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Zeitungs-Workshop
02/15/2013

Mehr als ein Konzert-Auftritt

Einige Interviews mit Gästen aus der Ukraine

Eine Woche lang besuchten Kids aus der Ukraine Wien. Anlass: ein Konzertauftritt der musizierenden Talente. Knapp davor legten sie auch einen Stopp in der Redaktion des Kinder-KURIER ein. Einige ihrer wichtigsten Eindrücke in Wien fassten sie mit kurzen Texten zu vorher ausgewählten Fotos zusammen. Vier Teilnehmer_innen - zwei Kids und zwei Betreuer - gaben auch Interviews.

Katja, 13, Kiev:

Welche Erwartungen hattest du vor deiner Reise nach Österreich?
Ich glaubte, dass ich hier nur bei einem Konzert auftreten werde, aber in Wirklichkeit habe ich sehr interessante Plätze gesehen.

Welche Eindrücke hast du von Österreich?
Es gefällt mir hier sehr gut. Besser als in der Ukraine. Hier ist es sauber, alle Menschen sind freundlich. Mir hat der Zoo besonders gut gefallen und die Innenstadt.

Hast du Heimweh?
Ehrlich gesagt, bis jetzt hatte ich dazu noch keine Zeit. Aber wenn ich länger hier wäre, würde ich sicher Heimweh bekommen. Zuhause ist Zuhause.

Was gefällt dir nicht in Wien?
Da muss ich nachdenken. Einen Moment. Hier gibt es eine U-Bahnstation, wo Drogen erlaubt sind. In unserem Land kämpft man auch mit Drogenproblemen, aber das ist nicht gestattet. Aber vielleicht hat das auch eine positive Seite, denn hier passt die Polizei auf, dass nichts passiert auf diesem Platz.

Hast du schon Freunde hier gefunden?
Leider kann ich die Sprache nicht, aber wenn ich ein paar Wochen hier wäre, könnte ich sicher bald sprechen.

Lena, 21:

Welche Erwartungen hattest du vor deiner Reise nach Österreich?
Ich war sehr neugierig auf dieses Land, auf die Menschen, die Kultur. Ich wusste, dass ich hier vor Publikum singen werde und wir haben uns auf unser Konzert vorbereitet. Dass ich auch noch interessante Plätze kennenlernen werde, das wusste ich nicht.

Welche Eindrücke hast du von Österreich?
Eine sehr interessante, alte Stadt. Mich hat sehr beeindruckt, dass die historischen Gebäude restauriert werden, dass dies bewahrt wird, auch die Kultur. Die U-Bahn, die Busse, die Straßenbahnen sind natürlich ganz anders als bei uns. Wenn du in ein anderes Land fährst, so fallen dir sofort die anderen Verhaltensweisen der Menschen auf, die Kleidung.

Was hat dir nicht gefallen hier in Wien?
Ich bin noch nicht lange genug hier, die ersten Eindrücke waren durchwegs positiv.

Wie war dein Auftritt gestern? Wie hast du dich gefühlt?
Das Mikro was super, es war eine gute Atmosphäre. Man hat mir gesagt, dass mein Auftritt gut war.
Ich bin jenen, die diese Reise organisiert haben, sehr dankbar. Diese Reise hat mich sehr beeindruckt und ich werde mich das ganze Leben daran erinnern.

Sergey, 25 Jahre:

Ich bin das erste Mal in Österreich.

Welche Erwartungen hatten Sie bevor Sie nach Österreich kamen?
Ich habe erwartet, dass ich etwas Ungewöhnliches sehe, eine andere Kultur, ein anderes Leben, ein anderes Verständnis vom Leben, das die Menschen hier haben. Und ich möchte von hier etwas mitnehmen nach Hause, Eindrücke, ein Verständnis, dass man anders leben kann.

Was hat Sie hier in Österreich besonders beeindruckt?
Praktisch alles. Von den Straßen bis zu den Leuten. Die Ruhe, die hier herrscht, dass alles sauber ist auf den Straßen, die Freundlichkeit der Menschen. Dass die Menschen nicht in Eile sind und pünktlich sind. Wir haben uns hier um neun verabredet und es waren wirklich alle da. Dass die Menschen einfach sind auch die Kleidung, das Essen. Bei uns sind Äußerlichkeiten wichtiger. Auf die Gesundheit, die Ernährung, auf die Lebensbedingungen achten bei uns viele Menschen nicht. Man frühstückt bei uns nicht gemeinsam, wir packen einfach ein Sandwich ein. Die Architektur ist sehr schön in Wien und es gibt auch ein einheitliches Stadtbild, es gibt keine hohen Zäune rund um die Häuser, die Leute hier sind offen, sie verstecken sich nicht. Alle Leute grüßen hier und sind freundlich.

Was gefällt Ihnen in Wien nicht?
Ich weiß nicht, in der kurzen Zeit meines Aufenthalts ist mir nichts Negatives aufgefallen. Leider kann ich die Sprache nicht.

Anatolij, 64 Jahre:

Ethnograf, Akkordionist, Lehrer an der Folkoristikfakultät der Taras Schevtschenko Universität Kiev:

Welche Erwartungen hatten Sie bevor Sie nach Österreich kamen?
Mein Vater war im Krieg in Österreich und hat mir als Kind soviel von diesem Land erzählt und ich wollte dieses großartige Land einfach kennenlernen. Mich interessierte die Kultur, der Alltag der Menschen, die Traditionen und Gebräuche des Landes. Nach dem Krieg hat mein Vater ein Akkordeon aus Wien mitgebracht und auf diesem Instrument habe ich spielen gelernt.

Welche Eindrücke haben Sie von Österreich?
Meine Eindrücke sind kolossal. Die Kultur ist auf höchstem Niveau, der Umgang zwischen Fußgängern und Autofahrern ist großartig, die Ehrlichkeit und Selbstlosigkeit der Leute. Die Gebäude sind alle unterschiedlich, nicht standardisiert, die Stadt ist ökologisch sauber, die Menschen sind aufmerksam, pünktlich und freundlich.

Was gefällt Ihnen hier nicht?
Die Preise. Die Wohnungen sind teuer, so wie mir meine österreichischen Bekannten erzählt haben. Für Gas und Strom bezahlt man viel. Natürlich liebt man die eigene Heimat am meisten. Ich würde aber gerne länger bleiben, könnte mir auch vorstellen hierher zu übersiedeln. Die Menschen lächeln hier mehr als bei uns.

Bildhafte Eindrücke der ukrainischen Gäste von Wien