Kiku
01.05.2017

Jugendliche HAK-Projekte: Noi ajutăm!/ Wir helfen

Amicus 2017: Elf Projekte einer Wiener Handelsakademie "REformieren die Welt" zum Besseren, indem sie konkret helfen.

„Wir haben Tische, Sessel, Kleidung, Spiele und Kuscheltiere gesammelt. Die haben wir dann persönlich zu Weihnachten übergeben“, schildert Patricia Adriana Has im überfüllten Foyer der privaten Handelsakademie gegenüber dem Stadtkino dem Kinder-KURIER. Sie ist Teil des Projektteams „Noi ajutăm!“. Die beiden rumänischen Wörter bedeuten „wir helfen“. Und das tat sie mit ihren Mitschüler_innen der 1A dieser HAK der Vienna Business School Akademiestraße. Has war insgesamt drei Mal in der Wohngemeinschaft für Waisenkinder – sieben an der Zahl. „Ich hab mit den Kindern gespielt, eines von ihnen war sehr anhänglich.“ Das Projekt werde weitergeführt. „Und wir nehmen das eine anhängliche Kind zu uns, wenn wir nach Arad übersiedeln.“ Sie selbst wurde dort geboren, kam aber schon im Alter von ungefähr einem Jahr mit ihren Eltern nach Wien, wuchs hier zweisprachig auf „und nun übersiedelt unsere Familie wieder nah Arad. Das wird für mich zwar eine Umstellung, aber es ist schon ganz okay.“

Fünf „Freund“-Statuen

Das Foyer der Schule war übrigens mehr als überfüllt, weil das Gittertor zum Aufgang noch geschlossen war. Oben im Festsaal gingen offenbar die letzten Proben, Mikro-Tests usw. über die Bühne. Die war dann der Platz auf dem elf soziale Projekte vorgestellt wurden, die sich um den Amicus (Lateinisch für Freund) 2017 beworben hatten. Zum 14. Mal wurden die vom katholischen Religionslehrer Piotr Kubiak ins Leben gerufenen Preise vergeben – drei gleichwertige Auszeichnungen vergibt die Jury an Projekte, eine Statue ist für die meisten Stimmen beim Publikums-Voting vorgesehen sowie eine weitere als Ehrenpreis für eine Person, die sich um Unterstützung solcher Projekte verdient gemacht hat.

Organisation der Veranstaltung – samt Tontechnik – übernimmt immer eine Klasse der Schule, in diesem Jahr war’s die 4AK. Als künstlerisches Programm zwischen den Blöcken von Projektvorstellungen organisierten sie unter den Schüler_innen der VBS Akademiestraße Jasmin Vilić und Martin Sy als Sänger_innen, Leo Wang am Klavier und Labinat Bektesi an der Gitarre. Ferner rissen vier Hip-Hop-tanzende Jungs „Young Balance“ das Publikum zu Begeisterungsstürmen mit. Moderiert wurde auch von Jugendlichen und zwar von Sarah Ortner und Boris Szelesanyi.

Hilfe im In- und Ausland

Die Bandbreite der Projekte reicht von Hilfe und Unterstützung für Einrichtungen im Ausland – wie das oben genannte, aber auch zwei Projekten in Afrika: Kongo und Kenia – und im Inland – für Obdachlose, eine arme Großfamilie – aber auch einfach inklusiven Begegnungen wie gemeinsamen Aktivitäten mit Kindern einer inklusiven Schule. Viele der Projekte wurden schon von Vorvorvorgänger-Klassen initiiert und werden von nachfolgenden Gruppen einfach weitergeführt. Dazu zählen unter anderem die Zusammenarbeit mit der Inklusiven Schule Hernals ( Wien) sowie die Unterstützung von Kindern in Mathare, dem Mega-Slum am Rande der kenianischen Hauptstadt Nairobi.
Manches Mal verändert oder erweitert sich während des Projekts dieses selbst. So erzählen die Jugendlichen von „Fokus Familie“ dem Kinder-KURIER: „Zuerst haben wir in einer Suppenküche der Mutter Theresa-Schwestern für obdachlose gekocht. Dabei sind wir in Kontakt gekommen mit einer armen Familie mit 17 Kindern. Für die haben wir dann alles mögliche – von Kleidung bis zu Spielsachen – gesammelt, haben sie schon vier Mal getroffen. Wir wollen auch weiter mit den Kindern – vor allem den jüngeren, die ältesten sind ja schon erwachsen – was unternehmen, zum Beispiel in den Tiergarten Schönbrunn gehen.“

Kurzinfos zu den Projekten samt den Namen der beteiligten Schülerinnen und Schüler findest du weiter unten.

