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Performance
11/25/2015

Haben Lügen Hasenohren?

Performance "Lügen" im Dschungel Wien stellt Fragen rund um Wahrheit oder nicht?

von Heinz Wagner

Vielleicht noch nie wurde die Frage ob Lüge oder Wahrheit fast eine Stunde lang so amüsant, vielfältig, manchmal echt, dann wieder sich selbst hinterfragend, verhandelt. Dabei beginnt sie schon vor dem Stück. Gleich neben der Kassa des Theaterhauses für ein junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier sitzt ein „menschlicher Lügen-Detektor“ und stellten allen die gleiche Frage. Eher willkürlich (?) verpasst er einer Minderheit den Stempel „Lügner“ auf die Hand.

Zähne putzen - Knoblauch stinken

Die so gekennzeichneten Besucher_innen nehmen im Saal in der kleineren Ecke Platz, die anderen auf der Tribüne. Der Detektor von vorhin, Giovanni Jussi, werkt an einem Tisch, der vor Kabelsalat überzugehen scheint. Laptop, Soundmaschine, Kabel und elektronische Kästchen, Klemmen... und ein Nudelsieb mit buntem Drahtgewirr obendrauf als Art stilisierter Datenhelm.

„Die Lüge putzt sich nie die Zähne!“, ruft Andri Schenardi als Long John vom Eck der Wahrheit kommend. „Und die Wahrheit stinkt nach Knoblauch“ schleudert ihm Mini Mizzi, gespielt von Danijela Milijić, an den Kopf. Sie bespielt anfangs die Ecke mit den „Lügnern“.

Nach Fantasie-Lebensläufen, die die beiden jeweils „ihrem“ Publikum erzählen, starten sie ein Spiel, bei dem jeweils ihr Gesicht gefilmt wird. Das „eigene“ Publikum soll aus den an die Wand gebeamten bewegten Bildern des Gegenübers erkennen, ob diese/r lügt oder nicht.

Unterm Boden oder im Klo?

Die Suche der „ganzen Wahrheit“ wirft so manche fantasievollen Vorschläge ins Spiel – von unter dem Boden bis zu im Klo. Und wenn sie wer gefunden hat, kann sie wo hin getragen werden?

Und überhaupt, ist nicht die Grenze zwischen Lüge und Wahrheit sehr, sehr schmal? Kann nicht für jemanden, der an die Lüge glaubt, diese zur Wahrheit werden? Und was, wenn Wünsche wirklich wahr werden, der Detektor zaubern kann und Hasenohren kriegt?

Augenzwinkernd

Dies und andere philosophischen Fragen rund um dieses Thema schwirren nur so durch den Theatersaal. Dazwischen kommt ein Lügen-Detektor-Computerprogramm zum Einsatz – gemessen werden Puls, Haut-Widerstand und Herzfrequenz. Weil die Kalibrierung dieses in echt für private Zwecke immer wieder gebrauchten Programms einige Zeit in Anspruch nimmt, wird auf der Bühne geschummelt – aber das Stück „Lügen“ will ja ohnehin mit dem Gegensatz spielen, ihn gar nicht absolut sehen, schon gar nicht moralisierend den einen oder anderen Zeigefinger erheben und nicht zuletzt demonstrieren, dass im Flunkern ja nicht zuletzt der reizende Kern von Fantasie liegt.

LÜGEN
Eine Produktion von TWOF2 - Performancekunst für junges Publikum
Schauspiel mit Musik, ab 6 Jahren, ca. 50 Minunten
Konzept: TWOF2
Produktion: dascollectiv

Regie, Text: Maria Spanring
Spiel: Danijela Milijić, Andri Schenardi, Giovanni Jussi
Musik, Bühne, Kostüm: Giovanni Jussi
Dramaturgie: Eve Lyn Scheiben
Kommunikation, PR: Simon Hajós
Theaterpädagogik: Brigitte Moscon
Grafik: Damian Buob
Licht: Svetlana Schwin
Regieassistenz: Azelia Opak

Wann & wo?
Bis 27. November
Dschungel Wien
1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at