Partyhüte, aber für Gebildete

Homebody/Kabul
Foto: Stefan Klemenjak Özge Dayan-Mair

Bildungsbürgerin bereitet sich auf Party vor - Monolog zwischen Wissen und Dekadenz.

Update 5. März 2017, 02.20 Uhr: Neue Termine im Wiener WuK hinzugefügt

 

Anklänge an ein Designer-Wohnzimmer. Fast leer, Raum, sich zu entfalten. Ein weißer Stuhl, ein ebensolches Regal, darauf ein Buch, darunter rote High Heels. Lässig kommt eine – schwarz gewandete - Lady rein. Offenbar gerade nach einem Blitzeinkauf. Sie stellt fast verschämt ein Plasticksackerl hinter dem Regal ab. Und beginnt zu quasseln, nein zu erzählen, schildern, aus- und abschweifend, stets mitschwingen lassen, wie gebildet sie ist. Aber nie unangenehm, immerhin transportiert sie viele, viele Informationen scheinbar zwanglos einbauend. Hin und wieder auch im Buch blätternd und daraus zitierend.

Standesgemäß

Homebody/Kabul Foto: Stefan Klemenjak Özge Dayan-Mair, in Wien lebende in Istanbul ausgebildete Schauspielerin, spielt das auf eine Stunde eingedampfte Stück Homebody/Kabul des US-Autors Tony Kushner als Monolog. Und sie spielt es echt, lebensnah, überzeugend, kein auswendig gelernter Monolog. Sie gibt die Figur authentisch, eine gebildete irgendwo in Mitteleuropa verheiratete Frau „mit Migrationshintergrund“ irgendwo aus dem Osten/Orient. Diese Frau steht kurz davor, eine Party zu geben. Dazu gehören Partyhüte. Solche hat sie besorgt (im Plastiksack). Natürlich keine gewöhnlichen, schon standesgemäße, also der Bildung angepasste. In einem von Afghanen betriebenen Laden hat sie – schon billig – orientalische Kopfbedeckungen erstanden.

Wissen, plaudern, Pillen

Ach ja, und da entdeckt sie den alten Kabul-Reiseführer auf dem Regal. Liest daraus, dass die Stadt schon eine mehrtausend-jährige Geschichte hat, von Persern gegründet wurde und sogar in einem indischen Epos vorkommt.

Dazwischen philosophiert sie über Magie und belebte Dinge, darüber dass jede Berührung angeblich korrumpiere, gibt aber auch Preis, dass sie und ihr Ehemann Antidepressiva nehmen. Um sich in seine Lage einfühlen zu können, hätte sie einmal seine Pillen geschluckt....

Dazwischen lässt sie unvermittelt Sätze los wie „Weiß der Nebel, dass er nebelt?“ oder stellt sich Fragen über die wahrhafte Liebe – oder jene, die nur liebt, um sich selbst widerspiegeln zu lassen...

Die Kopf- und weniger Herzensbildung unterstreicht sie mit ihrem Abgang, Griff zu den roten High Heels und ab zur nächsten Party.

 

 

Infos

Wann & wo?

Short Cuts aus Homebody/Kabul

Homebody/Kabul Foto: Stefan Klemenjak Monolog zum gleichnamigen Stück von Tony Kushner

dyan Theater & Performance
mit Özge Dayan-Mair
Regie: Brigitte Pointner

 

Wann & wo?

6./27. April , 4. Mai 2017, 20 Uhr
WUK, 1090 Wien, Währinger Strasse 59
[email protected]
www.dyantheater.com

(KiKu) Erstellt am
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