Leben | Kiku 05.12.2011

Gedichtete Sehnsucht nach Licht...

... und andere preisgekrönte Texte bei "Ohrenschmaus 2011"

Berührende Wort- und Gedankenbilder, mitunter kurz und prägnant in Satzbrocken harte Wahrheiten hingehämmert, oder in scheinbar verrückte Geschichten "verpackte" tief verunsichernde Alltagsgeschichten, aber ebenso auch schräge witzige fantasievolle Erzählungen - die Bandbreite der ausgezeichneten Texte von "Ohrenschmaus" ist groß. Zum fünften Mal wurde diese Literaturpreis für Menschen mit Lernbehinderungen vergeben. Verborgene Talente, wo sie kaum wer vermutet hätte, so freut sich Initiator Franz-Joseph Huainigg, zum fünften Mal.
Anfangs vielleicht mit der einen oder anderen Skepsis beargwöhnt, ließ er sich nicht davon abbringen, schrieb den Preis aus und konnte dafür unter anderem prominente Schreibende für die Jury gewinnen. Felix Mitterer, einer dieser meinte im ersten Jahr nach Begutachtung der rund 100 ersten Texte: "Kein Mitleidsbonus, keine Peinlichkeit - einfach Literatur". Und die müsse ihn, so derselbe bei einer der folgenden Preisverleihungen: "gute Literatur muss mich berühren, ich muss dabei Neues erfahren". Und dies erlebe er Jahr für Jahr bei der Lektüre für die "Ohrenschmaus"-Jury.
Ähnlich überrascht und angetan zeigte sich Karlheinz Töchterle. Für den Wissenschaftsminister war die diesjährige Preisverleihung als Ehrengast eine Premiere.

Bilder von der Preisverleihung sowie einige der preisgekrönten Texte in der Fotostrecke, andere zum download unter den Links unten!

Ausgezeichnet

Besonders fantasievoll diesmal der Text von Gregor Haller, mit dem er es auf die Ehrenliste schaffte. "Straßenbahn im Apfelbaum" lädt einfach zum Einsteigen und gedanklichen Mitfliegen ein.
Josefine Bitschnau, die schon vor zwei Jahren die Kategorie Lebensberichte gewonnen hatte, hämmert in kurzen, teils rudimentären Sätzen, eindringliche und anschaulich hin: "Will nicht mehr leben, wenn wieder Krieg".
Reinhard Schmidt aus dem deutschen Hannover verbirgt in Geschichten über aufs erste sinnlos erscheinenden wiederkehrenden Handlungen tiefgreifende Gefühls-Sehnsüchte. In "Ascheimer" lässt er Tag für Tag den Ich-Erzähler ein im Café geschenktes Stück Kuchen in den Mistkübel eines Supermarktes werfen. In "Liebe" schildert er die tägliche Blutabnahme zur Überprüfung der Blutzuckerwerte in ein und derselben Apotheke.
Die jüngste Preisträgerin ist erst 18. Ruth Oberhuber verfasst Gedichte, die oft um die Sehnsucht nach Licht und Sonne kreisen. Sie habe erst spät lesen gelernt vertraut sie dem (Online-)KiKu an. "Dann hab ich aber bald mit viel Ausdauer gelesen" und bald entdeckte sie auch ihre Liebe zum Schreiben, begann eine Literaturgruppe der Diakonie zu besuchen und "habe zuerst nur für mich geschrieben". Bald traute sie sich aber auch die Texte den anderen zu zeigen oder vorzulesen. "Wenn ich schreibe, dann habe ich am Anfang ungefähr die halbe Geschichte fertig im Kopf", die schreibt sie dann in Gedichtform, um sich anschließend die weiteren Zeilen ergeben zu lassen. "Ich les mir das Geschriebene aber oft durch und verändere auch viel."
Ob sie mit einem Sieg gerechnet habe?
"Ein Gewinn war schon auf meiner Rechnung!", meint sie selbstbewusst, immerhin hatte sie es schon vor zwei Jahren mit Texten auf die Ehrenliste geschafft.

Ihre gedichteten Sehnsüchte nach Licht und Sonnenschein findest du in der Fotostrecke

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011