damit startete das Festival vor der offiziellen Eröffnung am Abend. Gleichzeitg lief übrigens auch Lullaby (Kritik siehe hier) im Rahmen des Festivals.

Im ersten Teil von „Duette“ (Arch8/Erik Kaiel, NL) nähern sich ein Tänzer und eine Tänzerin sehr zaaaaghaaaft einander an, ziehen ihre Kreise erst ziemlich weit voneinander entfernt, beäugen einander mehr als argwöhnisch. Beim Näherkommen geht’s zunächst einmal nicht besonders freundschaftlich zu, um es harmlos auszudrücken. Das Misstrauen wird von Minute zu Minute weniger, Vertrauen gleichzeitig mehr bis zu zärtlich getanzten Umarmungen am Ende. Dazwischen nehmen übrigens beide hin und wieder auch Kontakt mit dem Publikum auf, versuchen, auch dort nonverbal um Vertrauen zu werben.

Popcorn

Ein wahrhaftes Feuerwerk an teils schier unglaublichen Bewegungen, exaktest getimet – ob synchron, gegengleich oder „durcheinander“ – mit der rhythmischen Musik, vor allem dem Live-Schlagzeuger, zaubern drei Tänzer aus Belgien auf den Tanzboden von brut-wien, einer der beiden Spielstätten des szene-bunte-wähne-Tanzfestivals für junges Publikum.

Ob fast comic-haft, slapstick-artige, akrobatische oder fast klassisch modern tänzerische Moves – sehr oft bauen die Tänzer auch Witz und Humor ein. Neben Staunen über ihre Bewegungskunst ist immer wieder Lachen aus dem Publikum zu hören, hin und wieder herzhaftes. Zu diesem Humor gehört auch das Wechselspiel mit dem Percussionisten, der mal ganz gezielt, einzelne Schläge setzt – mit tänzerischen Reaktionen des Trios, mal auf dem großen Schlagzeug wirbelt – inklusive eines fast zehnminütigen Solos. Später spielt er auch auf demKeyboard bzw. mit einer E-Gitarre. Letztere spielt er in einer Szene mit einem Geigenbogen.

Warum das Stück „Popcorn“ heißt, bleibt ein Rätsel – zumindest sehr, sehr lange, den die ewig lange einleitende Passage mit lauten, einzelnen Trommelschlägen erinnert nicht ans auf-Ploppen von Maiskörnern. Aber gegen Ende in einer besonders witzigen Szene wird das Rätsel gelöst – wie? Das sei hier sicher nicht verraten.

Tanzend und parkourend das MQ erkunden

Diese rund einstündige Performance ist ein echtes Erlebnis. Im wahrsten Sinn des Wortes. Sie findet im Freien statt – und zieht durch eine Gegend, das Publikum muss/darf also mitgehen – teils auch mittanzen. Und natürlich ist „Murikamification – Meine Stadt steht kopf“ in jeder Stadt anders. Angeregt von Haruki Murakamis surrealistischen Romanen entwickelte der niederländische Choreograf Erik Kaiel diese Show aus Tanz und vor allem Parkour. Beim SBW-Tanzfestival in Wien ist das MuseumsQuartier der Ort, der von Joseph Simon, Mayke van Kruchten sowie Kim Jomi Fischer, Jefta Tanate, allesamt tänzerische Akrobat_innen springend, tanzend, kletternd, kopfüber und kopfunter erkundet wird. Choreograf Erik Kaiel tritt mehrfach als Art Running Gag in Gestalt eines Touristen mit analogem, papierenen Falt-Stadtplan in Erscheinung. Beim ersten Mal als wäre er tatsächlich ein solcher, erst nach und nach wird klar, er ist Teil der Performance. Immer wieder taucht die eine oder der andere auch mitten in der Gruppe des mitwandernden Publikums auf, oder auch vor, hinter, über „nur“ Vorbeigehenden. Mit Fortdauer der Show, bei der nicht selten atemberaubende Fortbewegungen zu sehen sind, werden auch Zuschauerinnen und Zuschauer in die tanzenden Aktivitäten eingebunden.

