Malala Yousafzai bewegte die erste Rednerin

Kopie von SAGS MULTI2013_Jänner 2013
Foto: Heinz Wagner Elena Skof, Eva Hossain, Sofie Frank Larsen und Negin Jafarmadar Hadjagha kamen ins Finale. Links außen: VWFI-Geschäftsführerin Meri Disoski, rechts außen: Moderatorin Ivana Martinovic

406 Jugendliche, 45 Sprachen - der vielsprachige Redebewerb "SAG'S MULTI!" im vierten Jahr

Tschechisch, Bangla, Dänisch, Rumänisch, Französisch, Farsi (Persisch) „Russisch, weil Tschetschenisch nicht die offizielle Landessprache ist“, Türkisch – einmal „nur“ deswegen, weil Kurdisch in der Türkei (noch?) nicht unterrichtet wird – insgesamt 45 Sprachen und deren Melodien sind in den Regionalausscheidungen des diesjährigen (vierten) Redebewerbs „SAG’S MULTI!“ zu hören. 406 Jugendliche aus 86 Schulen aus sieben Bundesländern starteten in die erste Runde, 396 schafften’s in die Zwischenrunden, in denen die Jury die Finalist_innen in den drei Altersgruppen kürt.

Der KiKu war beim Semifinale der jüngsten und mittleren Kategorie in der HIB Boerhaavegasse (Wien-Landstraße) dabei. In den Bilderstrecken alle Teilnehmer_innen dieser beiden Gruppen dieses Tages - um auch die längeren (Bild-)Texte sehen zu können, bitte auf Vollbild klicken!

Malala Yousafzai

SAGS MULTI2013_Jänner 2013 Foto: Heinz Wagner Den Auftakt machte Elena Skof aus dem bilingualen Gymnasium Komensky (Deutsch/Tschechisch bzw. Slowakisch). Sie zeigte sich in ihrer Rede tief bewegt vom Engagment der erst 15-jährigen Malala Yousafzai, die schon mit elf Jahren auf der BBC-Website bloggte – über den Wunsch nach (Schul-)Bildung auch für Mädchen und die Gewalt rückständiger Herr-scher im pakistanischen Swat-Tal. Im Herbst des Vorjahres hatten ihr solche Typen in den Kopf geschossen. Und dennoch sei in der Sache auch ein wichtiges positives Element: Malala Yousafzai ist nicht allein, weltweit hat sie Zustimmung, Unterstützung und Solidarität erfahren.

Weiter

Sie kam bei den Jüngsten an diesem Tag ebenso weiter und damit ins Finale wie Negin Jafarmadar Hadjiagha (Farsi/Perisch), Sofie Frank Larsen (Dänisch) und Eva Hossain (Bangla).
Kategorie II: Daniela Borş, Ruken Dilara Sel, Meltem Akkas, Stefan Milinković
Kategorie III: Naemi Klausner,  Suzana Todić, Melek Görmez, Ismete Quku

Hintergrund

Infos rund um den mehrsprachigen Redebewerb "SAG'S MULTI!"

Sprachpotenzial „Besonders wichtig ist es, Schülerinnen und Schüler kontinuierlich zu motivieren und sie bei der Pflege und Weiterentwicklung ihres Sprachpotenzials zu unterstützen. Ich bedanke mich bei allen Lehrkräften, die die Mehrsprachigkeit ihrer SchülerInnen fördern und uns bei diesem Projekt tatkräftig unterstützen“, meint Meri Disoski, Vorsitzende der „SAG’S MULTI!“-Jury und Geschäftsführerin von Wirtschaft für Integration.

„Mehrsprachigkeit ist ein Wettbewerbsvorteil, deshalb brauchen wir ein klares Bekenntnis zur Förderung in Deutsch, aber auch in anderen Sprachen!“, so Georg Kraft-Kinz und Ali Rahimi, Obleute von des Vereins „Wirtschaft für Integration“ (VWFI). Gerade Kinder und Jugendliche aus zugewanderten Familien müssen hier in das Zentrum notwendiger Maßnahmen gestellt werden, weil hier auch viel an Potenzial zu heben ist, sind Kraft-Kinz und Rahimi überzeugt: „Dieses beeindruckende Potenzial macht ‚SAG’S MULTI!‘  bei den Regionalausscheidungen sichtbar“, so Kraft-Kinz bei einem Lokalaugenschein anlässlich der Regionalausscheidung im BG Boerhaavegasse in Wien Landstraße.

