Wenn Gift nicht tödlich, sondern ein Geschenk ist…

Kopie von SAG'S MULTI! 2017/18
Foto: Heinz Wagner Kujtesa Hasanaj (13, Albanisch, Nobody is perfect), Melisa Safić (14, Mazedonisch, „Dafür lohnt es sich zu leben“), Denis Jovanović (13, Romanes, Nobody is perfect), Anđelka Petrović (13, Serbisch, Nobody is perfect), Heba Rayes (13, Arabisch, Nobody is perfect) und Marua Abazid (13, Arabisch, Social Media) aus der NMS Schopenhauerstraße (Wien-Währing)

Seit wenigen Tagen läuft die neunte Auflage des mehrsprachigen Redebewerbs „SAG’S MULTI!“

Niemand ist perfekt, bzw. was ist schon perfekt? Alle sind anders – und genau das ist in Wirklichkeit perfekt! Kurz zusammengefasst ist das die These der 15-jährigen Melisa Mete. Sie ist eine von 592 Jugendlichen, die in diesem Schuljahr beim mehrsprachigen Redebewerb „Sag’s Multi!“ antreten, bzw. schon ihren Vorrundenauftritt vorm Mikrofon hinter sich hat. Sie sprach Englisch und natürlich – wie alle anderen Teilnehmer_innen – Deutsch.

Englisch, Türkisch, Japanisch und, und, und

Kopie von SAG'S MULTI! 2017/18 Foto: Heinz Wagner Mete zählt aber zu jenen, die sich auch die eine oder andere Sprache in dem Fall anstelle von Englisch aussuchen hätte können. Sie wuchs in Wien zunächst mit Deutsch und Türkisch auf, bald kam Englisch hinzu. „Das hab ich mit meinen Geschwistern mitgelernt. Wir haben uns Filme und Serien nur auf Englisch angeschaut, unsere Eltern haben dabei auch Englisch mitgelernt.“ So „nebenbei lernte Melisa Mete noch Japanisch, „weil mich diese Kultur interessiert, nach der Matura möchte ich für längere Zeit entweder in Tokyo oder in Osaka leben“, so die Jugendliche, die nun auch noch Italienisch lernt und deren Familie aus der Schwarzmeer-Region in der Türkei stammt. „Wir haben aber auch griechische Vorfahren“, rundet sich die Vielfalt der Familie ab, in der die Mutter mit zwölf und der Vater mit elf Geschwistern aufgewachsen sind. „Für mich ist es fast ein bisschen komisch, wenn ich alleine bin, weil in unserer großen Familie immer viele Leute da sind. Aber je älter ich werde, desto alleiner“, schmunzelt die Schülerin des Gymnasiums Lessinggasse, das derzeit noch in der Hegelgasse 14 untergebracht ist, und will nach Japan auch auf sich allein gestellt reisen.

Von Bambara bis Visayans

Das Festival der Sprachen hat also wieder begonnen. Zum neunten Mal startete kürzlich „SAG’S MULTI“. Um fast 100 Jugendliche mehr machen in diesem Schuljahr mit - aus 157 Schulen aller Bundesländer lassen – neben jeweils Deutsch - mehr als 50 verschiedene Sprachen erklingen, darunter erstmals in diesem Bewerb Bambara (in Teilen von Burkina Faso, Mali und der Elfenbeinküste), Luxemburgisch, Inguschisch und Visayans (neben Tagalog eine der Sprachen auf den Philippinen).

Zwei Drittel der Jugendlichen, die ihre Gedanken zum diesjährigen Bewerbsmotto „Dafür lohnt es sich zu leben“ vor den fach- und vor allem sprachkundigen Jurys – und in den späteren Runden auch vor Alterskolleg_innen – vortragen werden sind Mädchen. Stark aufgeholt haben – so die Organsiator_innen vom Verein Wirtschaft für Integration und EduCult – die Neuen Mittelschulen. In dieser Altersgruppe stellen die Redetalente aus diesen Schulen fast zwei Drittel gegenüber einem Drittel von AHS-Schüler_innen.

Die Themen

SAG'S MULTI! 2017/18 Foto: Heinz Wagner Die Unterthemen des großen Mottos lauten diesmal „Freiheit beginnt im Kopf“, „Nobody is perfect“ (wofür sich sehr viele Redner_innen entschieden haben), „Social Media - mein echtes Leben?“ sowie in diesem Jahr ein Zitat von Martin Luther King: „Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen“.

Waline Omar (14, Europa-NMS Deublergasse, Wien-Floridsdorf)) widmete sich in ihrer Rede den Social Media und erläuterte die Apps, mit denen sie arbeitet, nicht zuletzt jenem Schnittprogramm, mit dem sie auf dem Smartphone Videos bearbeitet. Sie, die vor sieben Jahren als Flüchtling aus dem Irak kam, sprach auf Kurmandschi, einer der großen kurdischen Sprachen – und natürlich Deutsch.

