Willkommen zu den 7. LehrerInnenspielen!“ begrüßen zwei Jugendliche via Video das Publikum. Das Stück „Schüler, die auf Lehrer starren!“ von TheaterFOXFIRE & Dschungel
Wien erfindet ein neues (noch) fiktives?) Format.
Schülerinnen und Schüler schreiben Szenen, Lehrer_innen müssen diese spielen. Erfunden wurden diese „Spiele“, um Frontalvorträgen und anderem ödem bisherigen Schuldasein zu entgehen, so die Annahme des von
Benedict Thill geschriebenen und
Corinne Eckenstein inszenierten rund eineinhalb stündigen, rasanten, oftmals witzigen Stücks mit den einen oder anderen stillen Momenten oder solchen, wo das Lachen gefriert.
Noch hat sich, so die Conclusio am Ende, nicht wirklich viel geändert. Die Szenen halten dem heutigen System – vor allem in den AHS – viele bloßstellende Spiegel vor. Am krassesten sind die Auftritte eines Kasperls (
Richard Schmetterer), der zwar mit „tri tra trallala“ auf- und wieder abtritt, aber in Manier des ursprünglichen Hanswursts oder eines Hofnarren, Kritik witzig verpackt. So fragt er den Lateinlehrer (Rainer Doppler), warum er denn eine alte Sprache, die niemand spricht für das non plus ultra hält.
Eine verhinderte Künstlerin als BE-Lehrerin (
Alexandra Koch) auf Eso-Trip, der stets die Pfeife im Mund führende, tyrannisierende Turnlehrer … sie sind zwar nahe an Klischees gebaut, persiflieren diese jedoch - besonders die Bio-Lehrerin. Deren Darstellerin
YapSunSun brilliert vor allem als 12-jährige
Jenny. Alles ist ihr wurscht, lässt sie kalt, kommt gar nicht an sie heran. Scheinbar nichts berührt sie. Die sechs Lehrer_innen schlüpfen nämlich jeweils auch in eine Rolle als Schülerin bzw. Schüler – auch hier als Typen gezeichnet – Provokateurin, Außenseiter, Super-Coole…
Das Hin- und Her-Pendeln zwischen Schüler_in und Lehrer_in verdeutlicht, dass trotz Gegensätzen und Widersprüchen sie beide Gefangene des derzeit herrschenden Systems sind. Im oftmaligen Kampf gegeneinander vergessen Letztere mitunter auf ihre Berufung, was ihnen vom Übergang von der vorletzten Szene - nach
Tötung des Werwolfs werden sie zu Zombies – erst bewusst wird, als sie einen am Rande sitzenden heulenden Schüler wirklich wahrnehmen – und zu einer gemeinsamen Exkursion – in eine hoffentlich bessere (Schul-)Zukunft aufbrechen.
Das Reinschlüpfen in die Rollen anderer – das zentrale Element von Theater – mag so viel bewegen, so die hoffnungsfrohe Botschaft…
Schüler, die auf Lehrer starren! TheaterFOXFIRE & DSCHUNGEL WIEN Schulgeschichten am Rande des Wahnsinns
Autor:
Benedict Thill
Regie, Konzept:
Corinne Eckenstein Darsteller_innen: Rainer Doppler Prof. Balduin Borowski/David Alexandra Ava Koch Prof. Barbara Elisabeth Neuhauser/Alina Manuel Löwensberg Prof. Wolfgang Müller/Cem Richard Schmetterer Prof. Harald Strunk/Daniel Laura Steinhöfel Prof. Ingrid Blumenthal/Sandra YapSunSun Prof. Edwige Kingston/Jenny Musik: Sue-Alice Okukubo Bühne, Licht: Andreas Pamperl Kostüme: Ulli Nö Assistenz, Dramaturgie: Cornelius Edlefsen Kostümassistenz: Sarah Damovsky Video: Richard Schmetterer, Ayla Mandoj, Flavio de Pina Foto: Rainer Berson Hospitanz: Jana Püscher Produktion: Alexandra Hutter
Wann & wo? Bis 28. Oktober 27. Bis 29. Jänner 2015 Dschungel
Wien
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