Leben | Kiku 05.12.2011

Leben in zwei Kinderzimmern

Wenn sich Mama und Papa trennen, pendeln die Kinder zwischen den Elternteilen. Der Alltag wird so etwas turbulenter.

Die Ferien sind bald vorbei und alle Kinder fahren wieder nach Hause. Doch manche Kinder haben mehr als ein Zuhause.
Zum Beispiel der neunjährige Lukas (*). Er hat jetzt zwei Kinderzimmer. Seine Eltern haben sich scheiden lassen und leben in benachbarten Dörfern. "Eine Woche wohne ich bei meiner Mama und eine Woche bei meinem Papa und seiner neuen Frau." Lukas nimmt es gelassen. Sonst bleibt sein Alltag ja gleich: Schule, Sportklub, Freunde.
Viele Kinder pendeln zwischen ihren Elternteilen. Im Wochentakt oder öfter wechseln sie ihren Wohnort. Manche besuchen ihre Väter nur am Wochenende.
Auch Mia aus dem preisgekrönten Buch "Alles Familie!" ist so ein Kind. Sie hat alles zwei Mal. Fahrrad, Kleidung und Spielsachen - ein Mal bei ihrer Mama und ein Mal bei ihrem Papa. In dem Kinder-Sachbuch werden übrigens unterschiedliche Arten von Familien vorgestellt. Für Jakob etwa ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Es gibt ihn und seine Schwester Hannah und dann noch seinen Halbbruder Luano, das Kind seiner Mama mit ihrem neuen Mann. Und die Stiefschwester Lena, die Papas neue Frau mitgebracht hat.

Bonus-Eltern Damit niemand bei dem Namen Stiefmutter an die böse Frau im Haus von Hänsel und Gretel erinnert wird, hat sich der dänische Familienberater Jesper Juul einen neuen Namen überlegt: Bonus-Eltern. Im Französischen sagt man zur Stiefmutter "Belle-mère - schöne Mutter". Manche Kinder denken sich eine
eigene Bezeichnung für die neuen Partner ihrer Eltern aus. Auch für zusammengewürfelte Familien gibt es
einen Namen aus dem Englischen: Patchwork-Familien. So wie die berühmten Decken, die aus einzelnen Stoffstücken zusammengesetzt werden und so ein buntes Kunstwerk ergeben.
Auch Silke (*) und Katharina (*) mussten sich erst an die neue Situation gewöhnen. Der Papa der einen ist jetzt mit der Mama der anderen zusammen. Den Sommerurlaub verbrachten sie heuer erstmals zusammen. Die Volksschülerinnen sind fast gleich alt, aber "am Anfang war es nicht einfach. Wir waren wirklich nicht die besten Freundinnen. Wir haben viel gestritten. Aber jetzt geht es schon", erzählen sie. In einer wichtigen Familienfrage sind sie sich einig: Dass die Eltern heiraten sollten. Dann düsen die Mädchen los ins Schwimmbad. Denn in den Ferien wollen sie beide Spaß haben. Gemeinsam.

(*) Name von der Redaktion geändert

Tipp

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© Bild: KLETT BILDERBUCH

Wie sieht eine Patchwork-Familie aus?
Fast jedes zehnte Kind in Österreich lebt in einer Patchwork-Familie. Christine Laimer vom Wiener Familienbund begleitet Kinder und Eltern bei der Umstellung. Ein paar Tipps:
"Kinder glauben manchmal, dass sie nach einem Wochenende beim Papa nicht erzählen dürfen, wie lustig es war", weiß Laimer. Aber es ist klar: "Beide Eltern freuen sich, wenn es ihrem Kind gut geht."
Es ist nicht einfach, wenn ein neuer Partner ins Leben der Eltern tritt. "Glaub' nicht, dass der schon alles weiß, was Kinder wollen. Vor allem, wenn er keine
eigenen hat." Laimer rät Kindern: "Frage Dich: Was kann der Neue, was würde ich mit dem anfangen?"
Wenn Stiefgeschwister am Wochenende auf Besuch sind oder sogar gemeinsam leben, wohnen sie oft in einem Zimmer. "Da sollten Kinder genau besprechen, welche Bereiche oder welche Spielsachen ihnen gehören. Vielleicht ist es ja auch ganz angenehm, jemanden zum Spielen zu haben", so die Beraterin.
Selbst wenn Kinder nur am Wochenende beim Papa sind, können sie selbst die Initiative ergreifen: "Du kannst ruhig fragen, ob er Dich während der Woche zum Training bringt."

Gewinnen In einem Wettbewerb ruft der Familienbund Kinder und Eltern auf, ihre Familien zu beschreiben. Was macht Familie aus? Welche Familientraditionen gibt es? Die besten Geschichten, Bilder, Raps oder Videos werden mit Urlauben und anderen Preisen ausgezeichnet.
Einsendungen bis 14. Oktober an: Österreichischer Familienbund, Buchbergerstraße 88, 3100 St. Pölten.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011