Höhenflüge

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Kinder Business Week
05/11/2014

Wirtschaftsluft schnuppern

Unternehmerinnen und Unternehmer erklären Kindern ihre Jobs.

von Heinz Wagner

Es gibt auch andere Berufe als Ärztin, Rechtsanwalt, Lokführer oder Journalistin. Wer will Bootsbauerin werden, wenn nicht die Eltern einen solchen Betrieb haben? Die Kinder Business Week will Kindern und Jugendlichen (8 bis 14 Jahre) eine Vielfalt von Berufen – ob selbstständig oder nicht – nahebringen. In manchen der 79 Vorträge und Ideenwerkstätten, die oft von Firmenbossen geleitet werden, können Kids aber auch Kompetenzen wie Teamarbeit, Kreativität usw. hautnah erleben. Beispielsweise gilt es in einer der Ideenwerkstätten, in Teams einen Turm nur aus Zeitungspapier und Klebeband zu bauen (Foto unten).

„Virus“

Rasend schnell verbreitete sich vor mehr als zehn Jahren ein genialer, höchst gesunder Virus: Kinderunis. Was einige Universitäten vereinzelt starteten, wurde zum Erfolgsmodell. Tausende Kinder stürmten in ihrer Freizeit Hörsäle, Labors und Ateliers, „weil wir da endlich das lernen können, was uns interessiert“, wie viele von ihnen ihre Beweggründe auf den Punkt brachten. Und eines erwünscht ist, was leider vielerorts Kindern abgewöhnt oder verleidet wird: Fragen zu stellen! Bei der Kinderuni Wien schwören die Jüngststudierenden sogar bevor sie ihre Urkunden bekommen, „nie aufzuhören, Fragen zu stellen und Antworten auf diese zu suchen“.
Als Nik Angermayr, Chef einer Event- und Medienagentur, das mitbekam, verfiel er auf die Idee, das Modell auf den Bereich Wirtschaft zu übertragen. So, wie Kinder auf den Unis Wissenschafter treffen und aus erster Hand spannende Dinge aus unterschiedlichsten Fachbereichen erfahren und erfragen, manches auch experimentieren können, so sollten Unternehmerinnen und Unternehmer Kindern ihre Welt näherbringen.

Erfolgsmodell

Von Entrepreneurship bis zu Einblicken in verschiedene Branchen – das ist der „Hintergedanke“ der Kinder Business Week. Auch wenn’s anfangs Skepsis bei Partnern aber auch Funktionären der Wirtschaftskammer gab, so hat sich das Projekt zu einem Erfolgsmodell gemausert.
Weshalb Geld praktischer sein mag als Warentausch, dass manche Arbeiten nur im Team zu bewerkstelligen sind, dass scheinbar verrückte Ideen vielleicht g’scheiter sind als immer ausgetretenen Pfade zu betrampeln oder Ökologie nicht nur dem Planeten Erde guttut, sondern sogar ein Geschäft sein kann vermitteln Leute aus „der Wirtschaft“.
Aber auch, dass es für vieles Fachkräfte braucht wird oft erst im Konkreten klarer. Und die müssen auch ausgebildet werden – da mussten auch erst so manche Firmen (wieder) draufkommen ...

Anmeldungen ab sofort möglich

Die neunte Kinder Business Week steigt vom 21.–25. Juli. Das Programm findest du online, wo du dich auch schon anmelden kannst, was für eine Reihe von Ideenwerk- stätten sehr von Vorteil ist.

Was?
79 Vorträge und Ideenwerk- stätten von 72 Firmen bzw. Institutionen; Rahmen- und Pausenprogramm in der gesamten Woche
Wo?
Wirtschaftskammer Österreich, 1045, Wiedner Hauptstraße 63
Wann?
21. Juli bis 24. Juli, jeweils 9–18 Uhr; 25. Juli: bis ca.15 Uhr (ab 14 Uhr Abschlussfeier im Foyer mit Verlosung von Preisen für das Quiz und Anschnitt der eigenen riesigen Kinder-Business-Week-Torte
Wie?
Kostenlos; Anmeldungen online; vor Ort nur Restplätze.
www.kinderbusinessweek.at

Sie werd’n a Haus bauen ...

