Kiku
20.02.2012

Jugendliche übernahmen einen Tag Hotel für guten Zweck

Kochen, servieren, bewirten und Kulturprogramm für 1000 Gäste - zur Unterstützung indischer Steinbruchkinder

Der große Saal ist gefüllt. Die Gäste sitzen, trinken Kaffe, Saft auch das eine oder andere Glas anderen Inhalts. Unterhalten sich angeregt. Alles wie normal. Eines ist doch ein bisschen anders. Serviert wird von ziemlich jungen Leuten. Ausschließlich. Die schupfen den ganzen Laden an diesem Tag im renommierten Hotel Savoyen am Wiener Rennweg. Haben auch alles für den Abend vorbereitet und werden dafür aufkochen. Insgesamt sind rund 180 Jugendliche am Werk.

Unaufgeregt

Seelenruhig, völlig entspannt behielt vor allem Anna Wesiak, Maturantin und Co-Direktorin den Überblick über das Geschehen, war zur Stelle, wenn wo spontan eine Entscheidung zu treffen war. Vom Kinder-KURIER doch einigermaßen verwundert und bewundernd auf ihre Unaufgeregtheit angesprochen, meinte sie "nur", erstens sei sie grundsätzlich fast immer sehr gelassen und "außerdem würde sich Nervosität und Angespanntheit sofort auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das ganze Team übertragen und das bringt’s überhaupt nicht. Und Entscheidungen treff ich dann, wenn sie anstehen, ich überlege mir nicht zuerst schon, was alles vielleicht nicht klappen könnte und dann zu entscheiden wäre!"

Nervös wirken sie und ihr Direktionskollege aus der Maturaklasse, Felix Ebner nur in einem Moment: Als sie auf der Bühne stehen und die Gäste begrüßen. "Das sind doch so ungefähr 20 Mal mehr Leute als bei einem Referat in der Schule", erklärt das Führungsduo des Projekts das Zittern in der Stimme.

Helfen und lernen fürs Leben

Sichtlich wohl fühlt sich Benjamin Schedl beim Servieren. Der nunmehrige Viertklassler war schon – als damals jüngster Mitwirkender des Projekts – vor drei Jahren im KURIER vorgekommen. Eigentlich sollten da Schülerinnen und Schüler frühestens ab der 2. Klasse mitmachen, er hatte sich so im Vorfeld in der Schule engagiert, dass er als Neuling auch schon mithelfen durfte. Und sich Chancen ausrechnet in seinem kommenden Abschlussjahr im Leitungsteam mitwirken zu können. Wie vielen anderen taugt ihm vor allem zu wissen, "dass das Sinn macht, was wir da machen, es hilft Kindern." Vielleicht, so seine Hoffnung, könnten sie im kommenden Jahr in den Weihnachtsferien das Projekt vor Ort besuchen. "Und außerdem lernen wir durch das Projekt wirklich viel von Wirtschaft. So kommst du auch in Kontakt mit Leuten aus der Wirtschaft, Sponsoren von dem Projekt, die du sonst vielleicht nie treffen würdest".

 

Hochkarätiges Kulturprogramm

Die Schülerinnen und Schüler haben auch fürs Kulturprogramm gesorgt – von Karl Markovics, der Alfred-Polgar-Texte liest, Renate Holm, die Schüler_innen mitgebracht hat, über Mercedes Echerer und Werner Brix bis zu Neuwirth Extremschrammeln und Kollegium Kalksburg.

Zum fünften Mal sorgen Jugendliche der Höheren Lehranstalt für Tourismus in der Wiener Bergheidengasse für diesen Mix aus kulinarischem und kulturellem Genuss. Und das alles für einen guten Zweck. Sämtliche Einnahmen (rund 30.000 Euro) gehen an den Entwicklungshilfeklub. Dieser unterstützt damit ein Projekt in Indien. Kinder müssen nicht mehr im Steinbruch arbeiten, sondern können in die Schule gehen.

Entwickelt wurde das Projekt vor mehr als fünf Jahren gemeinsam mit Otto Tausig. Nach dessen Tod im Vorjahr stand die Veranstaltung diesmal auch im Zeichen des Gedenkens an den großen Schauspieler und vor allem aber auch menschlich Großen. Erst jetzt wo er sozusagen als Galionsfigur das Erbe antrete, meinte Karl Markovics, würde er erst ermessen können, wie große Lasten Otto Tausig geschultert hätte – heute brauche es mehrere Schultern, um dessen Engagement verteilen zu können. Von ihm habe (nicht nur) er gelernt, "dass es Wichtigeres gibt als einen selbst, nämlich andere!"

Zotter hatte eine eigene Nougat-Variations-Schokolade geschaffen, die eine Schleife mit einer Zeichnung Otto Tausigs geschaffen vom Karikaturisten ziert. Und die natürlich wie Bücher von Turrini, Hör-CDs von Mercedes Echerer usw. zugunsten des Projekts erworben werden konnten.

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