Hosseini, Lernspiele

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U19
09/08/2013

Lichteffekte auf Schlagzeug, Lernspiele und eine Massage-Schultasche

Von Erfindungen über Animationsfilme bis zu Programmen und Spielen - große Vielfalt der Arbeiten der Jüngsten für den renommierten Prix Ars Electronica

von Heinz Wagner

„Mein Schulranzen ist sehr schwer, wie viel Kilo weiß ich gar nicht, aber sehr schwer. Weil da viele Bücher drin sind. Und der Schulweg ist ziemlich lang“, beginnt Lena Sophia Wagner aus dem bayrischen Schungau dem Kinder-KURIER über die Anfänge ihrer kreativen Idee zu erzählen. Mit ihrer Massage-Schultasche hat sie einen der zehn Anerkennungspreise der Kategorie "U19 - create your world" beim diesjährigen Prix Ars Electronica gewonnen.

„Bei einem Bekannten hab ich so einen Massagesitz gesehen und mir gedacht, wenn ich schon so lang gehen muss (zu Fuß eine dreiviertel Stunde täglich – nur in eine Richtung), dann könnt man sich doch dabei wenigstens gleich den Rücken massieren lassen.“ Dazu müssten nur in die Rückseite des Schulranzens (wie in Bayern dazu gesagt wird) „solche Kugeln eingebaut werden und eine Fernbedienung“.

Ihre Ideen hat die damals noch acht-, demnächst Neunjährige zeichnerisch zu Papier gebracht und dazu noch mögliche Konstruktionsfotos nach Linz geschickt.

Acht und neun und schon Lernspiele programmiert

Acht und neun sind die beiden Brüder Sasan und Arian Hoseini aus Wien. „Wir lernen alles zu Hause, erzählt Arian, der Ältere der beiden, unsere Mutter ist unsere Lehrerin, das ist viel lustiger, so können wir uns selber viel mehr einteilen, wann wir was lernen. Wir haben auch schon ziemlich früh am Computer tippen gelernt und ein bisschen Englisch und Persisch und haben viele CD-ROM mit Lernspielen. Einmal haben wir einen Programmierkurs gemacht und Scratch gelernt. Das ist ein open-source, also ein freies Programm“, ergänzt er als er den fragenden Blick des Journalisten ortet.

Jeder von ihnen hätte eigene kleine Spiele programmiert. „Ich hab mehr so die Zahlen- und Schreibspiele gemacht, mein Bruder (der Jüngere und Zurückhaltendere) hat ein Tennis- und andere Spiele programmiert. Mit Scratch ist das einfach, da musst du nicht ein riesiges Script schreiben, sondern hast ein paar Schalter und einige Werkzeuge zum Erstellen.“

Probleme hat’s nur beim Einsenden gegeben, „wir haben das im letzten Moment gemacht, da waren nur mehr 30 Sekunden Zeit und es hab das raufladen nicht gleich beim ersten Mal geklappt, das war sehr nervig. Dann haben wir das aber grad noch rechtzeitig geschafft.“

Ob er auch damit gerechnet hatte, dass sie damit etwas gewinnen. „Naja, irgendwie nicht, aber irgendwie hab ich schon gedacht, dass wir unter den besten fünf sein werden.“

Es wurde sozusagen der dritte Rang – nach Goldener Nica und den beiden gleichwertigen Auszeichnungen, noch vor den Anerkennungen gibt’s gleichwertig je einen Sachpreis für U14-Jährige sowie U-10-Jährige.

And the winner is...

Apropos „Goldene Nica“: Die Siegerstatue musste Dominik Koller nachdem er sie bei der U19-Ceremony auf dem Ars-Electronica-Deck inmitten der interaktiven Ausstellungscontainer aus der Hand der Bildungsministerin Claudia Schmied erhalten hatte, gleich wieder abgeben – für ein paar Stunden. Endgültig bekam er sie – die die anderen Sieger_innen in den Erwachsenen-Kategorien bei der festlichen Gala am Abend. Der Salzburger Gymnasiast spielt schon seit sieben Jahren Schlagzeug und kam eines Tages „auf die Idee, es mit LED-Lichter bunt zu beleuchten. Später hab ich dann in den Trommeln selber Piezo-Sensoren montiert, die auf die Vibration reagieren und ein Programm geschrieben, das die Trommelschläge in bunte Visuals übersetzt.“ Diese im Computer erzeugten Farb- und Formeneffekte werden wiederum auf die Trommelflächen projiziert, können davor aber im Computer oder auch via Smartphones verändert werden.

