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Wie wollen wir zusammenleben? Wie der bunte Blumenstrauß aus 95 verschiedenen farbenprächtigen Pflanzen, den sich Willem de Rooij (Niederlande) für die – bis Mitte Oktober - in der Kunsthalle Wien laufende Ausstellung „How to live together“ ausgedacht hat? Oder mit Roboter, die Menschen täuschend ähnlich sehen, sprechen und zumindest ihre Arme bewegen? Dieses Objekt schuf die in London lebende gebürtige polnische Künstlerin Goshka Macuga.

Objekte, Bilder, Fotos und Videos von 33 verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit der Frage des Zusammenlebens beschäftigen, sind in der genannten Ausstellung versammelt. In der letzten Ferienwoche (in Ostösterreich) luden Fanny und David, beide jeweils 12 Jahre, zu einer Spezialführung ein, um ihre Sicht zu zeigen – anhand ihrer liebsten Ausstellungsstücke darzulegen und anschließend zu einer Rätselrallye mit spannendem Abschluss zu animieren.

Roboter oder Fantasie-Spiel

David schwankte zwischen dem schon genannten Roboter und entschied sich dann aber doch für eine andere Station: Das Video von Binelde Hyrcan. Der in Frankreich lebende angolanische Künstler filmte vier am Sandstrand von Luanda (Hauptstadt von Angola, im Südwesten Afrikas) spielende Buben. Dudu, Samuel, Candinho und Ivanio graben sich Löcher in den Sand, die zu Sitzen in einem unsichtbaren Auto werden. In ihrem fantasievollen Spiel träumen sie sich in sorgenfreie Leben in Brasilien und sonstwo in der Welt. Um im nächsten Augenblick zu demonstrieren, dass dies aber doch nur Spiel ist und ihre Perspektiven meilenweit davon entfernt sind. David hat dieses Video fasziniert, „weil die vier so fantasievoll spielen“ und sie die eigentlichen Gestalter des Films sind.

Kurzes „ewig“ und Fluchtauto

Einmal ums Eck landet die Spezialführung bei einem von Fannys Lieblingsobjekten. Der Berliner Leon Kahane lässt in einen großen Teppich mit einem Stock das Wort „ewig“ reinzeichnen. Nach einer Woche, so die Anweisung für sein Kunstwerk, muss der Teppich gesaugt werden. Und schon ist ewig vergangen, um es danach neu in den Bodenbelag zu zeichnen. Der Widerspruch zwischen der Bedeutung des Wort und der Kurzlebigkeit in der Ausstellung hat Fanny sehr beeindruckt.

Ihr zweites Lieblingskunstwerk ist das Video „ Volga“ von Aslan Gaisumov. Mitten auf einer verlassenen Wiese steht ein Auto der Marke Volga. Nach und nach strömen von allen Seiten Menschen herbei und besteigen den nicht allzu großen PKW. In diesem Video stellte der in Grosny (Hauptstadt Tschetscheniens) lebende Künstler das echte Erlebnis nach, als er – im Alter von vier Jahren - mit seinen Verwandten vor dem damaligen Krieg in seinem Heimatland flüchten musste. „Es ist cool, auszuprobieren, wie viele Leute in so ein Auto passen und zeigt, dass man, wenn man flüchten muss, eben nicht so auf Regeln achten kann, sondern schauen muss, was möglich ist“, beeindruckte die junge Kunstvermittlerin.

Rätselrallye

Fanny und David hatten mit dem erwachsenen Kunstvermittler Martin auch noch Rätselaufgaben vorbereitet, die nach dieser kleinen Führung von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Gruppen zu lösen waren – und die am Ende zu einem weiteren Objekt führten, das noch über die Ausstellung hinaus auf dem Dach der Kunsthalle stehen bleibt. Dazu zählte neben Fragen auch die Aufgabe, sich ein Kunstwerk auszusuchen und dazu eine kurze Fantasiegeschichte zu erfinden. Aus den einzelnen Lösungen musste ein weiteres Lösungswort gefunden werden, das zu dem Objekt auf dem Dach führte: Katze. Das begehbare, große hölzerne Objekt von Augustas Serapinas wirkte an diesem Nachmittag im Inneren wie eine Sauna. Vorbild für den Künstler war übrigens eine Schachtel in Katzenform, die er im Büro der Kunsthalle gesehen hatte.

Zusammenleben

Fanny und David hatten sich ein paar Mal in der Ausstellung umgeschaut, bevor sie ihre Favoriten ausgesucht hatten, die sie anderen – nicht nur - Kindern zeigten. Und zum Thema des Zusammenlebens nannten sie kurz und bündig: „Konflikte lösen“ bzw. „Freundschaft schließen. Ihre Gäste ergänzten um „gemeinsam Feste feiern“, „Gemeinschaft voller Unterschiede“...

Wie schon im Zusammenhang mit dem Artikel über die abschließende Performance des PeaceCamps von jüdischen und arabischen Jugendlichen aus Israel sowie von jungen Leuten aus Ungarn und Österreich im nahegelegenen Theaterhaus Dschungel Wien sei auch hier nochmals die Fotografin Herlinde Koelbl erwähnt, die Fotos von Flüchtlingslagern in Griechenland, Italien und Deutschland zu der Ausstellung „How to live together“ beisteuerte. Sie zitiert den weltbekannten Physiker Albert Einstein mit dem Satz: „Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten!“

Zur Aussstellungs-Info

... von der Führung mit Fanny und David