Kiku
14.02.2017

Die wunderbare Welt von Wasserkesseln

„Wasserkesselpaukenpfeifensinfonie“: 45 Minuten zum Staunen und sich verzaubern lassen - auf der Studiobühne des Dschungel Wien.

Willst du dich verzaubern lassen, in fremde, weite und doch so nahe liegende Welten eintauchen? Oder nur einfach staunen? Dann sei dir ein Besuch des wunderbaren Objekttheaterstücks mit einem nicht ganz unkomplizierten, aber schon so vielsagenden Titel empfohlen: „Wasserkesselpaukenpfeifensinfonie“. Zu sehen, nein eher erleben auf der Studiobühne des Dschungel Wien. Nimmst du jüngere Geschwister mit, dann sollten sie aber wirklich schon drei Jahre sein, wie das Theaterhaus angibt. Jüngere könnten doch vor der eher heimelige, dunkel gehaltenen Atmosphäre vielleicht ein wenig Angst bekommen.

Doch nun zum Stück selbst: Auf einer Art Puppenbühne stehen vier verschiedene Wasserkessel – einer davon in eine Art gehäkelten Mantel gehüllt. Plötzlich beginnt über ihnen ein Teebeutel an einem gebogenen Draht zu wippen, als würde ein Fischer oder eine Fischerin seine/ihre Angel gerade auswerfen. Der Mechanismus dahinter wird jetzt nicht verraten, diese Überraschung soll bleiben.

Teebeutel-Fresser

Ach ja – vor dieser schwarz gehaltenen Puppenbühne steht noch auf dem Boden ein weiterer Wasserkessel und eine hölzerne Miniaturbank mit Herzerl in der Lehne. Ein – der einzige sichtbare – Schauspieler (Peter Ketturkat ) taucht auf (eine weitere, Karin Bayerle, agiert im Verborgenen) spielt mit Teebeuteln und den Kesseln. „Teebeuetelmann“ spricht ihn eines der Kinder bei der Premiere an. Genüsslich nennt er die Geschmäcker und Gerüche einiger der Teebeutel, spielt mit Wortbildern – von „mit allen Wassern gewaschenen“ Kesseln über Kessel, die „unter Druck stehen“ bis zu solchen, die „von allen guten Geistern verlassen“ wären. Was heißt „der Tee zieht“ – in Wirklichkeit lümmelt er nur faul in heißem Wasser herum. Wahrheit oder Fake? So nebenbei streut Ketturkat so manche Anspielung auf aktuelle politische Themen wie das eben genannte ein – was zum Schmunzeln für erwachsene Begleitpersonen, aber nur dezent und dosiert. Ein anderes spricht auch Kinder an: Alle reden nur mehr vom ich, sehen nur noch sich selbst – verkörpert wird dies von einem bösen Teebeutelfresser – einer umgedrehten Kaffeekanne, die nach und nach Teekessel anderer klaut und verschlingt.

Im weiteren Spiel entlockt Ketturkat den Kesseln auf der Bühne so manch überraschendes Innenleben. Aus dem umhäkelten etwa weitere Häkelstücke und zwei Stoffpüppchen – Mi und Ma. Die losgelassen sofort zu streiten und sich zu bekämpfen beginnen. Jeder will recht haben. Mi – Ma, Mi – Ma, Miiii! – Maaaa!...

Bunte Alternative

Natürlich siegt nicht das Böse – doch wie es gelingt der alles verschlingenden Monsterkanne Einhalt zu gebieten, wie es in einer Kanne zum Teebeutel-Ringelspiel, einer anderen zu einer blühenden Blumenwiese kommt und eine andere gar Sonne, Mond und Sterne samt Planeten rund um sich drehen lässt – ja das zahlt sich mehr als aus, selbst anzuschauen.

Was? Wer? Wann? Wo?

Wasserkesselpaukenpfeifensinfonie
Verein zur Rettung der Dinge
Puppen- und Objekttheater, 45 Minuten, ab 3 J.

Konzept, Bühne, Metallarbeiten, Spiel: Peter Ketturkat
Figuren, Textilarbeiten, Spiel: Karin Bayerle
Endregie: Nika Sommeregger

Wann & wo?
Bis 19. Februar
Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at