Ich halte Wörter in der Hand, kann sie fliegen lassen. Lass sie los, sie fliegen weit, durch Raum und Zeit.

Die Jungdichterin mit ihrem Buch draußen in der Natur © Bild: Heinz Wagner

Die erste Zeile dieses Gedichts namens „Das Wort“ machte Katharina Konrader auch zum Titel ihres Lyrikbandes. Dieser beinhaltet zwei Dutzend Gedichte der nunmehr 13-Jährigen – über Schwammerln (Parasolenkind, Frau Satanspilz, Herr Steinpilz), Mutter und Vater, Hamburg und die Elbe. Nicht zuletzt ausgehend von gereimten Eindrücken aus der Natur dichtet Katharina Konrader auch über die (drohende) Zerstörung derselben durch Menschen, aber auch über seelische „Vereisung“, „Krieg“, das sie Flüchtlingen widmete und jugendliche Internet-Suchtgefahr. Wobei sie neuer Medientechnologie gegenüber gar nicht abgeneigt ist und selbst Fotos vom Gespräch mit dem Kinder-KURIER-Reporter auf Instagram postete.

Beste Freunde: Papier und Stifte

Die Jungdichterin beim Schreiben © Bild: Heinz Wagner

Ihre lyrischen Anfänge liegen rund drei Jahre zurück. „Mit ungefähr zehn Jahren war ich auf einer Kärntner Alm, bin draußen vor der Hütte gesessen mit Block und Stift und hab auf einmal geschrieben.“ Ergebnis: Das Gedicht „Parasolenkind“. „Hoppala, das macht mir ja Spaß, ist was komplett Neues für mich, hab ich mir danach gedacht“, vertraut sie dem Kinder-KURIER an.

Geschichten hatte sie schon früher geschrieben, „aber das mit den Gedichten ist damals so zack gegangen, wie wenn ein Schalter umgelegt wird“. Und das neue blieb. „Ich hab immer irgendwelche Blöcke oder einige Zettel, manchmal sind’s auch Post-its, bei mir. Papier und Stift sind meine besten Freunde.“ Sobald ihr zwei oder vier gereimte Zeilen einfallen, „schreib ich mir das auf. Das kann auch sein, wenn ich in der Nacht aufwache und nicht schlafen kann. Oder in einer Schulstunde, wenn ich mich fadisiere – ich kann schreiben und mit einem Ohr zuhören.“ Wenn sie diese Zeilen festgehalten hat, „kommt der Rest meistens wie von selbst.“

Fürs Übertragen in den Computer ist ihre Mutter zuständig, für die hat sie auch einen eigenen Begriff erfunden: „Momagerin“. Irgendwann, nachdem sie schon einige Gedichte beisammen hatte, ist dann der Gedanke aufgetaucht: „Ein eigenes Buch wäre schon cool“, obwohl sie einwirft, „wenn mir wer vor drei Jahren gesagt hätte, dass daraus einmal ein Buch werden könnte, hätt ich sicher gesagt: Ach, du spinnst doch!“

Katharina Konrader setzt sich beim Dichten nicht selbst unter Druck. „Das eine Mal schreib ich zum Beispiel fünf Gedichte in zwei Tagen, ein anderes Mal dafür ein halbes Jahr nix.“ Manchmal schreibt sie auch – wie in den ersten Volksschuljahren Prosa-Kurzgeschichten und meint, „ein Prosa-Buch wäre jetzt auch noch lustig, nein originell“.

Schlechte Nachrichten verarbeitet

Die Jungdichterin mit ihrem Buch draußen in der Natur © Bild: Heinz Wagner

Nicht selten kommen Tod und (eigenes) Sterben in den Gedichten vor. Das bereitete dem KiKu-Reporter, der vor dem Treffen mit der Jungautorin ihren Gedichtband gelesen hatte, Sorgen. Doch schon die ersten Momente der real-life-Begegung wischten diese hinweg. Ein sonnig, strahlendes Gemüt samt häufigem Lachen oder wenigstens Lächeln – das vermittelt Katharina Konrader. Zu den nicht wenigen düsteren Reimen meint sie: „Ich denke halt viel nach über die Welt und da ist vieles nicht lustig. Es gibt so viel Unheil und schlechte Sachen, wenn du Nachrichten schaust. Manchmal denke ich mir dann: Ich möchte das nicht mehr anschauen müssen. In so einer Welt zu leben ist teilweise schon ein Horror. Das macht mich schon ein bisschen grantig und ich nehm mir da kein Blatt vor den Mund. Aber“, setzt sie fort: „Ich bin schon optimistisch, finde, dass man alles besser machen kann und könnte.“

Katharina Konrader besuchte eine Klasse mit Englisch-Schwerpunkt in ihrer Schule, dem Sacré Coeur Gymnasium Rennweg. Der Fremdsprachenschwerpunkt bedeutet, dass auch ein Teil des Biologie-Unterrichts in dieser Sprache stattfindet. Und so hat sie mittlerweile auch ein Gedicht nach einem 10-tägigen England-Aufenthalt der Klasse auf Englisch verfasst. Ihr allererstes Gedicht „Parasolenkind wurde übrigens in die „Frankfurter Bibliothek 2015. Das Geheimnis – Herbst“ aufgenommen. Dies ist ein Werk zur Dokumentation deutscher Dichtung und lyrischer Volkskultur für die Zukunft. Die Frankfurter Bibliothek wird empfohlen für die Verwendung im Schulunterricht und Germanistikstudium.

Rhönrad, Natur und Ruhe

Katharina Konrader"unterwegs" im Rhönrad © Bild: Privat
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