Junge vielsprachige Talente

Sieger_innen samt Organisator_innen und integrationsstadträtin; alle Preisträger_innen am Ende des Artikels
Foto: Integration und Wirtschaft

Ehrung für die besten von "Sag's multi"

Vielleicht würd sich für so manche Pummerin/Muezzin-Reimer am Donnerstag ein Ausflug in den Festsaal des Wiener Rathauses empfehlen. Dort blieben ihnen Münder offen angesichts der sprachlichen Brillanz Jugendlicher "mit Migrationshintergrund". Die besten 16 besten von 200 redegewandten Kids des zweiten - vom Verein Wirtschaft und Integration organisierten - Bewerbs "Sag's multi" werden ausgezeichnet.
Wer in den Vorrunden und im Halbfinale teilnahm, musste eine Rede jeweils in Deutsch und einer weiteren (Mutter-)Sprache halten. Ansatzlos switchten die Jugendlichen hin und her - jeweils zwischen Deutsch und einer von rund zwei Dutzend verschiedenen Sprachen. Da spannte sich der Bogen von Englisch bis zu Russisch, von Portugiesisch bis Urdu, von Mandarin (Chinesisch) über nepalesisch bis Pular (Guinea-Bissau, Westafrika). Und natürlich Serbisch, Kroatisch, Türkisch und Kurdisch (Kurmandschi).

Auch drei Sprachen

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Manche hätten auch gut und gern in drei Sprachen parlieren können wie etwa Adrian Kilercioglu, der Deutsch und Englisch wählte, genau so gut aber auch in Türkisch sattelfest ist. Oder Philip Jay Veech. Seine dritte gleichwertige Sprache Englisch ließ er aus, um Russisch als Zweitsprache zu wählen.
Der Bogen der Reden spannte sich von ausgefeilten, ausgeklügelten rehotrischen, tiefschürfenden, philosophischen Betrachtungen bis zu berührenden persönlichen Eindrücken und Wunschträumen. Einen solchen schilderte Naz-Gül Sadiqi, die vor fünf Jahren aus dem afghanischen Herat letztlich in Wien und nun in der Kooperativen Mittelschule obere Augartenstraße landete. Sie schilderte einen (fiktiven) Besuch bei Verwandten in der ersten Heimat, ließ plastisch die mühsamen Lebensbedingungen vor den Augen des Publikums sichtbar werden und baute die Hoffnung ein, dass eines Tages auch ihre vor allem Alterskolleginnen Bildung genießen könnten.

Viele Welten

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Manche sorgten immer wieder für Heiterkeit, wie vor allem Adnan Tokić, der auch so manchen Sager in einer dritten Sprache (Wienerisch) einfügte und ankündigte, sich auch politisch betätigen und engagieren zu wollen.
Mitreißend spannte Natasha Gulam einen großen Bogen von philosophischen Betrachtungen, wonach die Existenz einer Welt überhaupt in Frage gestellt würde über ihre Meinung, nach der es "viele Welten gibt - in uns drinnen", ein Plädoyer, "Träumen nicht hinterherzujagen, sondern sie zu verwirklichen", wofür sie Mut, Selbstvertrauen, Herz(lichkeit) und Weltoffenheit verlangte, "um ständig darum zu kämpfen, die Welt menschlicher zu gestalten".
Anpacken, das ist's, was auch Segal Hussein (Deutsch und Somali) schon nach der Matura will - da plant sie ein soziales Jahr ein, "dabei will ich auch rausfinden, wer ich bin und was ich will". Wobei eines steht für sie auch schon für danach fest: Am liebsten würde iach als Ärztin in meinem Geburtsland Somalia helfen!"

Heinz Wagner

Die Sieger_innen, die Schulen, die Muttersprachen

Sonja Zguem, Hans Mandl Berufsschule für Industrie, Finanzen und Transport, Arabisch
Ali Sentürk, HTL Wien 10 , Türkisch
Natasha Ghulam, AHS Geringergasse, Urdu
Ali Yardic, Vienna Business School Akademiestraße, Kurdisch

Jisha Abraham, pg3 sacre coeur wien, Malayalam
Karolina Trdlicova, Bilinguales Oberstufenrealgymnasium Komensky, Tschechisch
Rebeka Kruchio, BG 19 Döblinger Gymnasium, Ungarisch
Jonathan Zarifzadeh, pg3 sacre coeur wien, Persisch
Elif Tekinkus, Grg XI Gottschalkgasse, Türkisch
Bogdan Hrnjak, BRG 21 "Bertha von Suttner" - Schulschiff, Serbisch

Ina Cheng, Theresianum, Chinesisch
Domokos Nagy, Wiedner Gymnasium, Ungarisch
Adnan Tokic, BG/BRG Boerhaavegasse 15, Kroatisch
Naz-Gül Sadiqi, KMS Obere Augartenstraße, Dari
Molinda Chhay, BRG 21 "Bertha von Suttner" - Schulschiff, Khmer

Sonderpreis
Boubacar Diallo, Lycee Francais de Vienne, Pular

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(kurier) Erstellt am
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