LockShare – Crowd Storage for All: Benjamin Soura und Paul Pröll

© Heinz Wagner

tech&society
06/14/2014

Der NSA ein Schnippchen schlagen

Jugend aInnovativ 2014, tech & society: Überwachungssicher speichern, Mensch im Wandel, Slow down, Ausgestaubt...

von Heinz Wagner

Ungewöhnlich, aber doch, der NSA und ihren Ausspionierungen gebührt ein großes Lob.!? Ohne sie gäbe es das Siegerprojekt des Sonderpreises Technik und Gesellschaft nicht. Paul Pröll und Benjamin Soura von der HTL Ottakring haben ein gefinkeltes System verteilter Speicherung, das sich dem ungewollten Mitlesen entzieht, ausgetüftelt. LockShare – Crowd Storage for All geht auf die Diskussion um Überwachung zurück.

Dezentral, verschlüsselt speichern

„Speichern in der Cloud oder wo auch immer heißt, dass die Daten nicht sicher sind davor, ausspioniert zu werden“, erzählen die beiden.
Bei unserem System werden die Daten erst verschlüsselt und dann verteilt gespeichert, auf Raspberry Pi, kleinen Minicomputern, die es schon um unter 50 Euro gibt und die jeweils mit dem eigenen Computer derer die mitmachen, verbunden werden. Die beiden ihre Idee so programmiert, dass sich jede und jeder beteiligen kann, ohne Computerexpertin oder -experte sein zu müssen.

Alle „Parts“ (Teile) werden dabei mehrfach auf Rechnern in verschiedenen Weltgegenden gespeichert. Damit kann selbst bei Ausfall des einen oder anderes Raspberry Pis die gesamte Datei ohne Probleme wieder hergestellt werden. Du musst weder selbst verschlüsseln noch wieder zusammenpuzzlen, du ziehst die Dateien, die du so sichern willst, lediglich wie alle anderen per drag & drop in den entsprechenden Ordner ziehen.
Das brachte neben dem Sonderpreis-Gewinn die Teilnahme am Europäischen Bewerb.

Mensch im Wandel

Ein riesiges grundsätzliches Thema nahmen sich 13 Jugendliche aus sechs verschiedenen Klassen der Salzburger HLFS Ursprung vor: „Mensch im Wandel“. Sie suchten sich zwölf Fachleute von Manheim bis St. Gallen, von Heidelberg über Wien bis Rom. Von der bekannten heimischen multikulturellen Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi über den Humangenetiker Markus Hengstschläger, der viel mehr noch durch seine fundiert kritischen Aussagen zu Bildung einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist, die Museumsdirektorin Agnes Husslein-Arco bis zum Weltraumforscher Wolfgang Baumjohann kontaktierten sie, um in der Folge ausführliche Interviews zu führen – und knapp vor dem Bundesfinale in einer lesenswerten Broschüre zu veröffentlichen.

Von... bis...

Von der Stammzellenforschung bis zur Nachhaltigkeit, vom Verhältnis zwischen den Generationen bis zur Frage von Heimat und Zuhause, von Biochemie bis zum Gedächtnis. Nicht zuletzt gehen die Jugendlichen mit Fachleuten auch der Sprache selbst und unterschiedlichen Auswirkungen auf den Grund.
Claudia Knieger zum Beispiel vertraute dem KURIER an, „die Begegnung mit der Sprach- und Medienwissenschafterin Eva Martha Eckkrammer war für mich eine Art Schlüsselerlebnis. Sie hat uns erklärt, wie wichtig Karrierevorbilder sind und sein können. Wenn ich als Frau nie eine Naturwissenschafterin sehe oder erlebe, komme ich vielleicht gar nicht auf die Idee, dass ich so eine Laufbahn einschlagen könnte. Beim BFI in Salzburg setzen sie darum auch beim Lehrgang für Lebensmitteltechnologie auf weibliche Vorbilder. So wurden Laborantinnen dann schon durch Umschulung zu Fachkräften.“
So kann auch ein „nur“ kleiner Wandel Großes auslösen.

Platz 2 bei Jugend Innovativ war übrigens nicht der einzige Preis, schon in den Tagen davor gab's Auszeichnungen für dieses Projekt – eine von der UNESCO und eine vom Landesschulrat Salzburg.

