Im "Konfigurator"-Raum wird virtuelles Geld auf Ausgabengruppen verteilt

© Heinz Wagner

Financial Life Park
10/30/2016

Geldmuffel, Sparfuchs oder Finanzgenie.

Zwei Stunden (virtuelle) Spiele rund um Geld und Wirtschaft im Erste Financial Life Park beim Wiener Hauptbahnhof.

von Heinz Wagner

Der Weltspartag – normalerweise am 31. Oktober – wurde in diesem Jahr vorverlegt, offenbar weil der „Fenstertag“ zwischen Sonn- und Feiertag nicht so ideal schien. Mit diesem Tag wurde auch – wenngleich unfreiwillig zu medialem Ruhm gekommen (Konfetti-Kanone löste Sprinkleranlage aus) – der Finanz-Lehr-Spielplatz – offiziell - eröffnet. Der Erste Financial Life Park (FLiP) wurde schon seit Monaten von Kindern und Jugendlichen testweise erprobt. Auf zwei Ebenen warten fünf Stationen auf wissbegierige Kinder und Jugendliche, um sie – angepasst an Altersgruppen – spielerisch mit Geld, Preis, Wert usw. vertraut zu machen.

Testlauf mit einer HASch-Klasse

Der Kinder-KURIER durfte die Jugendlichen der 1cs der Handelsschule Friesgasse bei ihrer Tour wenige Tage vor der Eröffnung begleiten. Zunächst kriegt jede und jeder ein speziell für diese Toru programmiertes Tablet, hier genannt „Wallet“. Das englische Wort für Brieftasche verwirrt vielleicht ein wenig, weil es sich beim FLiP nicht um ein Simulationsspiel mit virtuellem Geld handelt. Lediglich in der ersten Station, dem Konfigurator geht’s direkt um Geld. 3D-geprintete symbolische Objekte stehen für verschiedene Ausgabengruppen wie Wohnen, Freizeit, Medien, Mobilität... Die Spieler_innen werden per Zufall zu Schüler_in, Student_in, Lehrling oder Vollzeit-Beschäftigter/m und haben demnach entweder 80 Euro monatliches Taschengeld, 800 Euro Lehrlingsentschädigung, 1274 € Gehalt oder 730 Euro als Studierende/r. Mit der „Brieftasche“ gilt es nun zu überlegen, wie die Summe auf die verschiedenen Ausgabenbereiche aufgeteilt werden soll – per Einscannen der genannten Ausgaben-Gruppen-Symbole.

Hier konnten wir keine Schulden machen!

Haben alle ihr Geld ausgegeben, fassen die Vermittler_innen die Ergebnisse der einzelnen Tablets zusammen, schon ist die Gesamtverteilung zu sehen. Sie wird grafisch dargestellt – und in der Folge verglichen mit dem österreichischen Durchschnitt. Bevor‘s zur nächsten Station geht ist noch Zeit, über das eben Geschehen zu sprechen, diskutieren, Schlüsse zu ziehen. „Naja, hier war’s einfach, wir konnten nicht mehr Geld ausgeben, als wir hatten“, erkennen einige der Jugendlichen. In echt hätten die einen oder anderen schon Schulden gemacht, andere „legen immer was zur Seite, weil für viele Ausgaben ja die Eltern aufkommen“.

Im Tresor-Raum – die Schließfächer sind echt aus einer alten Bankfiliale echt – geht’s sehr spielerisch um Fragen von Preis und verschiedene Werte – materielle, ideelle, „situative“ (abhängig von der jeweiligen Situation).

Wissensfragen zum Umgang mit Geld werden nicht einfach abgeprüft, sie sind in der Gruppe zu lösen, wobei ein Gruppenmitglied auf ein Fahrrad steigt. Das Treten wird leichter oder schwieriger – je nachdem wie viele Fragen richtig beantwortet werden. Je nach Wissen winken die Titel Geldmuffel, Sparfuchs oder Finanzgenie.

In einer anderen Station – rund um eine Art Kugel aus Monitoren – taucht auf dem „Wallet“ ein schematischer Wohnungsplan auf. Wo kommt der Teppich her, wo der Kühlschrank, wo... „Getting global“ will die Zusammenhänge der Weltwirtschaft aber auch die zurückgelegten Kilometer von Produkten plastisch vor Augen führen.

Meinungsraum

Apropos vor Augen führen und Entscheidungen treffen. In einem eigenen Meinungsforum werden Fragen nach pro und contra einer möglichen Abschaffung des Bargeldes, der seinerzeitigen Einführung des Euro usw. gestellt. Mit einem einfachen Klick voten die Teilnehmer_innen mit Ja oder Nein. Haben alle abgestimmt, erscheint sofort das Gesamtergebnis auf zwei großen Monitoren. Dort werden nun Straßenumfragen zum selben Thema abgespielt und Statements von Fachleuten – einmal pro, einmal contra. Nun wird neuerlich abgestimmt. Hat sich das Stimmverhalten verändert?