Rund 80 Fotos von "Murikamification

Szenen bunte Wähne, Tanzfestival, Murikamification

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Drunter und Drüber

Aufgestellte, schräge und gerade Tische, umgekippt. Doch halt, einer der letzteren bewegt sich. Natürlich nicht von allein, wir sind hier nicht bei einer esoterischen Tischerl-Rück-Gesellschaft, sondern bei einer Tanzproduktion für die Allerjüngsten, ab 3 Jahren.
Natürlich „versteckt“ sich hinter dem sich bewegenden Tisch eine der beiden Tänzerinnen. Nach und nach bewegen sie im Verlauf der halben Stunde alle Tische, bauen die schrägen – mit jeweils zwei kürzeren Beinen – so aufeinander, dass alle zehn einen breiten Turm ergeben. Doch beim Bauen, beim Rutschen, beim unten durch und oben drüber klettern, springen (hin und wieder auf einem Trampolin), rutschen... kommt’s immer wieder zu Konkurrenzstreitigkeiten. Wer darf zuerst, wer überhaupt...? Doch Turmbauen geht dann doch eher nur gemeinsam.

Während Kinder schon während der Vorstellung mehrfach so aus vollem Herzen „wowh!“ ausstießen, sind sie am Ende erst richtig entzückt, wenn Ciska und Lies sie einladen, vor dem Tisch-Turm mit bunten großen Holzbausteinen bauen und spielen können. Und danach noch den nun schon kleiner gemachten Turm besteigen und auf einem der schrägen Tische runterrutschen dürfen.

Bilder von der Bau- und Spielaktion nach der Vorstellung

szene bunte wähne-tanzfestival, 2016

szene bunte wähne-tanzfestival, 2016

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szene bunte wähne-tanzfestival, 2016

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Spring!

Ein großer, massiver Holz-Quader dominiert die Bühne. Ein fein gekleidetes Paar betritt die Bühne – löst an der Stelle ihres Betretens sogar das weiße Klebeband und begibt sich zu den Instrumenten am linken Bühnenrand – Geige, Kontrabass und Keyboard. Danach kommt ein lässig-locker gekleidetes Paar, klebt die Abgrenzung wieder zu, spaziert rhythmisch tanzähnlich über die Bühne. Die einen beginnen zu spielen, die anderen zu tanzen. Alles auf gemütlich. Plötzlich ein lauter Klescher, der Tänzer ist n den Holzblock ang‘rennt, fällt zu Boden, tanzt sozusagen im Liegen. Krach, eine Lautsprecherattrappe fällt, leicht slapstickartig scheint Chaos auszubrechen. Aufgeräumt. Und gleich danach die fast idente Wiederholung...

Der Holzblock gerät nun ins Visier – von allen vieren, die beiden Musiker_innen trennen sich von ihren Instrumenten. De Quader, den wollen sie „knacken“, rauf auf ihn. Choreografierter Konkurrenz„tanz“ um den ersten Platz. Doch der bringt ja auch nichts. Der Block ist zu hoch. Das Scheitern wird immer mehr vergnüglich inszeniert. Und jeder neuerliche Versuch. Immer wieder doch abgeändert, leichter oder stärker variiert. Bis auch die Idee aufkommt, vielleicht was gemeinsam zu versuchen. Eine klettert auf den anderen... Von Mal zu Mal geht’s höher. Bis es eine auf diese Weise schafft. Yeah, on Top. Doch ihr Versinken in den Jubel und die Selbstverliebtheit über den „Gipfelsieg“ lässt die anderen drei abhauen. Nun ist sie allein, ganz allein – mit dem Blick in den gefährlichen Abgrund...

In dieser Stunde steckt so viel an Tanz, an Musik, immer wieder auch an Witz und Humor – bis hin zur Persiflage auf einen dozierenden Prof, der als unverständlich beatboxender Hund an der Leine (Mikro) endet...

Wie heiße ich?

Eine Art Wohnzimmerlandschaft von einem großen Teppich verhüllt , darauf ein kleinerer ovaler. Links und rechts Stehlampen mit Schirmen, die an Mohnblumen erinnern, die ihre Köpfe hängen lassen. So präsentiert sich die Bühne des spanischen Tanztheaterstücks „Wie heiße ich?“ für die Jüngsten – ab 2 Jahren beim SBW-Tanzfestival.

