Szenenfoto aus "Netboy" im Theater im Zentrum (Theater der Jugend, Wien)

© Rita Newman

Jugendtheater
04/27/2016

Schlau im Netz geködert, dann gemobbt

"Netboy" im Theter der Jugend (Wien): Flott und authentisch gespieltes Stück rund um (Cyber-)Mobbing. Nur die Grundgeschichte - naja...

Zwar ist sie eben zur Klassensprecherin gewählt worden, während ihre Freundin, „nein eine Freundin“, Sarah nur zwei Stimmen bekommen hat, trotzdem scheint sich in Marie Leere breit zu machen. Irgendwie cool, doch auch nichts anderes als eine halt technologisch modernere Form der nicht wirklichen Anwesenheit, wenn sie mit ihrem Vater nur via Skype gemeinsam Pizza isst.

Situationskomik

Die Mutter ist auch nicht wirklich da und wenn, dann hat sie immer was zum rummeckern, ziemlich egal was die Tochter macht. Der Vater kündigt übrigens in einem dieser via Monitor geführten Gespräche an, mit seiner neuen Freundin nach Berlin zu ziehen. Aber in den Ferien könne sie ja dann bei ihnen wohnen... Blablabla – Die Gespräche mit den Eltern führen – immer wieder durch Situationskomik Lachen im Publikum hervorrufend – vor Augen und Ohren, wie Tochter und Vater/Mutter aneinander vorbeireden.

Einschleimen ...

Da kommt DIE Rettung aus dem Netz. Neben Bam 80 und Mickey Mouse 3 taucht ein „Netboy“ auf. Der geht auf Maries Stimmungslagen ein, gibt schlaue Sätze von sich, outet diese aber auch ehrlicherweise als Zitate von Franz Kafka, etwa „Nichtstun ist eine der größten und verhältnismäßig leicht zu beseitigenden Dummheiten.“

Da ignoriert Marie alle Avancen des realen Mitschülers Olaf, der sogar für sie eine CD kompiliert hat. Ihm verfällt sie schnell. Schritt für Schritt bewegt er sie dazu, sich zu öffnen, ihr Herz auszuschütten, etwa über die schikanöse Chemie-Lehrerin. Ein Zeichen müsse sie setzen, eine Aktion... Sie scheißt der Lehrerin auf die Türmatte.

Reales Vorbild?

Mit dieser Grundgeschichte dürfte die Stück-Autorin Anleihe bei einer realen Aktion im Rosa-Luxemburg-Gymnasium von Berlin-Pankow vor etlichen Jahren genommen haben. Da war's auch eine unsägliche Chemie-Lehrerin, der Schüler vor die Tür kackten, verraten übrigens von einem Lehrer-Kollegen, dem sich beteiligte Schüler anvertraut hatten.

(Cyber-)Mobbing

Zurück zum Stück. „Netboy“ hat Marie in eine Falle gelockt, sie offenbar bei der Aktion fotografiert, erst damit erpresst, sonst werde das Foto veröffentlicht. Doch sowohl der Rücktritt als Klassensprecherin sowie die verlangten 200 Euro helfen nichts. Das Foto wird verschickt, macht die Runde. Alle mobben Marie – im Cyberspace und ganz real in der Schule. Sie kann nicht mehr, sucht nach Tabletten und einem Kabel an dem sie sich erhängen will. Da helfen ihr auch Olafs Versuche, sie aufzumuntern nichts. Auch dass sich die ansonsten mühsame Mutter im entscheidenen Moment auf ihre Seite stellt nicht. Sie will weg, zum Vater nach Berlin. Doch das Netz ist überall. Oder sucht sich „Netboy“ ein neues Opfer?

Viele Situationen – sowohl in der Begegnung mit den Eltern als auch in der Schule, teils auch im Netz wirken ziemlich überzeugend und authentisch. Besonders genial das Ende – das hier bewusst nicht verraten sei, es würde Spannung und Überraschung kaputt machen.

Großer Haken

Allein die Grundgeschichte hat wohl einen Haken. Sicher ist Marie das Sch...-Foto peinlich, sicher würden sie etliche dafür aufziehen... - aber wenn eine Jugendlichen, noch dazu gewählte Klassensprecherin – was sie zu diesem Zeitpunkt ja noch war – einen Haufen vor der Tür einer Sch...-Lehrerin hinterlässt, würde sie wohl zumindest bei einem (Gut-)Teil der Schüler_innen eher zur Heldin werden. Das meint auf Nachfrage des Kinder-KURIER auch ein bei der Premiere anwesendes Schüler_innen-Trio (12, 13, 14 Jahre aus drei verschiedenen Schulen).

Was? Wann? Wo?

Netboyvon Petra Wüllenweber90 Minuten, ab 11 Jahren

Team

Marie Mieke Biendara Sarah Anna Rieser Olaf Bernhard Georg Rusch Maries Mutter Elisa Seydel Maries Vater Frank Engelhardt

Regie Frank Panhans Ausstattung, Licht Jan A. Schroeder Video Silke Pielsticker Dramaturgie Gerald Maria Bauer Gitarrencoaching Paul Male

Assistenz, Teilinspizienz Rostyslav Samonov Teilinspizienz Felix Metzner Regiehospitanz Alexandra Fierascu Aufführungsrechte: Theaterstückverlag, Korn-Wimmer, München

Wann & wo?Bis 25. JuniTheater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3Telefon: (01) 521 10-0www.tdj.at

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