Verein Wirtschaft für Integration: Initiator und Träger des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ ist der Verein Wirtschaft für Integration. UNIQA ist Hauptsponsor, Coca-Cola trägt mit einer Spende als Co-Sponsor erstmals zu „SAG’S MULTI!“ bei. Der Stadtschulrat für Wien unterstützt das Projekt, die organisatorische Umsetzung erfolgt durch den Verein EDUCULT. Mit einer ergänzenden großzügigen Spende leistet LUKOIL International GmbH Unterstützung. Der Hauptpreis für die 15 Gewinner_innen von „SAG’S MULTI!“ wird von der REWE Group zur Verfügung gestellt: Eine Reise von ITS BILLA Reisen in eine europäische Stadt.

www.sagsmulti.at

Die Jüngsten Redner_innen des Tages

Negin Jafarmadar Hadjiagha aus dem Währinger Gymnasium Klostergasse knüpfte bewegt auf Farsi (Persisch) – und natürlich Deutsch - insofern daran an, als sie beklagte, dass in manchen Ländern Frauen nicht ihre Talente beweisen könnten. Das wolle sie ebenso mithelfen zu ändern, wie mehr gegen Armut, für Umweltschutz und noch so manches mehr zu tun. Die ebenfalls erst 12-jährige Aynur Temel (Türkisch) aus derselben Schule, die einen lautstarken Anfeuerungschor mitgebracht hatte, hielt ebenfalls eine engagierte breit gefächerte allgemeinpolitische Rede – von Toleranz und Respekt ebenso wie davon, dass der Welthunger bekämpft und die Umwelt geschützt werden müssten. „Ich will dass meine Enkelkinder auch noch so schöne Tiere wie die Eisbären kennen können!“ Tobias Schrottenbacher (Tschechisch) verglich das für jeden wichtige Umfeld – Familie, Freunde, eventuell auch Glaubensgemeinschaft mit den Schichten einer Zwiebel, er fühle sich in seiner sehr wohl und  sehr neugierig, weitere Schichten kennen zu lernen. Sofie Frank Larsen freut sich darüber, in zwei Kulturen und Sprachen (Dänisch) aufwachsen zu dürfen und plädiert dafür, all jene, die diesen Vorteil haben eher zu beneiden als auf sie herab zu blicken. Naima Chowdhury vom Bertha-von-Suttner-Schulschiff rief auf, jene positiven Eigenschaften, die man wolle wie Toleranz, Großzügigkeit usw. zunächst einmal selbst gleich vorzuleben und verwies dabei auf das große Vorbild Mahatma Ghandi. Außerdem bot sie einen kurzen historischen Abriss über das Heimatland ihrer Eltern Bangladesh – auch in dessen eigener Sprache Bangla, die erst seit der Unabhängigkeit von Pakistan (1971) gesprochen werden dürfe. Sie selbst wolle Ärztin werden, um beispielsweise dort zu helfen. Eine weitere Tschechisch-Schülerin aus der Komensky-Schule, Marie Anna Richtarova, setzte sich mit Bedrohungen aber auch Chancen durch Technologien fürs Europa im Jahr 2030 auseinander. Isabel Gostek (Polnisch) sprach über Veränderungen, die zwar einzelne nicht allein bewerkstelligen, aber doch auch auslösen könnten, wenn sie Gleichgesinnte finden, und dass in ihrer Klasse von der Gemeinschaft schon manches zum Positiven – wenigstens in Sachen Klassenklima  geschafft wurde. Karolina Holiková fühle sich im Geburtsland Tschechien ebenso wohl wie in ihrem jetzigen Schul- und Wohnland Österreich und fand Europa im Jahr 2030 als interessantestes Thema. In Sachen Vermüllung hoffe sie auf technologische Lösungen und schlug vor, Gelder statt in Waffen eben in den Schutz der Umwelt zu investieren. Aus derselben zweisprachigen Schule kam Otakar Frankl, der sich ebenfalls mit unserem Kontinent in 17 Jahren beschäftigte. Und damit, dass die neuen technologischen Mittel wie Internet für mehr direkte Demokratie und Mitbestimmung der Bürger_innen eingesetzt werden könnten – und sollten. Als Gegenleistung dafür, dass sie in einem Land mit Wohlstand und Frieden aufwachsen dürfe, möchte Eva Hossain (Bangla) nach ihrer Ausbildung – zur Ärztin – eine Zeitlang kostenlos in armen Ländern helfen. Und für 2030 hoffe sie, dass die Klimaerwärmung nicht so weit fortschreite, dass Teile ihres zweiten Heimatlandes, Bangladesh, nicht von einem steigenden Meeresspiegel überflutet würden.
Die "älteren" Vielsprachigen

