Eng, enger, Schubhaftzelle

Kopie von heroes5.jpg
Foto: Clemens Denk Zwei Flüchtende hier als Kriminalbeamter und Dolmetscherin (links und rechts)

"Heroes": Drei Frauen. Drei Lebensgeschichten. Viele Verhöre. Von Romano Svato im WerkX/Eldorado.

Update: 5. Mai 2016, 17.55 Uhr: Neue Spieltermine

Heftig, arg, emotional berührend, dass dir manchmal die Spucke wegbleibt. Und dann wieder skurrile Situationen, mitunter auch nur ein Satz, der zum Lachen zwingt. Im selben Moment geht dir aber durch den Kopf, dass viele Menschen solche oder ähnliche Situationen erleben – ganz in echt. Und das ist alles andere als lustig. Mitunter sogar tödlich. Wie es für Anaïss Saleh (gespielt von Denise Teipel) sein könnte. Aus dem Iran geflüchtet, als sie erlebte, dass sie Frauen liebt, wäre sie von der Todesstrafe bedroht, würde sie abgeschoben. Das macht ihr den beiden anderen Frauen gegenüber nicht gerade feines Verhalten gegen Ende des großartigen Stücks von Marianne Strauhs wohl nur zu erklärbar.

Flüchtende zu Verbrecher_innen gestempelt

heroes2.jpg Foto: Clemens Denk Sie, sowie Milena Djordjević (Cristina Ablinger), die eine aus dem Kosovo flüchtende Romni spielt und Saida (besonders glaubhaft arg gespielt von Simonida Selimović), die vom Krieg in Syrien vertreiben wurde, treffen in einer Zelle der Schubhaft aufeinander.

Die Zelle hat’s in sich. Bevor noch die erste Person auf der Bühne erscheint erzeugt die durch Baustellengitter eingegrenzte große Bühne im WerkX/Eldorado mit ihren Betten, dem Spind samt Waschtisch und Klo im selben Raum ein sehr beengendes Gefühl. Nach gelungener, oft abenteuerlicher Flucht statt endlich in Freiheit leben zu können, auf wenigen Quadratmetern eingesperrt zu sein. Wochen-, monatelang. Praktisch mit fast keiner weiteren Hoffnung. Dazu Verhöre die oft vermitteln, du bist kein Mensch, der vor bedrohlichen, (lebens-)gefährlichen, unhaltbaren Zuständen wegrennen musste, sondern eine Schwindlerin, eine Verbrecherin…

Kein Wunder, dass die zwar von ähnlichen Schicksalen Betroffenen, von diesen gewaltigen psychischen Rucksäcken fast zu Boden Gedrückten, dann mitunter bei scheinbar kleinsten Anlässen auszucken und in Streit geraten.  

Opfer und Täter

heroes4.jpg Foto: Clemens Denk Übrigens ein genialer Schachzug von Regisseurin Sandra Selimović: Außer dem Polizisten (Jörg Waltenberger) werden die verhörenden Beamten bzw. die Dolmetscherinnen in mehrfachen Rollenwechseln von jenen drei Darstellerinnen gespielt, die auch die geflüchteten Frauen geben.

Das knapp mehr als eineinhalbstündige Stück vermittelt neben der Dynamik auf engsten räumlichen Verhältnissen nicht zuletzt den oft menschenverachtenden Umgang mit vor ärgsten Verhältnissen Flüchtenden, die es knapp in die „Festung Europa“ geschafft haben. Und lockert mit mancher Situationskomik doch auf, lässt die Situation ertragen. Eine solch beinahe genialer Wortwechsel kann vielleicht sogar als praktische Hilfe im eigenen, viel weniger argen, Alltag dienen. Milena schreit in einer Situation Saida anklagend an: „Das wird ich dir nie, nie vergessen!“ - „Dann merk dir’s halt!“, kontert diese.

Infos

heroes1.jpg Foto: Clemens Denk HEROES
Drei Frauen. Drei Lebensgeschichten. Viele Verhöre.

Eine Produktion von Romano Svato in Kooperation mit WERK X

Inszenierung: Sandra Selimović
Text: Marianne Strauhs
Schauspieler_innen: Cristina Ablinger, Simonida Selimović, Denise Teipel, Jörg Waltenberger

Wann & wo?
26./27. Mai 2016
OFF-Theater
1070, Kirchengasse 41
Telefon: (01) 5231729
bzw. 0681 81489431
[email protected]

www.romanosvato.at

(KiKu) Erstellt am
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