Plötzlich taucht hinter der „Landschaft“ ein Fuß auf. Ein zweiter. Eine Hand. Und eine dazugehörige Tänzerin. Hand und Fuß scheinen einander zu begegnen als wär’s das erste Mal. Neugierig gehen sie daran, sich zu erkunden, entdecken, begrüßen... ein zweiter Tänzer kriecht unter dem Teppich hervor. Tänzerin und Tänzer beäugen einander vorsichtig, kommen sich näher, betasten sich, entfernen sich wieder. Reagieren manchmal einander spiegelnd, dann wieder konkurrierend, gar beleidigt.

Auf ganz wenige Worte bzw. Sätze beschränkt – „wie heißt du?“, „ich kann dich doch sehen!“... – erfolgt rund eine dreiviertel Stunde lang eine Entdeckung, Erforschung des DU ebenso wie des ICH und auch ein bisschen des WOHIN GEHST DU?

Chotto Desh - Tanz wischen den Welten

Einen sehr berührenden, märchenhaften Tanz zwischen den Welten zaubert die Akram Khan Company aus Großbritannien im Rahmen des SBW-Tanzfestivals auf die Bühne des brut. Vor einer Art gemalter Kulissen, die ein grauer, wolkendurchzogener Himmel ebenso sein könnte wie ein Aquarell einer grau-in-grau Großstadt ist die Bühne leer. Und das wird sie auch fast die ganze Zeit bleiben. Nur fallwiese wird der Solo-Tänzermal einen kleinen weißen Kindersessel und später eine megagroße Kopie desselben platzieren. Ansonsten füllt er die Bühne vollständig mit seiner getanzten Erzählung.

Und die geht so: Er ruft in einem Call-Center an, weil sein SmartPhone spinnt. Ein 12-jähriges Mädchens namens Jui hebt in Bangladesh ab. Dort befindet sich die telefonische Hilfe. Das schleudert Akram, so der Haupt- und einzige in Erscheinung tretende Darsteller, in seine eigene Familiengeschichte: Vater aus Bangladesh, Mutter von den Philippinen. Er selbst wächst/wuchs in London auf. Plötzlich findet er sich in einer Mega-City wie Dhaka wieder, weicht tänzerisch den wild durcheinander fahrenden Autos, Bussen usw. aus – symbolisiert durch eingespielten Straßenlärm. Oder er findet sich in der Rollen eines auf dem Boden kriechenden Bettlers mit stark körperlicher Behinderung. Dann auf einmal ruft ihn wieder die Off-Stimme des Mädchens aus dem Call-Center in die Gegenwart zurück. Ob er sein Passwort kenne, dann könne sie eine Reset vornehmen. Seinem Nein begegnet sie mit der Frage, ob er sich an Geschichten oder Helden seiner Kindheit erinnern könne. Und schon kippt er in die Erzählungen der Großmutter von wilden und harmloseren Tieren im Urwald bzw. in einem auf dem Kopf stehenden Wald (Sundarban) – teils getanzt, teils als Zeichentrick an der Projektionswand, in der er dann selbst als Schatten auftaucht, klettert und rennt. Die Waldgöttin schließlich ist’s, deren Name sein Handy-Passwort ist.

Neben dem Hin- und Her-Switchen zwischen Telefonat und erzählten Geschichten seiner Kindheit oder erlebten bei Ferientrips in die Heimat seines Vaters spielt eine weitere, ganz andere Geschichte DIE zentrale Rolle. Akram ist hibbelig, ständig in Bewegung hat sprichwörtliche Hummeln im Popo. Passt alles ganz gut, er will Tänzer werden. Der Vater bemängelt, dass in Bangladesh die Kinder auf ihre Väter hören und er möchte, dass sein Sohn Koch wird so wie er selbst und... „Aber wir leben in London!“

Apropos Vater: Sehr genial, wie der kahlrasierte Tänzer seinen Kopf ganz nach vor neigt und sich live auf der Bühne auf die Glatze ein Gesicht malt – diesen“ Kopf des Vaters“ bewegt er fast wie eine Maske oder Puppe.