Witziger Musik-Trickfilm

Mit Kompositur, einem Stop-Motion-Trickfilm überzeugten acht Mädchen aus dem Horner Gymnasium (NÖ) nicht nur die Jury insgesamt, so dass sie unter immerhin mehr als 700 Einreichungen einen der Anerkennungspreise bekamen. Besonders angetan zeigte sich Luadator Karl Markovics (Mitglied der Jury), und der ist immerhin bekannter Filmemacher – vor und hinter der Kamera. Karoline Melpomeni, Sabine Bischinger, Madlen Weingartner, Melisa Mujčinović, Razija Semić und Ines Tiefenbacher, sechs der acht Filmproduzentinnen und Preisträgerinnen waren nach Linz gekommen und erzählten dem Kinder-KURIER ihre Arbeitsweise. „Entstanden ist das alles in einem nur dreitägigen Workshop im BE-Unterricht. Zuerst haben wir uns eine Geschichte einfallen lassen, und Szenen und Locations, zum Beispiel eine Bar, in der eine Jazzband auftritt.“ In der Folge wurden einerseits Figuren und Requisiten gebastelt, „alle aus Plastillin, was nicht immer einfach war, beim Bogen für den Kontrabass haben wir einen Zahnstocher reingesteckt, es war aber nicht einfach, weil er immer wieder auch runter gefallen ist. Bei anderen Sachen und Figuren haben wir Draht unter dem Plastillin gebaut, bei kleinen Gegenständen mussten wir dann aufpassen, dass der Draht nirgends rausschaut.“ Die Gruppe teilte die Arbeit auf, die einen bauten, andere kümmerten sich um die Kulissen und wieder andere schossen ein Foto nach dem anderen – für jede andere Einstellung, „Bewegung“ ein Foto – die dann alle im Computer zum Trickfilm zusammen gebaut wurden.

Arge neue Welt

„Im Vorjahr hab ich ein Computerspiel für U19 eingereicht, aber das ist halt doch nur für Leute, die gern Games spielen, da hab ich mir für heuer gedacht, mit einem Film erreichst du viel mehr Leute“, leuchtet Simon Stix (19) die erste Entscheidung für seine erfolgreiche Arbeit aus. „Ich mag 3 D-Animationen und Science Fiction Filme. Solche Filme kommen eigentlich ohne dreidimensionaler Animationen gar nicht wirklich aus. Und mir gefallen Endzeitstimmungen – das war eigentlich der Anfang für „Dictatorship of Perfection“. In diesem Zwang zur Perfektion müssen alle funktionieren, sind einheitlich, außerdem war's natürlich auch einfacher, nur eine Figur und ihren Computerarbeitsplatz am Computer zu gestalten und dann einfach uroft zu kopieren.“

Flucht und Asyl

Für ihre Schülerradiosendung zum Thema Flucht und Asyl hatten Kübra Börekci, Chiara Fürpass, Tunahan Harmankaya, Ali Özenir, Ana Protrka und Atilla Kahraman vom Gymnasium Henriettenplatz nicht nur recherchiert und sich mit den Gesetzen beschäftigt, „wir wollten auch junge Flüchtlinge selber interviewen. So sind wir auf das Laura-Gatner-Haus in Siebenhirten gestoßen und haben die Jugendlichen interviewt.“ Aus den Aufnahmen wurde die Sendung „Gekommen, um zu bleiben: Zur falschen Zeit im falschen Land“, die ausgestrahlt wurde und in Linz einen Anerkennungspreis bekam.

Biogas für Burkina Faso

Über einen zufälligen Kontakt zwischen einem der Lehrer der Innsbrucker HTL Anichstraße zu zwei jungen Männern aus Burkina Faso, die in Imst zu Energiefachleuten ausgebildet werden, entstand die Idee für das Projekt Biogas für dieses westafrikanische Land. Den Grundgedanken fasst Patrick Maier (mitgearbeitet haben noch Johannes Egger, Dražen Petrović und Simon Zigala) so zusammen: „Aus einfachsten Mitteln Energie zu erzeugen, weil es in diesem Dorf in Burkina Faso praktisch keinen Strom gibt. Aus tierischem Abfall und Biomüll entstehen beim Zersetzen Methangase und Kohlenwasserstoffe. Passiert das in einem luftdicht abgeschlossenen Gefäß, braucht es nur mehr eine Pumpe, um diese Gase zur Energiegewinnung verwenden zu können.In Autos funktioniert die Klimaanlage nach dem selben Prinzip, natürlich nicht mit Bioabfällen, sondern einfach mit Luft, die von außen kommt.

Einfach und billig

Wir wollten Material verwenden, das so gut wie nichts kostet und außerdem leicht und überall verfügbar ist. Über eine Sog-Leitung in der kleine Kolben drinnen sind, werden die Gase zusammen gepresst und über eine Druckleitung in ein Zwischendepot geleitet – das können Gasflaschen sein oder alte LKW-Reifen. Als Antrieb für die Pumpe könnte ein Fahrrad funktionieren - damit haben wir's ausprobiert. Wir haben mit den Prototypen entwickelt und den Austauschstudenten gezeigt, wie man so eine kleine Anlage baut. Unser Projekt, für das wir auch die Kalkulation gemacht haben, entstand im Fach Projektmanagment.

