Kiku
17.12.2011

Humorvoller Kampf gegen eiskaltes Herz

Hans Christian Andersens Märchen "Die Schneekönigin" in einer spannenden, witzigen Inszenierung im Theater der Jugend

Mehrfacher Szenenapplaus von Beginn an, viele Lacher, manches beinahe angstvolle Zusammenzucken, ein lautstarker witzig zustimmender Sager eines jungen Zuschauers – und leider auch mehrere klingelnde Handys – das war die Premiere der Schneekönigin im großen Haus des Theaters der Jugend in Wien.

Witzige "Neben"rollen

Dafür (natürlich mit Ausnahme der – trotz Erinnerung vor der Vorstellung - penetranten Handy-Nicht-Abschalter) sorgte eine runde Inszenierung des Andersen-Märchens um den Sieg der Liebe gegen die Eiseskälte mit humorvollen Glanzlichtern vor allem durch „Neben“figuren. Umgesetzt durch eine starke Ensembleleistung, vor allem aber neben der starken, und dennoch unaufdringlichen Gerda (Iréna Flury) etliche doch noch herausragende „Neben“rollen. Besonders hervorgehoben sie das sogar zu einer Hauptrolle aufgestiegene verzauberte Rentier Dodo (Uwe Achilles). Selbstironisch verleiht er der ja nicht ungefährlichen Suche nach der Schneekönigin stets einen Schuss Leichtigkeit, streut Weisheiten aus Rentier-Sprichwörter („starker Gegenwind ist gut fürs Rentierfell“).

Herrlich witzig die Szene bei Doris, der beinahe kugelrunden Möchte-gern-Doris-Day, die Kinder in Puppen verwandelt und so eine skurille Couch aus Puppen und Kuscheltieren angesammelt hat.

Stark auch die Begegnung von Gerda und der Räuber-Chefin ( Felicitas Franz) samt unaufdringlich eingestreutem Brecht-Zitat, dass der reiche Mann den armen braucht, sonst wär er gar nicht reich.

Und das Rentier?

Das Happy end relativiert – Schneekönigin kann wieder Gefühle zeigen, womit auch der Eismann für seine Liebes-Hartnäckigkeit belohnt wird, der von ihr gefangen gehaltene Kai wird frei, worüber sich Gerda mehr als freut – wird vom „Rentier“ relativiert. Was mit dem nicht in seine tierische Form rückverwandelten Rentier sei, das wäre allen egal, beklagt er. „ja das stimmt“ – und das gleich zwei Mal lautstark von einem jungen Zuschauer sorgt für den letzten von vielen Lachern. Für die anderen hatten die Akteur_innen auf der Bühne direkt gesorgt.

Besetzung und Infos

Die Schneekönigin

Bis 28. Jänner (keine Aufführungen in den Weihnachtsferien)

Renaissancetheater

1070, Neubaugasse 36

 

Besetzung

Schneekönigin: Pia Baresch

Gerda: Iréna Flury

Kai: Benjamin Levent Krause

Dodo, verzaubertes Rentier: Uwe Achilles

Eismann: Andreas Kammerzelt

Doris: Bettina Schwarz

Großmutter/Alte Prinzessin: Doris Prilop

Räuber-Chefin: Felicitas Franz

Drei Jungs: Sebastian Blechinger, Felicitas Franz, Konstantin Shklvar

Sanni und Hilla, 2 Puppen: Felicitas Franz, Doris Prilop

Randolf: Sebastian Blechinger

Ritter: Andreas Kammerzelt, Benjamin Levent Krause

Räuber bzw. Hofstaat der Alten Prinzessin: Ensemble

Regie: Thomas Birkmeir

Bühnenbild: Andreas Lungenschmid

Kostüme: Jessica Karge

Dramaturgie: Gerald Maria Bauer

Licht: Lukas Kaltenbäck

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