Kiku
26.01.2015

Schülerin veröffentlicht witzig-bösen Roman

Ceren Uçar (19) stellte in ihrer Schule - Tourismusschule Bergheidengasse (Wien) - "Catherine und ihre verrückte Welt" vor.

Festsaal der HLWT Bergheidengasse in Wien. Eine Schülerin der vorletzten Klasse steht vor der Bühne, die sie wenig später erklimmen wird. Ein wenig schüchtern. Aber doch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein ausstrahlend. Gleichaltrige Kolleginnen und Kollegen lauschen ihrer folgenden Lesung und stellen anschließend sehr viele Fragen – viel mehr als bei Lesungen arrivierter Schriftsteller_innen, die immer wieder in diese Schule kommen.

Ceren Uçar ist neben Schülerin dieser berufsbildenden höheren Schule mit Schwerpunkt Tourismus seit August des Vorjahres Schriftstellerin. Da erschien ihr erster Roman „ Catherine und ihre verrückte Welt“ – gedruckt und als eBook nach nur eineinhalbmonatiger Suche nach einem (Internet-)Verlag.

Anfang und Ende waren klar

Im Rahmen des schulischen Schwerpunkts steht auch Kochen auf dem Stundenplan. „Wie kann ich einem Menschen mit starker Sehschwäche, also fast blind, Kochen näher bringen?“ Das, so erzählt die 19-Jährige Wienerin dem KiKu, „war einer der Ausgangspunkte für meine Geschichte. Den Anfang und auch das Ende hatte ich schon.“ Dann war viel Raum – und Zeit – um „das Dazwischen mit meiner Fantasie zu füllen“. Ceren Uçar dachte sich Personen aus, kleine und größere Handlungsstränge, Orte. Ein witziger Zufall vielleicht noch, dass Catherine in einem angesagten Restaurant in Manhatten arbeitet - ihr Verleger sitzt in New York. Die Lektorin übrigens in Deutschland.

Schwarz-humorige Horror-Fantasien

Die Hauptfigur habe, so merkt die Jungautorin am Rande der Lesung an, „auf keinen Fall autobiographischen Züge“. Catherine leidet unter einer fürchterlichen Chefin und hätte – schon früh im Roman – dort auch gern das Handtuch geworfen. Aber der Ruf dieses Lokals ist schier grenzenlos. Es hier eine Zeitlang auszuhalten macht sich sicher im Lebenslauf gut.

Catherine lebt ihre Abneigung gegenüber Mrs. Hall in gar grausam beschriebenen fast horrormäßigen, doch mit einem Schuss (schwarzen) Humors gewürzten, Bildern aus. Die würden vielleicht aufs erste der adretten jugendlichen Autorin gar nicht zugetraut werden.

Erreicht Jugendliche

Die „kuriosen Küchen-Eskapaden, mit Liebe gekocht“ – so der Untertitel des knapp mehr als 200-seitigen Romans – sind nicht nur spannend von dem was passiert, sondern vor allem wie es ge- und beschrieben ist. Selbst eingeschobene Fragestellungen und philosophische Überlegungen wirken meist nicht aufgesetzt, sondern organisch eingebaut in den Roman.

Lediglich die „Kategorisierung“ auf dem Cover als „Frauen-Roman“ ist definitiv unzutreffend, der Prolog versperrt ein wenig den Einstieg und der eine oder andere Sprung in Zeit und/oder Raum von Kapitel zu Kapitel ein wenig zu abrupt. Die Autorin will Jugendliche und Erwachsene – unabhängig von ihrem Geschlecht – ansprechen. Und sie erreicht sie auch. Jugendliche nicht zuletzt durch aus dem alltäglichen Leben gegriffene Zweifel Jugendlicher – auch an ihrem Körper – mitunter gepaart mit „dirty talk“.

Zeit gelassen

Uçar hat ungefähr zwei Jahre an ihrem ersten Buch (ein zweites ist schon in Arbeit) geschrieben. „Ich hab mir keinen Druck gemacht, wollte mir Zeit nehmen. Je mehr Zeit ich mir lasse, so dachte ich mir, desto besser wird das Ergebnis.“

Zuvor, so ab ungefähr 14/15 Jahren begann die Autorin „Kurzgeschichten, aber nur so für mich“ zu schreiben, meist auf Deutsch, manchmal auch in ihrer zweiten Sprache Türkisch und hin und wieder auch auf Englisch. Sie hat sich aber auch in Gesang und Schauspiel ausprobiert. Dennoch spielt die künstlerische Seite nicht die einzige Rolle in ihrer Lebensplanung. „Wenn ich die Schule hier fertig schaffe, dann will ich studieren - am liebsten Management und irgendwo im Ausland. Natürlich will ich auch weiterhin schreiben!“

Mut machen

Mut machte sie nach der Lesung auch, obwohl alles andere als eine Selbstdarstellerin, mit ihren Schilderungen, „sich zu trauen, Verlage anzuschreiben, Medien zu kontaktieren. Wenn ich niemandem sage, dass ich eine Schriftstellerin bin, woher sollen die das wissen?!“ Und immerhin hat sie schon einige Tausend Bücher - auf Papier und digital - verkauft.

Infos

Ceren Uçar Catherine und ihre verrückte Welt – Kuriose Küchen-Eskapaden, mit Liebe gekocht 217 Seiten Roman Verlag,

Hier geht's zu einer Leseprobe aus dem Roman