© Ani Antonova

Spucke mit Potenzial
06/11/2014

Spucke mit Potenzial

Nathan der Weise: Sehr witzige Kritik an Religions-Allmachts-Ansprüchen

von Heinz Wagner

Was ist schon der Streit darum, ob die satirisch-religionskritischen Pastafari, die Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters als Religion anerkannt werden oder nicht gegen diese Version von der Legende von Nathan dem Weisen? Die Koproduktion von Dschungel Wien und der renommierten Berliner Schauspielschule Ernst Busch setzt sich in sehr, sehr witzigem Spiel mit denn Allmachts-Ansprüchen einzelner Religionen auseinander.

Entlang von Lessing

Entlang des Stücks von Gotthold Ephraim Lessing wird die in Jerusalem, der Hauptstadt der drei großen Eingott-Religionen (Judentum, Christentum und Islam), angesiedelte Geschichte erzählt: Von der Begnadigung eines der Tempelritter durch den islamischen Sultan Saladin, der Verliebtheit des christlichen Kreuzzug-Ritters in die jüdische Tochter Nathans... bis zur berühmten Ring-Parabel gegen Ende: Der Weise, der seinen seit Generationen vererbten Ring zweifach nachmachen lässt, um allen drei Söhnen den gleichen goldgefassten Edelstein zu vermachen. Und die nun zu streiten beginnen, welches wohl der echte wäre...

Vielfältiges, witziges Spiel

All das kommt AUCH vor. Viel mehr aber spielen Myriam Rossbach, Mathias Lenz und Christian Pfütze rollenwechselnd, assoziativ und mit viel Papier die verschiedenen handelnden Personen, schnatternde Hühner, Verliebte und Ritter UND den Schöpfer. „Ich bin's, na ich. Erstes Gebot: Keine Kameras, keine Handys, denn niemand soll sich ein Bild von mir machen...“ Dieser „dialektische“, pardon Dialekt sprechende, „Gott“ spuckt vor sich hin, erkennt darin „Potenzial...“ Daraus baut er Wasser, Erde, Fische, Vögel und Menschen – und geht nach sechs Tagen auf Urlaub. Nach ein paar Tausend Jahren kehrt er wieder, um zu schauen, was draus geworden ist – und muss feststellen, dass er den Menschen ziemlich wurscht ist. Darauf spricht er einen, den Abraham an, und gibt ihm eine Hausübung … - der Rest ist (Religions-)Geschichte.

Viel vom Witz, der das Stück durchzieht, findet oft in kleinen schau- oder figurenspielerischen Momenten statt. Und nimmt nicht selten grundsätzliche Haltungen nicht nur religiöser Machtansprüche und Egoismen aufs Korn. Und bringt gegen Ende nicht zuletzt über die Figur eines auftauchenden Kasperls die Gleichheitsfrage auf so einfachen Nenner: Die Verwandtschaft aller Menschen!

Die Legende von Nathan dem Weisen Vor und nach Gotthold Ephraim LessingDSCHUNGEL WIEN & Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", Abteilung zeitgenössische Puppenspielkunst ( Berlin, D)Schauspiel, MaterialtheaterAb 8 Jahren; ca 60 Minuten

Regie: Astrid Griesbach Darsteller_innen: Myriam Rossbach, Mathias Lenz, Christian Pfütze Bühne, Kostüm: Lisette Schürer

Wann & wo?Bis 15. JuniIm Anschluss an die Abendvorstellung am Sa. 14. Jun. findet ein öffentliches Publikumsgespräch statt.Die Abendvorstellung am Sa. 14. Jun. ist auch Teil einer Abenteuernacht.Dschungel Wien1070, MuseumsQuartierTelefon: (01) 522 07 20-20www.dschungelwien.at

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.