Kiku
06.09.2017

Ein paar Tage Spaß für schwerkranke Kinder

Einer der Preise für interkulturellen Dialog geht an ein „Dorf“ am Fluss Jordan, wo Kinder und Jugendliche aus Israel und Palästina einige Tage aus ihrem Alltag ausbrechen können.

„Ein krankes Kind ist ein krankes Kind ist ein krankes Kind“ – egal welche Religion, Hautfarbe, Herkunft oder welchen „Hintergrund“ es auch immer hat. Diesen Grundsatz, der im Sinne des hippokratischen Eides von Ärztinnen und Ärzten für die medizinische Behandlung selbstverständlich ist, wählte der Schauspieler Paul Newman für das von ihm 1988 gegründete „SeriousFun Children’s Network“ (ernsthaftes Spaß-Kinder-Netzwerk).

Derzeit gibt es rund eineinhalb Dutzend Projekte dieses Netzwerks weltweit. Eines der Projekt in den USA ist „The Hole in the Wall Gang Camp“. Mit dem „Loch in der Wand“ meinte dieses Camp eine Einrichtung, in der in der Art einer Gang Kinder mit verschiedenen schweren oder chronischen Krankheiten nicht nur auf diese reduziert werden, sondern einfach für eine gewisse Zeit ihren Spaß haben sollten und Freundschaften schließen konnten – mit vom selben Schicksal betroffenen Kindern und Jugendlichen. „Eine andere Art des Heilens“ nennt das das genannte Zentrum.

Das Leben feiern

Mori und Marily Grant, die 1971 von Connecticut in den USA nach Israel auswanderten nahmen ließen sich vom „Loch in der Wand“ inspirieren und brachten die Idee in ihr neues Heimatland mit. Doch von der Idee bis zur Verwirklichung dauerte es noch geraume Zeit. Seit sechs Jahren gibt es das im Norden Israels gegründete Jordan River Village (JRV). Auf etwas mehr als einem halben Quadratkilometer verbringen seither jeweils 50 bis 55 Kinder und Jugendliche die bis fünf Tage, um gemeinsam zu spielen, lachen, Blödsinn machen, Dinge zu erleben, zu denen sie sonst (vielleicht) gar nie kommen würden. Oder sie erfahren, dass es Kindern mit derselben Krankheit ähnlich geht, sie also nicht allein mit ihren Alltagserfahrungen sind. Oft machen sie dann Scherze darüber, berichten zwei Vertreterinnen des JRV. Aus diesen paar Tagen der Freude – „das Leben feiern“ heißt es in einer Broschüre - und des Austausches mit Gleichaltrigen beziehen viele dann auch viel Kraft für ihren Alltag nach dem Aufenthalt im „Dorf“ – „der Begriff Lager hat in Israel einen weniger erfreulichen Beigeschmack“, so die JRV-Vertreterinnen.

Begleitet werden die 9- bis 18-Jährigen von sowohl professionellen Freizeitbetreuer_innen, vor allem aber Freiwilligen, teils aus dem was unserem Zivildienst bzw. auch dem sozialen Jahr entspricht. Selbstverständlich zählt zu den Betreuungspersonen auch medizinisches Personal, viele davon verrichten ihre Dienste ebenfalls freiwillig.

Bisher konnten im Jordan River Village (JRV) in den sechs Jahren rund 8400 Kinder und Jugendliche zwischen drei und fünf Tagen Spaß haben – unabhängig ob jüdische oder arabische aus Israel oder auch aus dem Gaza-Streifen oder der Westbank, also den Palästinensergebieten, berichteten die Gründungsdirektorin Katia Citrin und Efrat Spirak vom JRV Mittwoch Vormittag in einer Gesprächsrunde in der Residenz der israelischen Botschaft in einem Loos-Haus in Wien-Währing.

Anlass ihres Wienbesuchs war ein Preis des österreichischen Europa-, Integrations- und Außenministeriums, den sie am Abend überreicht bekommen. Seit drei Jahren vergibt das Ministerium den „Intercultural Achievement Award“ in mehreren Kategorien. Das beschriebene Projekt bekommt ihn für Innovation. Die Jury hatte rund 200 eingereichte Projekte für diese seit drei Jahren ausgeschriebenen Preise für interkulturelle Leistungen bewertet.

