
© heinz wagner
Roter Teppich und richtig viel Geld für Sozialprojekte
1988 Projekte aus 13 Ländern, Preise für Projekte, die die Welt ein Stück zum Besseren verändern
In einer Galanacht wurden Ende Juni in Wien 35 der 136 Finalprojekte des internatinalen Preises für soziale Integration ausgezeichnet. Insgesamt 616.000 € helfen, engagierte Arbeit weiter zu betreiben bzw. auszubauen. Weiters startet die ERSTE Stiftung eine Akademie für Weiterbildung und Vernetzung.

Der Preis für soziale Integration der ERSTE Stiftung ist die bedeutendste Auszeichnung seiner Art in Zentral- und Osteuropa. Er würdigt das Engagement von Menschen und Organisationen für eine Gesellschaft, in der alle die gleichen Chancen haben (sollen). Der Preis fördert Best-Practice-Projekte und -Organisationen und weist daraufhin, wie wichtig soziale Integration und gesellschaftlicher Wandel für ein faires Miteinander sind.
Rückblick und Zahlen

Bei der diesjährigen vierten Runde bewarben sich 1988 Projekte, von denen 136 Projekte nach eingehenden Prüfungen ins Finale nominiert wurden.
Alles in allem haben sich bisher 5400 Projekte beworben, auf insgesamt 100 prämierte Projekte entfielen 1,6 Millionen Euro.
Nu mi-e frică – ich fürchte mich nicht

Familiäre Atmosphäre

Ionuţ, zwei Márias und Elena sitzen um die Tische in der „Sala de joacă“, dem Spielzimmer, schneiden papierene Figuren zur griechischen Mythologie aus und gestalten ein Plakat Grecia Antică. „Fun-School“ nennt sich eines der Programme, das Edina leitet. Spielen und lernen lockert den Alltag der Kids auf, die oft stundenlang an den erforderlichen medizinischen Infusionen hängen. Geta sitzt gleichzeitig vor einem der Bildschirme und gibt sich ein Video, gesellt sich jedoch als sie Gewurl rund um die Tische bemerkt, zumindest zeitweise dazu. Dazwischen wuselt die rund zweieinhalbjährige Antonella mit ihrer rosa Schirmmütze herum. Mia bringt dem besuchenden Reporter das Kartenspiel Halli Galli bei. Raul zeigt stolz seine Monster-Zeichnungen. Die Monster symbolisieren für ihn seine Krankheit. Und die will er besiegen.
Mut machen

Freiwillige

Katie und die "kleinen Leute"

Trommeln, tanzen, kochen, Sprachen lernen mit Flüchtlingen, Asylwerbenden sowie Migrant_innen

Talking Drums

Viele Angebote
Trommeln ist einer von vielen Kursen, die KAMA anbieten.Die Kursangebote von Asylwerber_innen, Migrant_innen und Asylberechtigten sind eine eindeutige Win-Win-Geschichte Zum einen können Interessierte eben trommeln, kochen (afganisch, armenisch, äthiopisch, bengalisch, chinesisch, gambisch, indisch, libanesisch… bis tibetisch), tanzen, musizieren und diverse Sprachen lernen oder verbessern (Arabisch, Farsi/Persisch, Französisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch bis Wolof). Zum anderen können Menschen Fähigkeiten, die sie aus ihren Herkunftsländern und -kulturen mitbringen, an andere weitergeben und bekommen dafür Spenden, weil sie wie Asylwerbende nicht wirklich arbeiten dürfen.
To chetori?


Sing, dance, succeed: Sonderpreis der Jury

„Nebeneffekt“ der musikalischen Förderung (ab 2 Jahren) sind Stärkung und Förderung von Selbstvertrauen, Respekt, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn. Regelmäßiges Training und höchstes künstlerisches Niveau stellen sicher, dass jedes Kind entsprechend seinen Fähigkeiten gefördert und gefordert wird und sich in einem freudvollen, motivierenden Umfeld weiterentwickelt. Dadurch soll auch der Aufbau von Klassen für Fortgeschrittene und Spitzenensembles gefördert werden.
((superar))will aber auch Wien ganz neu als Musikhauptstadt Europas verstehen, indem Partnerprojekte in anderen Ländern initiiert werden – derzeit in der Schweiz, in Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien.
superar.eu
Sonderpreis der Jury. für internationale Zirkuscamps in Srebrenica

