Kiku
29.12.2017

Als nächstes werden Spaghetti zum Monster

8 ½-jährige Autorin verrät im Interview mit dem Kinder-KURIER schon, worum es in ihrem zweiten Buch gehen wird.

Klepsi und Spinazo haben einen tollen Schulweg. Sie gehen an 37 Bäumen vorbei mit den unterschiedlichsten Früchten. Daher brauchen sie in der Früh auch nicht zu frühstücken, sie können sich einfach bedienen. Die meisten Bäume auf dem Planeten Simplexitus sind gerade einmal einen Meter hoch und man kann bequem alle Früchte pflücken. Es dauert auch nur einen Tag, bis eine Frucht nachwächst. Heute passiert ihnen auf dem Schulweg etwas Merkwürdiges. Gerade als sie beim Baum 14 stehen und eine Frucht genießen, fällt ihnen ein blaues Fahrzeug auf, das ihnen im Schritttempo folgt. „Spinazo, schau dir dieses Fahrzeug an!“, sagt Klepsi, „ich glaube, das folgt uns schon seit wir von zu Hause weg gegangen sind.“. Spinazo schaute genau nach hinten, „Ich bin mir nicht sicher, aber behalten wir es im Auge. Den Fahrer kann man jedenfalls nicht erkennen, die Scheibe ist etwas verdunkelt. ... Als sie alleine sind fängt Spinazo an zu schluchzen: „Warum haben die uns entführt? Ich verstehe das nicht.“ Klepsi ist natürlich auch nicht wohl zumute, aber sie versucht, ihren Bruder zu beruhigen. „Wir werden hier schon rauskommen. Wir sind eine Stunde gefahren. Die Richtung hab ich nicht mitbekommen, dazu sind wir zu oft abgebogen. Aber weit kann man in einer Stunde nicht kommen.“

Das sind zwei Stellen aus dem Büchlein „Entführung auf dem Planeten Simplexitus“, verfasst von Elena Murauer (8 ½) und ihrem Vater Gerald. Auf knapp 60 Seiten machen die beiden genannten Kinder eine Entführung durch. Dass es – ohne allzu viel zu verraten – ein Happy End gibt, ist fast selbstverständlich. Die junge Autorin besuchte den Kinder-KURIER in der Redaktion für ein Interview.

Ich liebe lesen und Geschichten ausdenken

„Ich liebe lesen und ich denk mir gerne Geschichten aus“, beginnt Elena Murauer auf die Frage nach der Entstehungsgeschichte. „Mein Papa hat dann einmal gesagt, ob ich nicht eine richtige lange Geschichte mit ihm schreiben möchte. Wir haben uns schnell auf was Detektivisches geeinigt, ich liebe halt Rätsel. Und wir haben gefunden, es wäre cool, wenn sich das Ganze auf einem anderen Planeten abspielt.“So ausgefallen die Vornamen ihrer Hauptfiguren - Klepsi, Spinazo, Wilhomina und Faszinatus – so simpel der Nachname: Wolf. „Aber aus meiner Sicht ist Wolf auf einem anderen Planeten doch ein ungewöhnlicher Name.“

Fantasie und Realismus

Der Mix zwischen fantasievoll und realistisch kennzeichnet auch die ganze Geschichte. So spielt sie auf dem Planeten Simplexitus, die ausgewachsenen Bewohner_innen sind 3 Meter groß, dafür ist die Entführung realtitätsnah beschrieben. „Ich finde es immer cool, wenn in einer Geschichte ein Verbrechen so erzählt wird, wie es wirklich passieren könnte“, so die Co-Autorin.„Wenn ich wüsste, dass es gut ausgeht, wäre es voll cool, selber in eine richtige Detektivgeschichte hineingezogen zu werden“, gesteht Elena Murauer mit leuchtenden Augen, die sie auch gerne einmal hin- und her rollt.

Entführung der Kinder samt Erpressung lautete die Entscheidung von Elena und ihrem Vater auf die Art des Verbrechens. „Wir haben überlegt, was die Entführer erpressen wollen. Geld fanden wir nicht so spannend. Aber was könnten sie haben wollen? Etwas in das du wirklich viel Arbeit gesteckt, das du sehr gern gemacht hast und das du dann nicht so leicht wieder kriegen kannst. Ein Freund von meinem Papa hat einmal auf der Universität gearbeitet und der hat uns vorgeschlagen, eine wissenschaftliche Idee zu nehmen. Mir war’s egal und ich hab eingewilligt.“