Slow Down

Welche Veränderung durch die modernen Kommunikationsmittel und Technologien fällt wohl den meisten als erstes ein? Und worunter leiden viele auch?
Richtig, Hektik. Alles muss in der Sekunde passieren. „Was, du hast meine eMail noch nicht beantwortet? Noch immer nicht zurück gerufen?“...

Ein bisschen Entschleunigung täte da ganz gut. Wünschen sich viele. Und tun's trotzdem nicht.
15 Schülerinnen und Schüler der 4UT der HLFS Ursprung (Salzburg) grübelten – mal schnell, mal langsam – überdachten ihr eigenes Verhalten und kamen vor allem auf die Idee, Workshops für knapp Jüngere – 12- bis 15-Jährige – zu entwickeln. Darin wurde natürlich nicht nur gemeinsam diskutiert, sondern auch gespielt. In einer Form Activity geht’s um Zeitmanagement und Verringerung von Stress.

Platz 3 in Sachen Technik und Gesellschaft war der Lohn.

Ausgestaubt

Ein großes Labyrinth liebt auf dem Boden, davor noch das Spielfeld Twister, das den Mitspielenden alle möglichen Körperverrenkungen abverlangt. Nein, bei dem Projekt von Jugendlichen der HLW für Kommunikation und Mediendesign der Kreuzschwestern Linz handelt es sich nicht um Spieledesign. Diese beiden großen und eine Vielzahl kleinerer Spiele sind „nur“ Mittel zum Zweck. Der Zweck ist ein praktisch unsichtbarer.

Nach Ernährung und Belüftung (in einem durchschnittlichen Klassenzimmer sollte im Schnitt sieben bis acht Mal pro Unterrichtsstunde gelüftet werden) hat sich diese Schule heuer des Themas Feinstaub angenommen. Die 35 (!) Schülerinnen und Schüler der 4a wollten sich aber nicht nur selber mit dem Verursacher von fast zehn Mal so viel Todesfällen wie der heimische Straßenverkehr auseinander setzen, sondern ihr Wissen auch verbreiten – in Form einer Wanderausstellung für andere Kinder und Jugendliche. Tafel, Tafel, Tafel, Informationen, Grafiken, Verhaltensmaßregeln... - das allein würde wohl nicht auf sehr großes Interesse stoßen, waren sich die ProjektteilnehmerInnen von Anfang an sicher.

"Verspielt"

Also verpackten die sechs Arbeitsgruppen ihr im Laufe des Projekts erarbeitetes Wissen in viele Spiele, Quizfragen, ersannen kleine Bewerbe... - unterschiedlich je nach Altersgruppe, um dabei Erkenntnis zu vermitteln wie, dass es besser ist, aufs Auto zu verzichten, regionale Produkte zu bevorzugen oder hochwertiges Leitungswasser statt solches aus Kunststoffflaschen zu trinken... Und so suchen Kinder den entlaufenen Hund Staubefix im Labyrinth, um ihn zu fangen und dabei Infos über Feinstaub zu sammeln. Andere schütteln vielleicht die „Schneekugel“, in der sich das Kunststoffmodell einer Lunge befindet, in der sich der schwarz gefärbte Staub von Zigarettenrauch niederschlägt.

Das umfangreiche Spiele- und Informationspaket brachte einen Anerkennungspreis und damit verbunden 500 Euro für die Fortsetzung des Projekts ein.

Talk Talk

Mit den Händen sprechen – ausgehend vom Fingeralphabet das viele kennen und der Beschäftigung mit Gestensteuerung im Rahmen eines Sommerprojekts an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt stießen Sandra Krausler und Madeleine Malle von der HTL Mössingerstraße (Klagenfurt) auch auf die Gebärdensprache Gehörloser. Mit Hilfe einer kleinen Kamera, die finger- und Handbewegungen aufnimmt und einem Computerprogramm entwickelten die beiden Talk Talk. Damit werden die Gebärden am Computer in geschriebene Sprache übersetzt. Die Gebärden können aber auch über Sprachausgabe in laut-gesprochene Worte übersetzt werden. Vielleicht, so lassen die beiden im Gespräch mit dem KURIER anklingen, werden sie nach der Matura weiter an dieser ersten noch nicht sehr ausgereiften Version arbeiten. Dafür gab's nun einmal den Anerkennungspreis.
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