Leben | Kiku 21.04.2017

Bühnen-Dauerbrenner Pubertät

Szenenfoto aus "Frühlingserwachen" im Ateliertheater © Bild: Julius Schwestka

Frank Wedekinds vor 125 Jahren geschriebenes Pubertätsdrama "Frühlingserwachen" - gespielt von einem jungen Ensemble im Wiener Ateliertheater.

Ob 2500, 400 oder „nur“ 125 Jahre alt – manche Theaterstücke sind praktisch immer aktuell. Ob antike Tragödien oder Shakespeare – Machtkämpfe, Intrigen, Leidenschaft, Liebe bzw. ihr gesetzte Grenzen – sie sind nahezu zeitlos. Und die bestens gebauten Stücke funktionieren auch Jahrhunderte später. Ähnliches gilt auch für Frank WedekindsFrühlingserwachen“.

Eltern und Schule als Hindernisse

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Szenenfoto aus "Frühlingserwachen" im Ateliertheater © Bild: Julius Schwestka

Pubertät ist, auch wenn sie heute Jahre früher einsetzt als vor 125 Jahren und wenn (sexuelle) Aufklärung nicht mehr so tabu ist wie 1891 (fertig geschrieben) bzw. 1906 (erstmals aufgeführt), haben’s auch heutige Jugendliche nicht so leicht. Sich selbst und die eigene Rolle in der Gesellschaft aber auch im unmittelbaren persönlichen Umfeld zu finden, ist eine schwieriger emotionaler Kamp, ein Ringen, ein Suchen, oft Verzweiflung. Eltern sind da nicht immer eine große Hilfe, nicht selten sogar mehr Hindernis. Und dass ausgerechnet in jener Lebensphase, die sehr viel Energie abverlangt Schule so tut als wäre sie das Wichtigste, geistige und emotionale Konzentration abverlangt, ist der Persönlichkeitsentwicklung auch nicht sehr zuträglich.

Dauerbrenner

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Szenenfoto aus "Frühlingserwachen" im Ateliertheater © Bild: Julius Schwestka

So ist es nicht erstaunlich, dass „Frühlingserwachen“ landauf, landab immer wieder an Stadttheaters aber auch von freien Gruppen inszeniert wird. Derzeit ist es in einer Version im Ateliertheater in der Wiener Burggasse zu sehen. Der junge Theatermacher Florian Wischenbart hat es aktualisiert, in die heutige Zeit gestellt – konnte aber vieles von Wedekind belassen. Klar, Handy gab’s damals noch lange nicht. Aber der Stress bevorstehender Prüfungen, die vor allem darauf abzielen, zu zeigen, was Jugendliche nicht können, ist strukturell der gleiche geblieben.

Breites Gefühlsspektrum

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Szenenfoto aus "Frühlingserwachen" im Ateliertheater © Bild: Julius Schwestka

Wie ist das mit den aufkeimenden Gefühlen, körperlichen Veränderungen – heute redet sich’s leichter darüber, aber die Verunsicherung ist im Grunde ähnlich. Und so spielt das junge Ensemble – mit Ausnahme einer frühen Szene in der sie sich und ihre Haltung zu Sex mit ihren eigenen Vornamen vorstellen – die Wedekind’schen Figuren und Szenen von schwermütig bis leichtfüßig. Von Situationskomik und Wortwitz bis zur Verzweiflung, hier nicht her zu passen... transportiert das junge Ensemble in den eineinhalb Stunden ein breites jugendliches Gefühlsspektrum.

Ein kleiner Wermutstropfen: So manches spielt sich im sitzen oder Liegen auf dem Bühnenboden ab – für viele im Publikum des Theaters, das eins Kino war nicht wirklich gut zu sehen.

Was? Wer? Wann? Wo?

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Szenenfoto aus "Frühlingserwachen" im Ateliertheater © Bild: Julius Schwestka

FrühlingserwachenNach Frank Wedekind

Buch & Regie: Florian Wischenbart

Melchior Gabor: Thomas Hold Wendla Bergmann: Julia Werbick Frau Bergmann: Petra Studeny Moritz Stiefel: Nikolaus van Rahden

Gymnasiasten Otto: Lovro Rapić Ernst: Manuel Sonnleitner Gerog: David Heybey Hänschen: Adrian Echerer

Schülerinnen Martha: Johanna Klugsberger Thea: Linda Pichler Ilse: Viktoria Hillisch

Stimmen aus dem Off Vermummter Herr: Alexander Pschill Frau Gabor: Renate Burtscher Prof. Knochenbruch: Mattheus Gruber Rektor Sonnenstich: Rüdiger Wischenbart Pastor Kahlbauch: Stefan Fleischhacker Onkel Probst: Florian Wischenbart

Regieassistenz: Jasmin Bilek

Wann? & wo? Bis 23. April 2017 Ateliertheater, 1070, Burggasse 71 Telefon: 0650 / 505 10 25www.ateliertheater.net

Karten: fruehlingserwachen.karten@gmail.comoffice@ateliertheater.net

( kurier.at , kiku-heinz ) Erstellt am 21.04.2017