Die Amicus-Gewinner_innen

Hier noch, wer die Amicus-Statuen in Engelform (zu Deutsch: Freund) bekommen hat: Da ist einmal das eingangs schon geschilderte Projekt „Noi ajutăm!“ (1AK, wir helfen – im rumänischen Arad).

Weiteres wurde „Barrierefrei“ (3DK) für die gemeinsame Aktivitäten mit Kinder der Integrativen Schule Hernals ausgezeichnet – ein schon jahrelang immer weiter geführtes Projekt.

Den dritten Projekt-Award vergab die Jury an „ Bäckerei in Afrika“ (1BK). Mit Flohmarkt-Ständen und anderen Spendensammlungen konnten die Jugendlichen Hunderte Euro zusammen bringen, um den Aufbau einer Bäckerei in Kinkole – rund eine Stunde von Kinshasa (Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo) – zu unterstützen. Die Grundmauern stehen schon. Die Idee ist auch, dass in der nahegelegenen Schule die Kinder backen lernen. Dieses Projekt bekam aber noch einen zweiten Amicus, den es sich allerdings mit einem weiteren Projekt teilen muss, den Publikums-Award. Zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte dieses Sozialpreises in der Wirtschaftsschule waren zwei Projekte auf die exakt gleich Stimmenanzahl gekommen.

Die gleich gewichteten Publikumslieblinge waren „Gesichter der Armut“ (2BK). Theatralisch spielte bei der Projektpräsentation eine Lehrerin als Gast die arme, eingeschüchterte Arme, die am Boden sitzt – aber von den vorbeigehenden Jugendlichen beachtet – und sogar mit Geschenken bedacht wird. Im „Haus der Mutter Theresa“ kochten die Jugendlichen mehrmals vor Ort, servierten, räumten aber auch wieder das schmutzige Geschirr ab und wuschen es ab. Sie organisierten obendrein Spenden – vor allem Winterkleidung für Obdachlose. Und sie kümmerten sich, nachdem sie auch in Kontakt mit den Betroffenen gekommen waren, um persönlich passende Weihnachtsgeschenke. Obendrein brachte sich eine polnische Schüler_innengruppe, die die Wiener HAK besucht hatte, in die Aktion ein, indem sie – wieder in ihrer Heimat – Löffel (Mangelware in der Speisestätte) sammelten.

Film-Hilfe aus Polen

Apropos Polen: Für die – teils humorvollen - Stop-Motion-Filme zum Thema Ökologie bekamen die S.EC.MO.-Kids in einem mehrtägigen Workshop Anleitung von Jugendlichen eines Gymnasiums der Stadt Katowice. Bartek Maro, Sandra Tuszynska und Emilia Smolka waren auch zur Amicus-Verleihung nach Wien gekommen. Ersterer ist der Mastermind. Begonnen hatte alles, so erzählt er dem Kinder-KURIER, „als ich mit Kamera und Stativ zwei Wochen in einem Haus eines Onkels in den Bergen verbrachte. Da war mir laaaaangweilig. Und so hab ich einfach zu fotografieren begonnen. Viele Bilder aneinander gereiht können auch einen Film ergeben! ;)“

Den „Ehren-Amicus“ verdiente sich der Direktor der VBS Akademiestraße, Karl Brechelmacher, dadurch – wie die Jugendlichen aller elf diesjährigen Amicus-Projekte und dazu noch zwei Absolventen schilderten, dass er bei vielen Projekten selbst immer wieder unterstützte, gesammelte Gegenstände transportiere und sonst vielfältig mithalf und -hilft.