Gehirnnotizen

So wirklich Notizen hätten sie und ihr Vater sich nicht gemacht, „nur Gehirnnotizen, aber aufgeschrieben nicht. Irgendwann haben wir angefangen zu schreiben, das heißt getippt hat mein Vater. Bei mir hätte es doch zu lange gedauert. Meine Sätze hab ich ihm angesagt. Irgendwann haben wir eine zu lange Pause gemacht bis mein Papa gesagt hat, jetzt sollten wir doch weitermachen. Dann haben wir uns hingesetzt und alles in einem Tag fertig gehabt.“

(Nicht) ängstlich

Ob die Figuren im Buch mit solchen aus der Wirklichkeit was zu tun hätten, will der KiKu wissen. „Naja, schon viel. Nur mein Bruder Alex ist nicht so ängstlich wie Spinazo, aber sonst ist eh fast alles genau so wie wir sind. Wir haben beide fast keine Angst. Ich geh gern klettern, meine größte Höhe war bisher 12 Meter, da fürchte ich mich gar nicht. Aber wenn es heißt, ich soll den Ball aus dem Garten von meinen Nachbarn holen, hab ich schon Angst - über den Zaun zu klettern.“

Ein wenig irritierend wirkt vielleicht eine Formulierung „ihr werdet es nicht glauben, aber damit kann man mit Menschen sprechen, die ganz weit weg sind“, wenn ein „Quatschofon“ beschrieben wird. „Naja, wenn du ein bissi anders denkst, es ist ja auf einem anderen Planeten wo sie eben was Ähnliches erfunden haben was wir hier auch haben.“

Zeichnungen

Das Büchlein kommt – mit Ausnahme der Titelseite – ohne Illustrationen aus. „Ich hab schon einige Zeichnungen gemacht, aber der Onkel, der die in den Text einbauen hätte können, hat keine Zeit gehabt“, erklärt Elena Murauer, weshalb sie dann nicht ins gedruckte Werk gekommen sind. Dem Kinder-KURIER stellt sie aber einige Zeichnungen zur Verfügung, die wir hier veröffentlichen dürfen. „Und wer weiß, wenn’s eine zweite Auflage gibt, kommen sie ja vielleicht auch noch ins Buch“, ergänzt Co-Autor und Vater Gerald Murauer.

Selbst lesen beigebracht

Am Ende des Buches steht, dass Elena schon mit vier Jahren lesen konnte. Auf die KiKu-Frage, wie es dazu gekommen ist, erzählt die junge Co-Autorin der Detektivgeschichte: „Naja, eigentlich war ich 4 ½. Mein Papa hat mir viel vorgelesen, aber immer nur am Abend, da sind die Geschichten nicht schnell vorangekommen. Drum habe ich meinen Bruder Alex (rund drei Jahre älter) gefragt. Der hat mir das ABC gelernt. So hab ich die Buchstaben zusammengefügt und mir lesen selber beigebracht. Das hat schon ein bisschen gedauert, wie lange, das weiß ich jetzt nicht mehr. Jedenfalls verdanke ich viel meinem Bruder, dass ich so früh lesen hab können.“

Außer lesen, schreiben und klettern schlüpft Elena Murauer gerne in andere Rollen. „Zu Weihnachten hätte ich mir von meinen Eltern einen Schauspielkurs gewünscht, aber dann hat meine Mutter gefragt, ob ich nicht lieber die zweite Stufe vom Kletterkurs machen möchte. Für das hab ich mich dann entschieden, aber ich will sicher auch noch Theater-Workshops oder –Kurse besuchen. Schriftstellerin oder Schauspielerin“ nennt sie als ihre Berufswünsche.Weniger behagt es ihr, mit dem Bruder Fußball zu spielen. „Der spielt im Leistungszentrum, ist 1000 Mal besser als ich und vergisst oft, dass ich es nicht so gut kann. Wenn ich im Tor steh, schießt er so scharf, dass ich ein blaues Aug hab – was nicht stimmt. Und Memory mit ihm spielen macht auch keinen Spaß, weil er immer gewinnt. Bei meiner Oma ist es anders, da gewinnt manches Mal sie und dann gewinne wieder ich.“

„In der Schule mag ich alle Fächer gern, nur im Sachunterricht gibt es manches Mal Themen, die interessieren mich so die Bohne. Okay, da mach ich halt dann das, was die Lehrerin sagt, aber es macht keinen Spaß.“

Das nächste Buch

Elena Murauer arbeitet schon am nächsten Buch. „Das schreibt sie ganz alleine“, wirft der Vater, der sich beim Interview angenehmerweise ruhig im Hintergrund hält, ein. „Da geht’s um Monster, um ein Spaghetti-Ungeheuer“, teasert die Jung-Autorin ihr kommendes Werk an.

Das Buch

Elena und Gerald MurauerEntführung auf dem Planeten Simplexitus Ca. 60 Seiten, ab 6 J. Taschenbuch: 10 € eBook: 3,50 €www.mymorawa.com/self-publishing