Ein besonderes Haus kannst du diesmal mit dem Waldviertler Handwerk bauen. Diese Kooperative ist heuer erstmals bei der Kinder Business Week. Co-Projektleiter Stefan Schrenk war schon ein Mal dabei, damals aber „nur“ mit seinem eigenen Gewerbe, einem Tischlerbetrieb.
Diesmal ist er – gemeinsam mit Ulrike Brandner-Lauter – „nur“ Teil der jungen Idee, der Kooperative von 54 Waldviertler Handwerksbetrieben. „Wir werden am Anfang gemeinsam darüber reden und zusammentragen, welche Arbeiten und Berufe es alle braucht, um ein Haus zu bauen. Danach können die Kinder in Gruppen jeweils ein Haus aus Fertigteilen zusammensetzen. Davor sollen sie zu den einzelnen Teilen aufschreiben oder zeichnen, was den jeweiligen Beruf ausmacht.“

Zusammenarbeit

Es geht also nicht darum, Rohre zu basteln oder zeichnen, sondern darzustellen – geschrieben, gezeichnet, aus Bildern ausgeschnitten und collagiert usw., was beispielsweise alles zum Beruf des Installateurs dazu gehört oder welche Berufe es alle braucht, um ein Dach zu machen – also etwa Zimmerer, Dachdecker, Spengler ...
Letzterer gehört sicher eher zu den „exotischen“ Berufen, wie Schrenk es nennt, „bei Installateur oder Elektriker wissen sicher die meisten Kinder, was die oder der macht, aber dann braucht's für ein Haus auch viele nicht so bekannte Berufe.“
Und so „nebenbei“ erleben die Kinder außer der Beschäftigung mit verschiedenen Berufen, dass es nur miteinander geht, Teamarbeit erforderlich ist, um ein ganzes Haus zu er- und einzurichten.

Hintergrund

Das sind und bleiben allesamt eigenständige Unternehmen, die sich aber gefunden haben, um zusammenzuarbeiten. Das reicht vom gemeinsamen Marketing über die Abwicklung von Aufträgen und für Kundinnen und Kunden ideal, eine Ansprechperson. Wer sich beispielsweise ein Haus bauen (lassen) will, einen Umbau vorhat oder auch nur eine größere Sanierung oder Reparatur, für die mehrere verschiedene Professionen erforderlich sind, kann sich an eine Person wenden, die mehr oder minder alles in die Hand nimmt und für die Abwicklung sorgt. Trotzdem bleibt, so gewünscht, die „Qual“ der Wahl. So gibt’s beispielsweise in der Kooperative mehrere Fliesenlegerbetriebe.

Handys und Affen

Haben alte Handys etwas mit Schimpansen zu tun? Schon die Fragestellung lässt vermuten: Da gibt’s einen Zusammenhang. Jedes Handy braucht seltene Metalle wie Coltan, damit's funktioniert. Einige davon finden sich genau in jenen Gebieten Ugandas (Afrika), wo die Schimpansen leben.
Der Abbau von Coltan zerstört den Regenwald. Um diesen Lebensraum der Schimpansen mehr in Ruhe zu lassen, würde es reichen, weniger von diesen seltenen Rohstoffen zu brauchen. Leicht wär’s, alte Handys zu sammeln, zerlegen, diese Stoffe rauszuholen und für neue Handys zu verwenden.
Das nach der weltberühmten Schimpansen-Forscherin Jane Goodall benannte Institut vermittelt dieses Wissen nun erstmals auch bei der Kinder Business Week in den Ferien. Es wird aber nicht nur das Wissen vermittelt, am Ende der Ideenwerkstatt wartet eine Kartonbox auf das eine oder andere mitgebrachte alte Handy.

Schlauer Umgang mit Rohstoffen

Was ist Nachhaltigkeit von der so viel die Rede und Schreibe ist? Gleich eine der ersten Veranstaltungen dieser KBW versucht diese Frage zu klären. Das Ökosoziale Forum lädt dich auch ein, mitzudiskutieren, wie alle sparsamer mit Rohstoffen, Energie usw. umgehen könn(t)en.
Erneuerbare Energien im Miniformat kannst du mit dem „Autarkie-Coach“ am Mittwoch ausprobieren. In dieser Ideenwerkstatt bist du aber auch stimmberechtigt in einem spielerischen Parlament zum Thema Energie.

Drüber reden und selber machen

Sie halten/du hältst hier, mit dieser Beilage des KURIER, einen Teil einer von vielen Seiten zum Aussterben verdammten Spezies in Händen: Eine gedruckte Zeitung.

