Szenenfoto aus "Bernhard und die Brandstifter"

© Lisa Birner

Jugendtheater
06/18/2016

Brandstifter, Oida!

Jugendliche zweier Wiener Handelsakademien spielen eine kompakte, humorvolle, abgewandelte Version von Max Frisch‘ Klassiker mit aktuellen Bezügen.

von Heinz Wagner

„Brandstifter, Oida!“- mehrfach ertönt dies als Refrain in der knapp mehr als halbstündigen verdichteten, veränderten, humorvollen Abwandlung von Max Frisch‘ fast 70 Jahre altem Klassiker „Biedermann und die Brandstifter“.

Chor

Jugendliche zweier Wiener Handelsakademien (Schulzentrum Ungargasse und Business Academy Donaustadt) spielen „Bernhard und die Brandstifter“. Die vorläufig (?) einzige Vorstellung wurde in einer Art Wohnzimmer-Atmosphäre mit angeschlossener Bar im Kulturcafe 7*Stern (1070, Siebensterngasse 31) gezeigt. Neben den auf und rund um die kleine Bühne agierenden Schauspieler_innen gibt’s einen „Chor“ – mit Gitarristen und Sängerinnen. Im Lied kommt der oben zitierte Refrain vor – als Knackpunkt, aber auch als Selbstironie auf sogenannte Jugendsprache.

Beste Tarnung: Wahrheit

Katharina Preyer gibt einen überzeugenden Bernhard, der skeptisch, aber weil er sich nichts nachsagen lassen will, Josi Quartier gewährt. Die wiederum, gespielt von Natalie Maderner, „tarnt“ ihre Absichten bestens, nämlich durch die Wahrheit, „die glaubt einem eh niemand“. Ölfass. „Was ist da drinnen?“ – „Benzin!“

Erstere sah die Rolle als Buben als spannende Herausforderung, „du musst dich ganz anders bewegen – ob gehen, sitzen, stehen, sprechen. Da ist so viel, was du am Verhalten ändern musst, das wollte ich“, so Preyer nach der Premiere zum Kinder-KURIER.

„Mich hat diese provokante Figur interessiert“, meint Maderner, Darstellerin der Haupt-Brandstifterin „und dass ich damit etwas spielen konnte, was ich selber genau nicht bin“.

Basti, Bernhards Bruder, der noch viel skeptischer ist angesichts der bekannt gewordenen Brandstiftungen sogenannter Wunderheilerinnen, dann doch aber nicht der böse Aus-dem-Haus-Vertreiber sein will, wird von Armin Subanović höchst gekonnt gegeben. Ihm ist Bühnenpraxis aus mehreren Theaterprojekten anzusehen.

"Verständnis"

­­Mehrmals treten die Schauspieler_innen auch aus ihren Rollen raus und thematisieren, dass sie gerade spielen oder wenden sich direkt an den Chor. An aktuellen Bezügen beinhaltet das von Bernd Watzka von WienDrama geschriebene und von Julia Kastner inszenierte Stück – im Rahmen des Projekts Culture Connected – den des „Verständnisses für die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger“, die dann Asylunterkünfte anzünden.

In weiteren Rollen agieren - selbst bei Kürzest-Auftritten exakt und überzeugend: Daniela Vogg als Willi, der co-Brandstifter, Dilara Özdemir als Anna, die vor allem von der Brandstifterin Josi zur Dienstbotin degradiert wird, Kathrin Renner als Lara, die Schwester von Karim, einem Freund von Bernhard, Nathalie Szucs als Frau Doktor, die sich sehr, sehr spät von den Aktivitäten der Brandstiftungsgruppe, der sie angehört (hat), distanziert. Den Chor geben Andrey Ignacio und Jacqueline Mattes.

www.culture-connected.at - Bernhard und die Brandstifter

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