... und ihre Teams

Noi ajutăm! (1AK): Hilfe für Kindern eines Waisenhauses in Arad sowie für ein Tierheim in Rumänien.
Tom Baumgärtner, Lara Filipović, Simon Foitl, Patricia Adriana Has, Theresa Klaus, Martin Klejer, Armin Römer, Paul Rumpeltes, Patricija Sišić, Michael Springer, Karen Andrea Szarzynska, Noah Tüchler, Lisa Vehzely

Bäckerei in Afrika (1 BK): Spendensammlung, um in Kinkole (nahe der Hauptstadt Kinshasa) im Kongo eine Bäckerei aufzubauen.
Lisa Grand, Serena Grasmann, Angelina Hofstätter, Carmen Hranić, Niklas Kornfeld, Katrin Matković, David Minassian, Konstantin Papanikolaou, Raphael Reichel, Laetitia Valentin, Julia Friederike Wick

SOS – Wir spielen! (1DK): Gemeinsame Aktivitäten (Fahrradtour, Spielenachmittage) mit Kindern aus zwei SOS Kinderdörfern in Wien und Niederösterreich.
Marcus Edelhauser, Paul Hofbauer, Clara Maria Kalwoda, Alicia Knam, Kamil Wieslaw Kopec, Ivett Laszlo, Anabel Pallikunnel, Nicolaus Pichorner, Katharina Schwarz, Nicolas Stiermayr, Carla Davida Weber, Ana-Viktoria Yapias Gutarra

Zu Gast bei VinziRast (1EK): Die Jugendlichen sammelten für mehr als 120 Weihnachtspakete und eine Großspende Tierfutter für diese Notschlafstelle in der obdachlose Menschen übernachten und auch Tiere mitnehmen können.
Johannes Hüttner, Moritz Jakob Langer, Sina Monea, Emilie Quiceno Lopez, Laetitia Rossnagl, Konrad Thier, Julius Vorbeck, Nicola Wobornik

S.EC.MO. (2AK): die Abkürzung beudetet „Social ecological movies“. Dabei drehten die Schüler_innen der projektgruppe – mit Unterstützung polnischer Schüler_innen eines Liceums (Gymnasiums) in Katowice - mehrere Stop-Motion-Filme zu ökologischen Themen.
Magdalena Kalapurić, Louis-Paolo Roger Magnard, Alexandra Moser, Sarah Ortner

Gesichter der Armut (2BK): Schüler_innen nahmen Kontakt mit Obdachlosen auf, spendeten Bekleidung, Weihnachtsgeschenke und Essen und bekochten Obdachlosen auch selbst.
Natascha Denk, Anna Kappel, Bernhard Koller, Robin Komaretho, Sebastian Maurer, Constantin Planer, Sophie Sild, Lisa Slanina, Aleksandar Tanacković

Generationenwald(2DK): Schüler_innen organisierten Feiern zum Thema Wald im Mutter-Kind-Heim der Caritas Socialis. Dabei wurden auch Bäume im Naturpark Purkersdorf gepflanzt.
Carolin Krizek, Melani Ložić, Polijana Meseć, Andrea Mikulić, Victoria Troger, Claudia Juliana Zak
Freundschaft verbindet(2EK): Gemeinsam mit der Integrativen Schule Hernals, der Pfarre Sühnekirche und dem Verein Panairobi setzten die Projektmitglieder die schon seit mehreren Jahren betriebene Unterstützung von Kindern im Slum Mathare (am Rande von Nairobi/ Kenia) fort. Mittlerweile können 18 Kinder dort eine Schule besuchen und in einem Internat wohnen.
Sandra Fornalczyk, Alexander Fuchs, Adriana Hecht, Elena Kornberger, Nikola Milić, Martin Nawrot, Anika Stary

Fokus Familie (3BK) hilft einer von Armut und Obdachlosigkeit betroffenen Familie mit 17 Kindern.
Alexander Ancheril, Niklas Langeder, Kevin Mathuppurathu, Johannes Muchitsch, John-Lester Tolentino, Johanna Wagner, Dominik Zajac

Barrierefrei (3DK): gemeinsame Aktivitäten – u.a. ein Faschingsfest und eine Stephansdomführung mit Kinder der Integrativen Schule Hernals.
Maximilian Böhm, Julian Bruckner, Liliana Kukuckova, Tim Lindermann, Viktoria Laura Plaino, Iris Kahtahrina Ramseyer, Nicola Slizowska, Sophie-Chantal Walther

Hilferuf aus Ecuador (1 VKB): Durch eine Spendenaktion wird der Wiederaufbau einer Schule nach dem Erdbeben im April 2016 in der Stadt Manta finanziell unterstützt.
Albert Chyla, Evaristo-Aristido D’Almeida, Lena Dietschy, Niklas Krejcirik, Niklas Zäscher

... vom Amicus 2017