Auch wenn die „Digital Natives“ und auch sehr viele „Digital Immigrants“ sich die meisten Infos aus dem Netz holen: Kinder greifen mehr zu gedruckten Zeitungen als früher. Ganze Verlagshäuser setzen mit Beilagen bzw. eigenen Abo-Zeitungen auf die heute jungen Leserinnen und Leser – nicht zuletzt in der Hoffnung, sie als künftige Abonnentinnen und Abonnenten zu gewinnen.
Welche Funktion Zeitungen, ob gedruckt oder digital, haben – auch als wichtiges Element einer demokratischen, kritischen Öffentlichkeit, wird am Eröffnungstag Helmut Brandstätter, Chefredakteur und Herausgeber des KURIER, mit neugierigen Kinder besprechen.
Für die Vorankündigung im Programmheft der Veranstaltungswoche meint Brandstätter: „Lesen bedeutet, die Wirklichkeit in all ihrer Buntheit zu erfassen. Zeitung bedeutet, den Lesern durch gutes Erzählen die Wirklichkeit zu präsentieren.“

Selber machen

Der KURIER ist nicht nur durch die Gesprächsrunde mit dem Chef auf der KBW vertreten. Der KiKu (Kinder-KURIER) ist mit der mobilen Zeitungs-Werkstatt, die auch durch Kinderunis und Ferienspiele tourt, die ganze Woche vor Ort. Jungjournalistinnen und -journalisten werden dabei unterstützt, eine eigene Tageszeitung zu produzieren (Fotos unten).
Täglich in der Früh – und am letzten Tag nochmals zu Mittag – gibt es eine neue Zeitung, mindestens vier, manchmal auch mehr Seiten stark. Sämtliche Beiträge stammen aus jungen Händen und jungen Hirnen.
Die Kinder-Reporterinnen und -Reporter berichten über Vorträge und Ideenwerkstätten. Manche führen Interviews mit Vortragenden, mit teilnehmenden Kindern und hin und wieder auch mit Menschen, die hinter den Kulissen der Kinder Business Week arbeiten – von der Organisation bis hin zum Buffet gab es in den vergangenen Jahren schon Artikel in den Kinder-Business-Week-Tageszeitungen.
Manche lockern die kleine Tageszeitung auch mit Witzen oder mit Zeichnungen – sei es im Computer gefertigten oder handgemalten – auf.
DruckGedruckt wird diese Zeitung auf einem kleinen Farbdrucker von OKI (Blick ins Innenleben, bei der Ideenwerkstatt des Vorjahres mit Key Account Manager Werner Wlaschek, Foto).

Info-Screen

Ebenfalls am Eröffnungstag sucht Infoscreen SupertexterInnen. Kids gestalten Beiträge von denen einer auf Anzeigetafeln in Wiener U-Bahn-Stationen über die Infoscreen flimmern wird.

Radio

Neben Zeitung, die auch 1:1 online ins Internet gestellt wird – www.kiku.at – kannst du bei der Kinder Business Week noch ein Medium kennenlernen und selber (mit)produzieren: Radio.
Erst erklären Profis, wie eine Radiosendung entsteht und was dafür gebraucht werden könnte. Dann bist gleich du mit an der Reihe: Du kannst deine Idee(n) für Beiträge einbringen. Worüber möchtest du berichten? Was hast du zu erzählen? Was möchtest du gern selber im Radio hören oder was meinst du, dass Freundinnen und Freunde von dir gern hören wollen würden?
Ideen allein machen aber noch längst keine Sendung. Wie lässt sich das umsetzen – immer daran denkend, dass hier alles durchs gesprochene Wort oder durch Geräusche und Töne ausgedrückt werden muss ...
Dann wird noch der Umgang mit den Aufnahmegeräten vermittelt und es kann losgehen – rein in die eine oder andere gerade laufende Ideenwerkstatt oder einen Vortrag, um O-Töne (original) aufzunehmen, danach vielleicht das eine oder andere Interview zu führen ...
Schließlich braucht so eine Sendung aber auch noch Moderation – auch die kannst du mit übernehmen. Sehr wahrscheinlich werden am Ende die Aufnahmen länger, der eine oder andere Versprecher drin sein, die noch rausgeschnitten werden wollen – auch das erlebst du mit.
Gemeinsam hört ihr euch die fertige Sendung an, die später auch on air gehen wird – in der Reihe „ Rudi, der rasende Radiohund“.
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