Kiku
29.04.2017

Es könnte ewig weiter gehen...

„immer/IMMER“ im Toihaus Theater Salzburg: Ein Spiel rund und mit Unendlichkeit - in einer Kinder- und einer Erwachsenenversion.

„Ein kleines theatralisch-musikalisches Fenster ins Unendliche“ lautet der lange Untertitel zum kurzen Stücktitel „immer“. Das wird im Salzburger Toihaus Theater in zwei Versionen gespielt (Idee / Regie: Myrto Dimitriadou): Nach- oder vormittags vor allem für zweieinhalb bis 6-Jährige und abends für Erwachsene. Das Setting ist das Gleiche: Die selben Akteur_innen auf und hinter der Bühne, das selbe Thema, viele Elemente sind gleich. Aber eben nicht alle.

Die Teekanne bringt Sand

Zunächst also zum Kinderstück. Beim Eintritt in den heimelig gehaltenen Bühnenraum begrüßt ein Mann mit Hut und langem Mantel ( Andreas Simma). Drinnen ein Rund – Drei Sessel, drei Stühle, die hier die Rolle von Tischchen einnehmen, auf jedem eine weiße Tasse auf einem kleinen Teller. Dazu gesellt sich ein viertes Sesselchen und Tischchen – mit einer kleineren Tasse. Über ihr schwebt hoch oben eine Teekanne. Auf diesem Sesselchen sitzt Yoko Yagihara, auf einem der größeren Sessel hat Yorgos Pervolarakis Platz genommen. In diesem Kreis – das Publikum sitzt in weiteren Kreisen drum herum – Kinder auf Pölstern, die Begleitpersonen auf Sessel dahinter – befinden sich auch noch eine Gitarre, eine Ukulele, ein runder und ein eckiger Gong sowie ein Klavier und ein Vibraphon, kurzfristig wird auch eine Mundharmonika gespielt (Musik / Musikkomposition: Yoko Yagihara, Yorgos Pervolarakis, Gudrun Raber-Plaichinger).

Nach ein paar japanischen Worten beginnt ein "Tktktktktktktktk" in verschiedenen Geschwindigkeiten. Der Mann mit Hut, der beides abgelegt hat, tanzt und wohin seine ausgestreckten Hände zeigen, gehen Lichter an. Dazu der Satz, in Tokio (der Hauptstadt Japans) könne man vor lauter Beleuchtung gar keine Sterne mehr sehen. Der Hektik, die dieses Bild auch gleich vermittelt, setzt das Bühnentrio eher Langsam- und Bedächtigkeit entgegen. Gleichzeitig kippt die Teekanne nach vor und feiner fast weißer Sand beginnt raus zu rieseln. Die darunter stehende Tasse ist bald gefüllt, geht über, auch das Tischchen und Sand – dazwischen auch rötlich-braune Körnchen. So fein dosiert, dass gut eine halbe Stunde Sand raus rinnt – schier unendlich viel für die kleine Kanne.

Kein Anfang und kein Ende: ein Kreis

Die schauspielenden Musiker_innen/musizierenden Schauspieler_innen verteilen den Sand in Kreisform, die Zahlen/Ziffern 12, 3, 6 und 9 reingemalt – eine Uhr, weitere Ziffern schier ohne Ende – mit Anmutungen an die „Kreiszahl“π (Pi). Eins, zwei, drei, vier... 100.000, Millionen, „Kilionen“ Sandkörner – auch das irgendwie ein Hauch von Unendlichkeit – zwar nur eine Teekanne voller Sand, aber praktisch unzählbare Sandkörner. Das durchaus eher langsame Spiel im Takt von Musik auf dem einen oder anderen der Instrumente, der „Himmel“, der voller Lichter aber auch voller Briefe und Ansichtskarten hängt, fast durchsichtige wie Blumen schwebende Ballons dazu wenig Worte – auf Deutsch, Japanisch, Französisch, Griechisch und Englisch. Die Geschichte wir über Musik und Schauspiel erzählt, gibt eine Ahnung von unendlich und könnte „ewig“ weiter gehen.

Fortspinnen

Aber nicht nur Bilder und Töne setzen sich in den Köpfen der Zuschauer_innen fort – auch Gedanken zu einfach klingenden Fragen wie: „Was trinken Fische?“, „Wenn alle Flüsse aus Süßwasser bestehen, wieso sind dann die Meere salzig?“, „Wohin gehen geträumte Dinge?“...

Erwachsenen-Version: Verkopfteres Publikum

In der abendlichen Erwachsenenversion werden aus den kleinen Tischchen Kaffeehaustische, der Mann mit Hut ist nicht von Anfang an da, sondern stößt erst später dazu. Und die Teekanne gibt’s auch nicht. Der Sand – ohne die rötlichen Punkterl rinnt aus einer Box von ganz weit oben. Sowohl die schauspielerische als auch die musikalische Konstellation ist ähnlich, manches gedehnter, langsamer, ausgespielter – immerhin dauert die Version ja auch eine Stunde (die Kinderfassung nicht einmal eine 3/4-Stunde).

Neben dem uralten Wählscheibentelefon, mit dem die erwachsenen Zuschauer_innen auch noch eher etwas anfangen können wie Kinder, für die eine Zeit ohne Handy so ziemlich unvorstellbar scheint, liegt ein Telefonverzeichnis mit Einträgen von Archimedes über Aphrodite bis Achill. Gut, dass im Team auf der Bühne auch ein Künstler dabei ist, der griechisch beherrscht ;)

Ein paar der (kinder-)philosophischen Frage – siehe oben – sind hier die gleichen, einige anders, dafür werden an einem der Kaffeehaustische Witze erzählt. Das Publikum – zumindest bei jener Vorstellung, der der KiKu am selben Tag wie die Kinderversion besuchte - wirkt gehemmter, vielleicht auch von vornherein nachdenklicher, verfolgt das Spiel rund um Unendlichkeit – gefühlt – verkopfter, während die Kinder sich mehr aufs Bühnenspiel einließen.

Compliance-Hinweis: Die Fahrtkosten wurden vom Salzburger Toihaus Theater bezahlt.

Was? Wer? Wann? Wo?

immer/IMMER Toihaus Theater, Salzburg Ein kleines theatralisch-musikalisches Fenster ins Unendliche 2,5 bis 6 Jahre - ca. 3/4 Stunde bzw. Erwachsene (Abendvorstellungen) - ca. eine Stunde

Idee / Regie: Myrto Dimitriadou Spiel: Andreas Simma, Yoko Yagihara, Yorgos Pervolarakis Musik / Musikkomposition: Yoko Yagihara, Yorgos Pervolarakis, Gudrun Raber-Plaichinger

Bühne / Kostüm: Ragna Heiny Choreographische Begleitung: Katharina Schrott Technik / Licht: Alexander Breitner, Robert Schmidjell

Wann und wo? Bis 6. Mai 2017 Toihaus Theater 5020, Salzburg, Franz-Josef-Straße 4 Telefon: (0662)/874439-0www.toihaus.at