Kino für (fast) alle

Kino für alle
Foto: Heinz Wagner Per Mausklick "Film ab!"

Vielfältige Formate im „Filmcasino“ (Wien) – Kinder machen Kino und barrierefreie Vorführungen.

An diesen Kinovorführungen ist einiges ungewöhnlich. Es beginnt damit, dass Kinder die Karten abreißen – beim Lokalaugenschein des Kinder-KURIER waren das Alma, zwei Paulas und Anna. Sie begrüßten vor dem Start das Publikum im Filmcasino – durchs Mikrophon und durch Räder vor der Leinwand.

Dann düsten sie über den Hof, die steile Metalltreppe hinauf zur Technik-Kammer, wo sie die Knüpfe drückten, damit sich er Vorhang öffnet und zum Schluss starteten sie den Film – in diesem Fall den 75 Jahre alten/jungen Disney-Klassiker „Bambi“. Davor regulierten sie noch das Saallicht und den Ton. Und auch das ist bei den – ungefähr einmal im Monat stattfindenden – Vorführungen unter dem Titel „Kino für alle“ ungewöhnlich: Es wird nicht ganz dunkel und auch nicht sehr laut. Und zwar absichtlich.

Heller und leiser

Kino für alle Foto: Heinz Wagner Begonnen hatten diese Aktionen vor rund einem Jahr. Tova Marr, die bei der UNO in Wien arbeitet und in der Nähe des Filmcasinos wohnt, wandte sich an das Kino und wollte den Saal für eine Vorstellung mieten, um ihrem Sohn Raphael (6) und Freund_innen eine Filmvorführung zu ermöglichen. Der Bub hält es nicht aus, wenns ganz dunkel und laut ist, außerdem muss er sich oft und viel bewegen, erzählt seine Mutter dem KiKu. „Mit drei Jahren hat er aufgehört zu sprechen, er hat seine eigene Ausdrucksweise. Mit zwei hatten wir schon den ersten Verdacht, ein Jahr später wurde Autismus festgestellt.“ In dem Zusammenhang verweist die Tochter von Diplomaten, die in vielen verschiedenen Ländern aufgewachsen ist, darauf, dass es in Österreich unvergleichlich schwieriger und viel teurer ist, Autismus diagnostizieren und vor allem auch therapieren zu lassen als in ihrem Herkunftsland. Allein für eine Diagnose braucht es so ziemlich genau ein ganzes Jahr.

Inklusiv

Kino für alle Foto: Heinz Wagner Damit aber auch er und andere Kino erleben könnten, kam die gebürtige Kanadierin auf diese Idee und gründete dafür und für andere Anliegen in diesem Zusammenhang einen eigenen Verein. Das Filmcasino griff die Idee auf und machte daraus ein eigenes Veranstaltungsformat – und zwar offen für alle, können sich doch auch andere Besucher_innen damit anfreunden, bei gedämpftem Licht und Ton einen Film zu genießen. In der Fachsprache nennt sich das „Sensory Friendly Screening“ - eine inklusive Kinovorstellung, die auch Menschen mit Autismus und besonderen Bedürfnissen den Kinobesuch ermöglicht. Mit dem ebenerdigen, flachen Eingang haben Menschen in Rollstühlen hier sowieso keine Hürden.

Innovativ

Kino für alle Foto: Heinz Wagner In diesem Programmkino in der Margaretenstraße haben die Betreiber_innen auch noch weitere außergewöhnliche Formate entwickelt, u.a. „Kinder machen Kino“ - und dieses wiederum auch mit dem „Kino für alle“ verknüpft, wie eingangs beschrieben. Noch sind die Vorführungen übrigens nicht wirklich ganz für alle - „wir haben zwar eine induktive Höranlage für Menschen mit technischen Hörhilfen, die bekommen das Tonsignal dann direkt auf diese eingespielt, aber wir überlegen noch Gebärdendolmetscher_innen zu engagieren, damit auch Gehörlose kommen können“, meint Gerald Knell vom Filmcasino auf den Hinweis des Kinder-KURIER. „Es würde bei diesen Vorstellungen ja möglich sein, weil des eben nicht ganz dunkel ist“, so der Filmcasino-Chef.

 

Infos im nächsten Abschnitt

 

Infos

Was? Wann? Wo?

Filmcasino
1050 Wien, Margaretenstraße 78
Telefon: (01) 587 90 62

 

Kino für alle Foto: Heinz Wagner Kinder machen Kino
Beim nächsten Termin (27. Jänner 2018) wird „Prinz Achmed“ gezeigt
Kinder dürfen Blicke hinter die Kulissen der Wundermaschine Kino werfen. Wer bei der Filmvorführung helfen möchte (Saaleinlass, Saalregie & Filmstart) & am 27.1. um 13.30 Uhr im Filmcasino sein kann:

Name, Alter – bis 24. Jänner 2018 - per Mail an:
club@filmcasino.at

Die Teilnehmer_innen werden gezogen, Gewinner_innen erhalten fürs Helfen je eine Freikarte plus Getränk & Popcorn

 

Kino für alle

In Kooperation mit „Autism in Vienna: Beacon Beach House“

 

Nächster Termin
Samstag, 13.Jänner 2018
„Ernest und Célestine“

Regie: Benjamin Renner
Frankreich 2012
81 Minuten
Deutschsprachige Fassung
Empfohlen ab 6 Jahren
Die kleine Maus Célestine lernt, dass Bären ihre Feinde sind. Trotzdem freundet sie sich mit dem hungrigen Bären Ernest an. Der Film war für einen Oscar nominiert.

www.filmcasino.at/fueralle

 

 

(kiku) Erstellt am
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