Blumig, musikalisch, verborgene Sprachen

Paulina Maliczowski, aus der AHS in der Wiener Gymnasiumstrasse sprach immer wieder auch in blumigen Wortbildern – unter anderem von Herz und Mut – nicht zuletzt jenem, sich anderen (Kulturen und Sprachen) gegenüber zu öffnen. Neben ihren beiden Muttersprachen Polnisch und Deutsch sowie den schulischen Fremdsprachen verständigt sie sich auch in jener der Musik (Klavier und Geige). Laura Mysliwiec aus der gastgebenden Schule Boerhaavegasse beneidete in Sachen Mut in den selben beiden Muttersprachen wie ihre Vorrednerin ein wenig 5-jährige Kinder, die einfach mir nichts dir nichts als Berufswünsche u.a. Astronaut oder Präsident angeben. Ruken Dilara Sel entschied sich für Türkisch als die zweite Sprache, die sie in ihrer Rede verwendete, weil sie ihre eigentliche Muttersprache Kurdisch nicht so beherrsche, nachdem diese lange Zeit in der Türkei verboten war und Generationen von Kindern – so auch ihre Eltern – aufwuchsen, ohne sie wirklich lernen zu dürfen. Und sie wies in ihrer engagierten Rede darauf hin, dass rund 1700 Sprachen weltweit vom Aussterben bedroht sind. Wie schon in der Vorrunde wies Lisa Dzabrailova vom Bertha-von-Suttner-Schulschiff darauf hin, dass sie sich für Russisch entschieden habe, „weil Tschetschenisch nicht die offizielle Amtssprache ihres Herkunftslandes“ sei. Mit 8 kam sie als Flüchtling nach Wien und habe das Gefühl, „das wir es damals noch viel einfacher hatten als Flüchtlinge heute“. Mitreißend – sowohl auf Serbisch als auch auf Deutsch, das sie erst seit rund einem Jahr spricht – machte Teodora Mirković (Boerhaavegasse) überzeugend klar, „dass alles möglich ist, wenn ich nur will!“ Herzlich und herzhaft vermittelte sie auch die Notwendigkeit, anderen zu helfen „und nicht nur an sich selber zu denken!“ Aus der gleichen Klasse und noch kürzer in Österreich lebt die 16-jährige Daniela Borş, die aus der Republik Moldau kommt und damit Rumänisch als Muttersprache spricht. Von ihren Deutschkenntnissen könnten sich aber so manche ständig „deutsch, deutsch, deutsch!“ trommelnden Politiker mehr als nur eine Scheibe abschneiden. Wissen und Erfahrungen sammeln war ihr Plädoyer für die Zukunft.
  Gurbir Kang aus der AHS Heustadelgasse hat ganz konkrete Vorstellungen, wie sie in der Heimatregion ihrer Eltern, der indischen Provinz Punjabi (so auch die Sprache), die sie in den Ferien besuchte, helfen wolle: Aufbau autarker Energieversorgung durch Windräder. Dafür wolle sie sich ausbilden, um den Planeten ein kleines Stück weit mit verändern zu helfen. Riegmalha Kuong, dessen Eltern aus dem Kongo kommen, aus der Rahlgasse sprach Französisch und deutsch über durchaus negative Auswirkungen moderner Kommunikationsmittel wie Internet, Facebook & Co. Sie förderten schon auch Trägheit und reduzierten direkten Kontakt, wie er ihn beispielsweise von Ferienaufenthalten im Heimatland seiner Eltern viel mehr erlebe.
  Florian Poreba (Boerhaavegasse, Polnisch) machte Mut, dass jede und jeder einzelne Funken für ein gemeinsames Feuer der Veränderung der Welt zum Besseren zünden könnte. Rrezarta Zukaj aus der Handeslakademie des BerufsFörderungsInstituts sprach sich (Albanisch/Deutsch) stark dafür aus, dass Bildung mehr als reine Ausbildung sei, dass es vor allem um Persönlichkeit gehe und zu der gehören u.a. soziales, Kunst und Kultur – und damit natürlich auch Sprachen – das sei wie eine Reise ohne konkretes Ziel, mehr wie ein Weg auf dem es viel zu entdecken gebe. „Hört auf, unglücklich zu sein!“ rief Meltem Akkas von der HAK in Wien 10 (Favoriten) lächelnd ins Auditorium und zauberte in ihrer Rede, die getragen war von der Liebe zum Leben – und zum Lächeln – mit ihrer herzhaften, amüsanten Türkisch-Deutschen Rede immer wieder Lächeln in die Gesichter. Nachdem die Welt am 21.12. des Vorjahres doch nicht untergegangen sei, stehe er nun eben hier und beschäftige sich mit Europa im Jahr 2030 – für das ja auch schon wieder ein Untergang prophezeit wäre, begann Stefan Milinković aus dem Haydngymnasium auf Deutsch und Serbisch. Für Europa erhoffe er sich einen Prozess des größeren Ausgleichs zwischen den Staaten, ein größeres Miteinander nicht zuletzt der Länder des ehemaligen Jugoslawiens und nicht zuletzt aber auch, dass Eltern ihren Kindern auch die jeweiligen Muttersprachen beibringen.
Foto-Impressionen

Bilder von der Regionalausscheidung in der Boerhaavegasse

Jubel und Umarmung für Weitergekommene Gespannte Aufmerksamkeit Interviewrunde mit dem ORF "Moses" heißt dieses kleine Maskottchen, das die Geschäftsführerin des Vereins, Meri Disoski, schon bei ihrer Matura, der Führerscheinprüfung und auf der Uni bei sich hattte - und das sie den Teilnehmer_innen fürs Redner_innenpult borgte Tobias Schrottenbacher, elena Skof, Aynur Temel, Negin Jafarmadar Hadjiagha und Sofie Frank Larsen mit Philipp Bodzenta (Coca Cola Österreich) sowie Georg Kraft-Kinz und Meri Disoski (rechts, Vereien Wirtschaft für Integration) Schüler_innen der HAK bfi Jungfotograf Jungfotografin
(KiKu) Erstellt am
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