Sprachspielereien

Zu wunderbaren Sprachspielen griff Anna Posch aus dem Gymnasium Krottenbachstraße. Ein und dasselbe Wort mit natürlich verschiedenen Bedeutungen auf Englisch und Deutsch bildeten in ihrer Rede zu „Nobody is perfect“ die Übergänge, wo sie von der einen in die andere Sprache switchte, beispielsweise gift (Geschenk)/Gift, last (letztes)/Last, not (nicht)/Not…

Karin Krížovská erinnerte an die Samtene Revolution 1989 in der damaligen Tschechoslowakei als sie – auf Slowakisch und Deutsch - von der Freiheit sprach, die im Kopf beginne. Denn dass es zu diesem Sieg der Demokratie kam, hatte als Voraussetzung, dass sich auch schon davor Menschen – trotz aller Widernisse – dafür einsetzten.

Dieses Thema nahm sich auch Abdel Shedieda (mit Arabisch) her und meinte, wie einfach und schön könnte doch diese Welt sein, wenn sich alle darauf verständigen könnten, Freiheit, Familie und echte Freund_innen als die wahren Ziele für sich zu definieren.

Freund_innen lieber offline

SAG'S MULTI! 2017/18 Foto: Heinz Wagner Kaja Dulemba (12) aus der NMS St. Elisabeth in der Oberen Augartenstraße (Wien-Leopoldstadt) werde, so erzählt sie vor ihrem Auftritt dem Kinder-KURIER, „über Social Media reden, aber dass ich meine wirklichen Freundinnen und Freunde offline kennen lerne, vor allem in der Eishalle, wo ich jetzt beginnen werde Hockey zu spielen“. Ihre Schulkollegin Dorsa Rasoulnia (13, Farsi/Persich) werde „über Freiheit und da vor allem jene für Frauen reden – es braucht solche wie Malala Yousafzai, die dafür aufgestanden sind, auch wenn es für sie gefährlich war“.

Mit Vor- bzw. Nachteilen von Social Media wollte sich Marua Abazid (NMS Schopenhauerstraße, Arabisch) beschäftigen. „Der Vorteil ist sich, dass du dich mit Verwandten und Freunden auf der ganzen Welt leicht, schnell und billig unterhalten kannst. Als Nachteil finde ich schon, dass du auch viel Zeit damit verschwenden kannst, die dir dann für Hausübungen oder zum Lernen fehlen. Außerdem öffnen sie auf der einen Seiten viele Türen zur Welt, auf der anderen Seite aber gibt es auch Gefahren, weil so manches im Netz auch stark kinderfeindlich ist.“

Fotos vom Auftakt der neunten "SAG'S-MULTI!"-Runde

Dieses Motto und diese Unterthemen stehen in diesem Schuljahr zur Auswahl Melisa Mete sprach Englisch - und natürlich Deutsch - darüber, dass genau das Anders-Sein perfekt ist Waline Omar erzählt Kurmandschi (Kurdisch) - und natürlich Deutsch - über ihre Apps und Social Media Waline Omar erzählt Kurmandschi (Kurdisch) - und natürlich Deutsch - über ihre Apps und Social Media Anna Posch begeisterte mit Englisch-Deutschen Wortspielereien Karin Krížovská nahm - auf Slowakisch/Deutsch - die "Samtene Revolution" in der Tschechoslowakei als Beispiel dafür, dass Freiheit im Kopf beginne Abdel Shedieda befasste sich mit Freiheit, die im Kopf anfange ... und hatte Kolleg_innen im Saal, die ihn moralisch unterstützen - und filmten ... und hatte Kolleg_innen im Saal, die ihn moralisch unterstützen - und filmten Magdalena Neumann (14, Polnisch, Nobody is perfect), Dorsa Rasoulnia (13, Farsi/Persich), Freiheit beginnt im Kopf), Vicotria Ilić (13, Bosnisch, Nobody is perfect), Kaja Dulemba (12, Polnisch, Social Media) aus der NMS St. Elisabeth (Wien-Leopoldstadt) Monika Ojergović (13, Serbisch), Katarina Miljević (12, Serbisch), Shekinah Böhm (13, Englisch), Waline Omar (14, Kurmandschi, eine der kurdischen Sprachen) aus der Europa-NMS Deublergasse (Wien-Floridsdorf) Kujtesa Hasanaj (13, Albanisch, Nobody is perfect), Melisa Safić (14, Mazedonisch, „Dafür lohnt es sich zu leben“), Denis Jovanović (13, Romanes, Nobody is perfect), Anđelka Petrović (13, Serbisch, Nobody is perfect), Heba Rayes (13, Arabisch, Nobody is perfect) und Marua Abazid (13, Arabisch, Social Media) aus der NMS Schopenhauerstraße (Wien-Währing) Auch so kann geschrieben werden (!), Shekinah Böhm macht sich vor ihr Rede letzte Notizen. Auch so kann geschrieben werden (!), Shekinah Böhm macht sich vor ihr Rede letzte Notizen.

www.sagsmulti.at

(kiku) Erstellt am
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