Mehr über fast alle U19-Top-Projekte in der Bildergalerie bzw. über "stop war - start thinking", eine Münz-Stop-Motion-Animation in einem eigenen Interview

und natürlich:

hier

... der ausgezeichneten Projekte und ihrer Macher_innen

Cent-Münzen als Hauptfiguren

Münzen, Münzen, Münzen – 1-, 2- und 5-Cent-Stücken im Gesamtwert von zehn Euro sind die „Hauptdarsteller“ im Trickfilm eines Schüler-Quartetts der HTL vom Wiener Rennweg, für das es bei U19 einen der Anerkennungspreise gab. Beeindruckend und überzeugend zeigen Michael Dunkel, Nikolaus Müller, Georg Schneider, Philipp Unger den Zusammenhang zwischen Krieg und Vernichtung von Werten bzw. umgekehrt wie viel Schulen sich ums Geld eines Kampfflugzeuges bauen ließen …

Auf die KiKu-Frage, wie’s zur Idee mit den Münzen gekommen war, meinte Projektleiter Michael Dunkel: „Erstens passen diese gut zu Weltwirtschaft (wurde als Thema von Lehrern vorgegeben) und zweitens haben wir herausgefunden, dass es noch recht wenig Stop-Motion-Videos mit Münzen als Objekte gibt. Zu allererst haben wir neue Münzrollen von der Bank bekommen, aber wir haben uns dann dazu entschlossen diese gegen Münzen, die schon im Umlauf waren, zu tauschen. Das hat den Grund, da wir der Meinung sind, dass etwas Neues, Sauberes, einfach nicht zu Krieg und zur Rüstungsindustrie passt, da ja das durchaus mit dem Töten von Menschen verbunden ist.“

Wie sind sie auf die geniale Idee für diesen Film gekommen?„Begonnen hat es damit, dass wir in unserer Schule, der HTL Wien Rennweg, in der 4. Klasse, im Projektmanagementunterricht den Auftrag bekommen haben, ein Stop-Motion-Video zu erstellen. Es sollte sich um das Thema Weltwirtschaft drehen. Nach kurzer Recherche sind wir dann auf folgende Website gelangt:http://nationalpriorities.org/cost-of/Diese Website hat uns dann dazu inspiriert diese erschreckend hohen Zahlen in unser Video aufzunehmen.

Wie haben Sie die Beispiele und die Vergleiche ausgewählt - selber berechnet oder aus Beiträgen in Medien entnommen? Auf die Idee mit den Vergleichen sind wir selbst gekommen. Bei der Recherche sind wir auf folgende Website gestoßen: www.stwr.org/special-features/cost-of-war-calculator.html Diese bietet die Funktion die Kosten von militärischen Produkten mit anderen zu vergleichen. Alle Fakten basieren auf Studien des SIPRI („The SIPRI Military Expenditure Database consistent time series on the military spending of 172 countries since 1988“).

Sind Sie arbeitsteilig vorgegangen? Die einen recherchieren, die anderen legen die Münzen, dritte fotografieren, vierte bauen aus den Fotos die Animation - oder machten alle alles?„Da dieses Projekt im Zuge des Projektmanagementunterrichts durchgeführt wurde, war die Arbeitsaufteilung einer der Hauptaufgaben. Nikolaus Müller war für die Fotografie verantwortlich, Georg Schneider für die Projektleitung, Philipp Unger für die Motive und Texte und ich hab mich um das Marketing (Facebook, Mails, etc.) und die Recherche der Fakten gekümmert.“

Wie viele Bilder haben sie ungefähr „geschossen“?Es wurden ungefähr 1100 Fotos geschossen. Das Video basiert auf der Stop-Motion-Technik, bei der absichtlich weniger als 24 Bilder pro Sekunde verwendet werden. Unser Video wird mit der Hälfte der Bilder pro Sekunde abgespielt. Das Video hat viele Leute begeistert, daher konnten wir 2012 den schulinternen „Project Award“ und wurden von der PMA als Preisträger ausgezeichnet. 2013 wurden wir dann vom u19 – create your world Team angesprochen und haben uns bei diesem Wettbewerb immerhin einen Anerkennungspreis gewonnen.

Und hier zur Facebook-Seite und zum YouTube-Video des Projekts

https://www.facebook.com/StopWarStartThinking

http://www.youtube.com/watch?v=oaP_uIQsmLA

... aus dem U19-Container-Quartier auf dem AEC-Deck

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