Der Tanz zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen London und Dhaka (Hauptstadt von Bangladesh), zwischen dem Berufswunsch des Vaters und dem eigenen des 16-jährigen Burschen, steht für viele Jugendlichen der zweiten Generation – doch so persönlich, so berührend, so teils doch witzig war dieses Thema wohl selten zu sehen wie in Chotto Desh – einem Begriff aus der Sprach Bangla, der auf Deutsch „kleine Heimat“ bedeutet.

Verpassen oder nicht...

... das ist heutzutage oft die Frage. Zwei Tage nicht auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Instagram? Geht das?
Nein, verteufeln will die Crew „Hungry Sharks“ all das nicht, das beweist schon ihr Gruppen-Name, leitet er sich doch von einem Online-Spiel ab. Aber wie sich die Tanzcompagnie in „Anthropozän“ kritische mit dem Umgang der Menschheit mit den natürlichen Ressourcen auseinandersetzt, so auch hier damit, wie wir mit den Mobile Devices und den sozialen Netzwerken umgehen.
Und wie im eben genannten Stück, so auch in „#FOMO – the Fear of Missing Out“ (Die Angst, etwas zu verpassen) in ihrer Kunstsparte, dem Tanz, vor allem verschiedenen Richtungen von Hip*Hop, aber auch mit anklängen an klassischen bzw. zeitgenössischen modernen Tanz.

Fast ineinander laufen, weil alle in ihre Smartphones vertieft sind, die anderen ignorieren, aber auch wiederum ausgeschlossen sein, wenn einer im Netz hängt und die anderen vier ihre Hetz beim gemeinsamen Tanz haben. Andererseits im koordinierten Tanz verschiedener Stile gemeinsame Szenen schaffen – ob Sequenzen aus einem bekannten Jump’n’Run-Game, stilisierte Shooter-Figuren, Fotobearbeitung oder per Wischen durch Nachrichten scrollen... In einigen Szenen tauchen Smart-Phones sozusagen unsichtbar, nur durch Körper- und Handhaltung dargestellt auf, in anderen zücken die fünf Tänzer_innen tatsächlich ihre Mobiles und „zaubern“ mit den leuchtenden Screen Bewegungsmuster. All das ergibt eine spannende Abfolge verschiedenster Szenen, die die Technik und Medien als brauchbare Kommunikationsmittel einsetzen, deren Verwendung aber gleichzeitig auch kritisch reflektieren.

Wiederaufnahmen

Weitere Stücke, die schon in Wien zu sehen waren und nun beim Festival wieder gezeigt werden - samt dem im KiKu erschienen ausführlichen Besprechungen:

Giraffen summen

Farbenreich

Wolkenträume

Ikarus oder der Traum vom Fliegen

Was? Wer? Wann? Wo?

szene bunte wähne-Tanzfestival für junges Publikum
15.-22. Juni
Dschungel Wien, brut, MQ

http://www.sbw.at

1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01)522 07 20-20
www.dschungelwien.at

1010, Karlsplatz 5
Telefon: (0) 1 587 87 74
www.brut-wien.at

Stück-Infos

Popcorn
fABULEUS & Randi De Vlieghe (Moldavië) (BE)
ca. 80 Minuten, ab 10 Jahren
Konzept und Choreografie: Randi de Vlieghe
Tanz: Javier Hernandez, Samuel Garcia Minguillon, Jonas Verwerft
(Live-)Musik: Ephraïm Cielen
Kostüme: Maartje van Bourgognie, Elise Goedgezelschap
Szenografie: Jan de Brabander
Lichtdesign: Klaas Trekker
Produktion: Moldavië, fABULEUS

Duette
Du kannst vertrauen & Kein Mensch ist eine Insel
Arch8/Erik Kaiel (NL)
Tanz, ca. 50 Minuten, ab 6 Jahren
Choreographie: Erik Kaiel
Tanz: Joseph Simon & Mayke van Kruchten / Erik Kaiel & Joseph Simon
Musik: Simeon ten Holt
Kostüm: Robin Staff

