Kiku 28.01.2013

Reden statt hauen!

© Bild: Heinz Wagner

Jugendliche leben vor, wie cool es ist, ohne Gewalt auszukommen

JUMIGG-Abschluss-Präsentation
© Bild: Heinz Wagner
Wenn ich zum Beispiel auf meinen jüngeren Brüder, die manchmal schon ziemlich nerven, wütend bin, dann hilft's – ich drück mit einem Finger auf die andere Hand und denk an was Schönes, was Positives. Dann lässt der Zorn nach. Und ich hab ihnen das gesagt und gezeigt und hin und wieder funktioniert's auch bei ihnen“, schildert Gizem. Sie ist eine von zehn Jugendlichen, die sich rund zwei Jahre lang in Sachen Gewaltprävention ausbilden haben lassen - und das mit dem Ziel, ihr erworbenes – theoretisches und vor allem praktisches - Wissen an andere, vor allem Gleichaltrige weiter zu geben. JUMIGG (Jugendliche Multiplikator_innen gegen Gewalt) war ein von der EU gefördertes Projekt mit Teilnehmer_innen aus England, Spanien, Italien, Österreich (hier getragen vom MulitKulturellen Netzwerk mit den Betreuer_innen Roxane und Florian, Gesamtkoordinator Hartwig) und Rumänien, wobei es auch zu einigen direkten jeweils bilateralen (zweier Länder) Treffen der Jugendlichen kam.

Paul schildert, „in meiner Familie hatte ich schon sehr viel Stress, weil ich der einzige Skater bin, der anders ausschaut, sich anders anzieht... Das ist jetzt auch nicht viel anders, aber ich kann ruhiger damit umgehen, lass es nicht so an mich ran und drum hab ich nimmer so viel Stress damit.“

Theorie und Praxis

JUMIGG-Abschluss-Präsentation
© Bild: Heinz Wagner
Die Genannten und dazu Matina, Habibe, Bulat, Ayse, Mojtaba, Melissa, Kajum und Tayeb haben sich in Theorie-Workshops mit Grundfragen, was Gewalt ist und welche Formen sie annehmen kann ebenso beschäftigt wie mit Strategien, es nach Möglichkeit gar nicht so weit kommen zu lassen. Zu den praktischen Übungen gehörten nicht nur die eingangs geschilderte „kleine“ Entspannungsübung, die Druck raus nimmt. Die Jugendlichen stiegen mit Trainer_innen und Schauspieler_innen auch in Rollenspiele von möglichen alltäglichen Wickel im Park wie Drängereien mit Türstehern von Lokalen – auch mit Perspektivenwechsel – in die Rolle der Gegenseite zu schlüpfen.

Selber vermitteln

In der letzten Phase vermittelten die Jugendlichen ihr know-how in Sachen Gewaltprävention auch an andere Jugendliche – in Form von Workshops in (den eigenen) Schulen bzw. in Jugendzentren. Über die ersten Erfahrungen zeigen sich die jungen „Lehrer_innen“ der Gewaltvorbeugung angenehm überrascht. „Die anderen Jugendlichen waren immer voll dabei, haben zugehört und mitgemacht“, obwohl so manche vermutet hätten, dass andere Jugendliche dies vielleicht gar nicht so cool finden würden. „Naja außerhalb von so einem Workshop, auf der Straße ist das vielleicht auch anders“, vermuten die JUMIGG-Kids.

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Erstellt am 28.01.2013