Am Ende der ein- bzw. zweiwöchigen Camps steht jeweils eine Gala, bei der die Kids, die oft im Schatten stehen, in der Manege zu Stars werden.
Wichtiger Bestandteil der Zirkusprojekte ist die bunte Zusammensetzung: Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedener Nationalitäten und Religionen, mit und ohne Behinderungen, sind ein wichtiger Baustein im multi-ethnischen Staat Bosnien und Herzegowina. Immerhin war dieser durch nationale Konflikte zerstört worden.
Multikulturell wie die Teilnehmenden sind auch die Lehrenden. Als solche sind Freiwillige aus Bosnien und Herzegowina, Österreich, Deutschland, der Schweiz und Großbritannien tätig.
Practitioners’ Award. Unterstützung für Kinder psychisch Erkrankter
Während sich professionelle Helferinnen und Helfer, Familie sowie Freundinnen und Freunde auf psychisch Erkrankte selbst konzentrieren und sie unterstützen, werden deren Kinder häufig übersehen. Daher will der Verein AhA (Angehörige helfen Angehörigen psychisch erkrankter Menschen) diese Kinder ins Blickfeld rücken.
Im dafür ins Leben gerufenen Projekt JoJo – Kindheit im Schatten können diese Kinder einstündige Einzelsitzungen in Anspruch nehmen. Wenn es mehrere gleichaltrige Kinder gibt und diese das auch möchten, können die Treffen auch in einer kleinen Gruppe erfolgen. Über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten besuchen die Kinder JoJo einmal pro Woche oder je nach Bedarf. In diesem geschützten Rahmen werden gemeinsam spezifische Themen rund um die Erkrankung kreativ und altersgerecht bearbeitet. Bei jedem Treffen stehen spezifische Themen im Mittelpunkt: Psychische Krankheiten, Gefühle, Familie und Familienrollen, Grenzen, Werte, Kommunikation, Schuld und Scham, Individualität u.v.m.
Die Kinder lernen so, wie sie mit der elterlichen Erkrankung umgehen können, was sich nachhaltig positiv auf das Familienleben auswirkt. Ganz wesentlich ist, dass die Kinder stabile soziale Kontakte knüpfen können, ihre persönlichen Ressourcen gestärkt und gefördert, und tragfähige Beziehungen außerhalb der Familie geschaffen werden.
Am Schluss wird gemeinsam mit den Kindern ein Krisenplan erarbeitet. Sollten sie nach JoJo noch Hilfe und Unterstützung benötigen, wissen sie, an wen sie sich wenden können.
www.aha-salzburg.at
Alle 35 ausgezeichneten Projekte
Fotos von den feierlichen Würdigungen
Aufschauen zu den Engagierten

Schon vor gut 20 Jahren als die gelernte Sozialarbeiterin selbst noch in Salzburg tätig war (zeitweise als Landesrätin), rief sie die Initiative „Bauern helfen Bauern“ ins Leben, fuhr oftmals nach Bosnien, um tatsächlich auch vor Ort anzupacken und den Kontakt mit den Menschen der Region zu halten.
Eine ihrer jüngsten persönlichen Initiativen war die Gründung einer Musikschule in Srebrenica, „nicht irgendeiner Musikschule, es soll die beste des Lands werden. Die Top-Musikschule soll mithelfen, dass Kinder und Jugendliche, die heute in Srebrenica aufwachsen, nicht immer und überall den Stempel Genozid aufgedrückt bekommen. Heuer im Sommer treten Kinder dieser Schule im Rahmen des Projekts Superar bei den Salzburger Festspielen auf.“
Zurück zum Preis: „Dass die Preise ordentlich dotiert sind, ist wichtig und zeigt auch eine zentrale Seite der Wertschätzung. Aber das Geld ist nicht das Wichtigste – für die ausgezeichneten Projekte nicht und für uns nicht.
Der rote Teppich, auf den wir die prämierten Projekte und ihre Vertreterinnen und Vertreter bitten – darum geht’s vor allem! Bei allen handelt es sich um Menschen, die alles geben, um die Welt ein Stück weit zum Besseren zu verändern. Solche Menschen gehören geehrt!“, meint Eberle.
„Gerade soziale engagierte Menschen sollten doch durchaus manchmal ins strahlende Rampenlicht gestellt werden!“ Sie zitiert den kroatischen Fotografen und Autor Zoran Filipović: „Geben sollst du auf Knien, empfangen aufrecht stehend!“
„Oh je“ ist hierzulande oft die erste Reaktion. Nur ein Zehntel aller Privatstiftungen sind gemeinnützig tätig, die übrigen sind und heißen offiziell „eigennützig“ und sorgen für das schlechte Image von Stiftungen. Doch einige wenige versuchen, dem eigentlichen Sinn dieser Einrichtung gerecht zu werden. Dazu zählt auch die ERSTE Stiftung. Sie ist Hauptaktionär der Erste Group und aus der Ersten Österreichischen Spar-Casse hervorgegangen. 2003 als Stiftung gegründet, die ihre Dividende von der Bankengruppe erhält, ist sie zu gemeinnützigem Handeln verpflichtet.
Eines der – im KURIER schon öfter dargestellten – Projekte ist ACES (Academy of Central European Schools), ein Netzwerk von Schulen aus 15 Ländern (Österreich und Zentral-, sowie Südosteuropa).
Helfern helfen helfenDas umfassendste Projekt ist der seit 2007 alle zwei Jahre vergebene Preis für soziale Integration. Mit dem diesjährigen Award wird eine Academy ins Leben gerufen. Die NGO erhalten Weiterbildung in Bereichen wie Fundraising, Medienarbeit, Ehrenamt usw. – in vier bis fünf Sprachen. Ziel ist, den Helfern helfen zu helfen.
Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass Gesellschaften fairer und stabiler werden. Niemand soll ausgeschlossen bleiben, alle sollen die Chance bekommen, am sozialen, ökonomischen und kulturellen Leben teilzuhaben.
www.erstestiftung.org/
Die Integration einzelner benachteiligter Menschen und Gruppen soll gefördert werden. Und zwar dadurch, dass ihnen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um ihr eigenes Leben gestalten zu können. Die Hilfe zur Selbsthilfe soll gleichzeitig zum Aufbau solidarischerer Gesellschaften beitragen.
Zweite SparkasseNeben dem Preis für soziale Integration zählt dazu auch die Zweite Sparkasse in Österreich – eine Bank für Menschen in schwierigen finanziellen Lagen, die keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen (z.B. Konto)haben.
Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung gesellschaftlichen Wandels. Rechtzeitig soll erkannt werden, wo Gefahren neuer Benachteiligungen entstehen. Das größte Projekt dabei ist das ERSTE Foundation Fellowship for Social Research, das alle zwei Jahre mehr als 20 Stipendien in Zentral- und Osteuropa ausschreibt.