Murikamification – Meine Stadt steht kopf
Arch8/Erik Kaiel (NL)
ca. eine Stunde; ab 6 Jahren
Choreografie: Erik Kaiel
Darsteller_innen: Erik Kaiel, Joseph Simon, Mayke van Kruchten, Kim Jomi Fischer, Jefta Tanate

Drunter und drüber
tout petit (Belgien)
ca. 30 Minuten + 20 Minuten Bau- und Spielzeit für Kinder, 3 bis 7 J.
Choreographie und Tanz: Lies Cuyvers und Ciska Vanhoyland
Musik: Koen Brouwers
Dramaturgie: Gerhard Verfaillie
Lichtdesign: Jean-Marie Mievis
Schauspielcoach: Goele Van Dijck
Bewegungscoach: David Hernandez
Bühnenbild: Ciska Vanhoyland en Lies Cuyvers
Bühnenbau: Alfa-Projects
Produktion: tout petit
Koproduktion: P2 – cultuurcentrum Hasselt & Theater a/h Vrijthof Maastricht i.k.v. interlimburgse subsidies, C-mine cultuurcentrum

SPRING!
Cie Arcosm (FR)
ca. eine Stunde, ab 7 Jahren
Regie: Thomas Guerry et Camille Rocailleux
Tanz: Quelen Lamouroux & Sylvain Robine, Cloé Vaurillon or Thalia Ziliotis & Côme Calmelet or Aurélien Le Glaunec or Joakim Lorca
Lichtdesign: Bruno Sourbier
Sounddesign: Olivier Pfeiffer
Bühnenbild: Samuel Poncet
Kostüm : Anne Dumont
Produktion: Compagnie Arcosm
Koproduktion : Le Théâtre du Vellein, Villefontaine – Capi l’Agglo ; Le Dôme Théâtre, Scène conventionnée d’Albertville; Le Théâtre de Vénissieux ; La Ville de Cournon d’Auvergne / Coloc’ de la culture

Wie heiße ich?
DA.TE DANZA (ESP)
ca. 45 Minuten, ab 2 Jahren
Choreographie: Omar Meza
Regie: Rosa Díaz
Mit: Greta Jonsson & Iván Montardit
Musik: Jesús Fernández
Bühnenbild: Luciano Illanes
Kostüme: Laura León
Lichtdesign: Ernesto Monza

Chotto Desh
Akram Khan Company (UK)
Idee: Karthika Naïr & Akram Khan
Künsterliche Leitung & original Choreografie: Akram Khan
Text: Karthika Naïr, Sue Buckmaster & Akram Khan
Regie & Adaptation: Sue Buckmaster (Theatre-Rites)
Tänzer: Nicolas Ricchini bzw. Dennis Alamanos (alternierend)
Großmutters Stimme: Leesa Gazi
Juis Stimme: Sreya Andrisha Gazi
Zeichentrickszenen entwickelt von: Damien Jalet mit Akram Khan
Bleeding Soles“ Texte geschrieben von: Leesa Gazi
Sänger_innen: Melanie Pappenheim, Sohini Alam, Jocelyn Pook (voice/viola/piano), Tanja Tzarovska, Jeremy Schonfield
Musikkomposition: Jocelyn Pook
Lichtdesign: Guy Hoare
Choreografie Assistenz: Jose Agudo
Produzentin: Claire Cunningham im Auftrag von AKC
Original Visual Design: Tim Yip
Original Visual Animation: Yeast Culture
Original Kostüm: Kimie Nakano
Sound Designer & AV Engineer: Alex Stein
Musik Engineer: Steve Parr
Kostüm Beratung: Martina Trottmann
Technischer Produzent: Sander Loonen (Arp Theatre)
Technischer Leiter: Ed Yetton
Proben-Regie: Amy Butler
Bühnen Leitung: Dean Sudron

#fomo – the fear of missing out
Hungry Sharks (AT)
Tanz: Farah Deen, FraGue Moser, Moritz Steinwender, Patrick Gutensohn und Valentin „Knuffelbunt“ Alfery
Choreografie, Regie, Musikschnitt: Valentin „Knuffelbunt“ Alfery
Regie-Assistenz: Bernhard Mrak
Choreografie-Assistenz: FraGue Moser
Licht: Joe Albrecht:
Corporate Design: Dušana Baltić

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