Wo man am meisten machen konnte

Am Ende des Parcours – nach rund zwei Stunden – erzählen einige der Jugendliche dem Kinder-KURIER ihre Eindrücke. Filip: „Ich fand die erste Station, den Konfiguratorraum am besten, weil man da selber entscheiden konnte, wie man das Geld ausgibt und dafür überlegen musste, was einem wichtiger ist.“
Aliye: „Das war auch meine Lieblingsstation. Ich hab nur so viel Geld übrig gehabt, weil ich eine Angestellte war. So viel Geld hab ich normal nie zur Verfügung. Mir sind eigentlich noch 1006 Euro übrig geblieben. In echt geb ich das meiste Geld aber für Essen und Gewand aus.“
Natalie und Jelena meinten: „Vieles haben wir ja schon von der Handelsschule gewusst. Hier haben uns am besten der erste Raum (Konfigurator) und der Tresor gefallen – weil wir da selber am meisten machen konnten.“

... vom Durchgang mit einer Schulklasse

Von Übungsfirmen und Kinderstädten

„Learning by doing“ ist das Motto bei Juniorfirmen ab der 9. Schulstufe. Jugendliche gründen Firmen, die im Gegensatz zu den meisten der verpflichtenden Übungsfirmen in Handelsakademien und -schulen ganz echt Wirtschaft betreiben: Sie fertigen und verkaufen Produkte an oder bieten Dienstleistungen – vom Babysitten bis zur Homepage-Gestaltung... Oft sind es freiwillige Gruppen, immer öfter sind Junior-Firmen aber auch Teil des Unterrichts, insb. In Geografie und Wirtschaftskunde.
www.junior.cc

In Handelsschulen und Handelsakademien führen Schüler virtuelle „Übungsfirmen“ – sämtliche Funktionen echter Firmen gilt es auszuprobieren – von der Buchahltung über Geschäftsführung, vom Marketing bis zum Ein- und Verkauf. Die Idee wurde exportiert, mittlerweile kann mit Übungsfirmen in fast zwei Dutzend Ländern gehandelt werden.
http://www.act.at

Einige Schulen bieten Vorbereitungen auf den „Europäischen Wirtschaftsführerschein“ an. Die Abschlussprüfung ist standardisiert, derzeit in 34 Ländern. In Österreich haben ihn bisher rund 10.000 Menschen absolviert, davon rund 2.000 Schüler_innen und Studierende.
www.ebcl.at

In einigen Bundesländern – Vorarlberg und Oberösterreich - gibt es außerdem einen „Finanz-Führerschein“ für Jugendliche, teils initiiert von der Schuldnerberatung. 9.000 bzw. 20.000 Jugendliche haben diesen in den beiden Bundesländern bisher bestanden.
www.fitfuersgeld.at

www.schuldner-hilfe.at

Spielerisch tauchen schon jüngste Kinder ins Geld- und Wirtschaftsleben in den Kinderstädten ein. Beim Arbeitsamt stellen sie sich um einen Job an, üben den dann aus und erhalten bei der Bank – nach Abzug von Steuern – ihr (Spiel-)Geld. In Österreich sind die bekanntesten Kinderstädte Mini-Salzburg (alle zwei Jahre jeweils drei Wochen) und „Rein ins Rathaus“ in Wien (jährlich, sechs Tage). In diesen Kinderstädten können die jungen Bürgerinnen und Bürger auch eigene Parteien gründen, kandidieren, wählen und gewählt werden. Die Regierungen können Gesetze ändern oder neue erlassen...
http://minisalzburg.spektrum.at

www.reininsrathaus.at

Was? Wann? Wo?

Gruppen – bis 32 Teilnehmer_innen – können den zweistündigen Parcours, betreut von ein bis zwei Wissensvermittler_innen (je nach Gruppengröße)
Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr durchlaufen. Kostenlos.
* Detektiv_nnen 4. bis 8. Schulstufe (10 bis 14 Jahre)
* Entdecker_innen 9. bis 11. Schulstufe (15 bis 17 Jahre)
* Expert_innen ab 12. Schulstufe (ab 18 Jahren)
Darüber hinaus gab es schon und wird es weiter in den Ferienspielen die Möglichkeit für Einzelbesucher_innen geben, zu fixen Zeiten FLiP mit anderen zu durchlaufen, ab dem kommenden Jahr auch an Samstagen, demnächst auch an Freitag Nachmittagen.

Wo?

Erste Financial Life Park; 1100, Am Belvedere 1 (Nähe Hauptbahnhof)
Telefon: 05 0100 11900

(Unterrichts-)Materialien
Außerdem gibt es auf der Homepage Infobroschüren von Fremdwährungskrediten bis zu Roaminggebühren kostenlos zum Download, ebenso Unterrichtsmaterialien zur Vor- und Nachbereitung bzw. unabhängig vom Besuch des Financial Life Parks.

Merh auf der FLiP-Homepage

Hier geht's zu einem Beitrag auf der Futurezone des KURIER

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