Die Preise

In der Kategorie Nachhaltigkeit gewann das Bildungszentrum „Diversity“ aus der Republik Moldaufür seine Sommerakademie, bei der junge Moldawier_innen unterschiedlicher Ethnien und Religionen zusammen kommen, womit Vielfalt und Toleranz in der moldawischen Gesellschaft gefördert werden. Die teilnehmenden Jugendlichen der Sommerakademie werden zu sogenannten „Agent_innen des Wandels“ ausgebildet.
In der Kategorie Aktualität wird die Organisation: Al-Hayat Center for Civil Society für ein Projekt ausgezeichnet, bei dem jordanische Frauen zu interkulturellen Botschafterinnen ausgebildet werden. Diese Frauen treten in Dialog mit Geschlechtsgenossinnen aus ländlichen Regionen und sensibilisieren sie für Themen wie Frauenrechte und Möglichkeiten der Teilhabe an der Gesellschaft. Im Rahmen von „kitchen meetings“ wird ein Austausch über Frauenrechte und die Rolle der teilnehmenden Frauen als jordanische Bürgerinnen ermöglicht. Diese Dialoge erleichtern es den Frauen, Bildungsmöglichkeiten wahrzunehmen sowie ihre Rechte, beispielsweise im Bereich des Erbrechts, auszuüben.
Jordanienzählt zu jenen Ländern, die neben dem Libanon und der Türkei die meisten Flüchtlinge des syrischen Bürgerkriegs aufgenommen haben.
Für „Mit Brot und Salz“ – Übersetzung vonChlebem i Sola- bekommt die polnische Medienplattformuchodźcy.infoden Preis in der Kategorie Medien. Die Plattform fördert den Fakten-Check im Zusammenhang mit Migrationsthemen. Und schon allein der Titel steht für einen Willkommensbrauch - in Polen und anderen (slawischen) Ländern. Und uchodźcy heißt Flüchtlinge.
Das Internet, insbesondere soziale Medien wie Facebook, sind für Viele die Hauptquelle für Informationen über Flüchtlinge und Migraten – in Polen und andernorts. Diese Information ist jedoch oft ungesichert, einseitig oder perpetuiert Vorurteile. Die Plattform versucht dem entgegen zu wirken, indem sie objektive Berichte der UNO oder der EU veröffentlicht, um für die aktuellen Migrationsströmungen und deren politische, ökonomische, kulturelle und ökologische Dimensionen zu sensibilisieren. Auf diese Weise trägt das Projekt wesentlich zur interkulturellen Verständigung, der Konfliktlösung und einem friedlichen Zusammenleben bei.

Sonderpreis Österreich

Und schließlich gibt es einen Sonderpreis Integration Österreich. Da geht der Preis an die „chance Agentur“ für ihr Projekt: „ChanceBuddy/FAIRbesserer“. In diesem werden jungen Geflüchteten gleichaltrige Vertreter_innen der österreichischen Mehrheitsgesellschaft zur Seite gestellt, die als Buddy oder Vorbild agieren bzw. Rat geben können.

Weiters vergab die Jury drei Anerkennungspreise:
* Ein von der belgischen Organisation Search for Common Ground initiiertes Medienprojekt im Südsudan: Communicating for Peace, das sich dem Wandel des Verhaltens in Medien und der Gesellschaft eben in Richtung Frieden verschrieben hat

* Für einen „Balkan-Diskurs des „Post-Conflict Research Center“ in Bosnien und Herzegovina sowie

* Einem Projekt von Anadolu Kültür (Türkei), das durch Sammeln von Erinnerungen Geschichte von Städten freilegen will.

Hintergrund

Der Preis zeichnet erfolgreiche, innovative Projekte im Bereich des interkulturellen Dialogs auf österreichischer und internationaler Ebene aus. Der Preis steht jenen offen, die Chancen im interkulturellen Zusammenleben erkennen und nutzen. Gewürdigt werden auch jene, die erfolgreich neue Wege im interkulturellen Dialog beschreiten, die eine konkrete Herausforderung durch interkulturelles Handeln gemeistert haben, und die durch ihre mediale Präsenz den Dialog der Kulturen und Religionen fördern.

In der Kategorie Nachhaltigkeit beträgt das Preisgeld 10.000, in allen anderen Kategorien 5.000 Euro. Bewerben konnten sich Non-Profit-Organisationen (darunter gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisationen sowie Vereine, Stiftungen, soziale Bildungseinrichtungen, religiöse Organisationen) und privatwirtschaftliche Organisationen. Auch Einzelpersonen der Zivilgesellschaft konnten teilnehmen. Ausgeschlossen waren Regierungs-, Wissenschafts- bzw. Forschungs- und internationale Institutionen.

Mehr Infos gibt's hier

... aus den mit Preisen ausgezeichneten Projekten

... aus den ausgezeiochneten Projekten

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Sommerakademie "Sources of Tolerance"

Kitchen Meetings in vor allem ländlichen Regionen Jordaniens

Füreinige Tage sollen Kinder Kinder sein drüfen, egal welche Krankheit sie haben

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Projekt uchodźy.info

Projekt chanceBUDDY/FAIRbesserer