Experimentier­f­reu­dige Jugendliche

Science Fair Sacre Coeur, 2017
Foto: Heinz Wagner Plastik aus Milch wollten diese Schülerinnen herstellen

Zum dritten Mal fand eine Wissenschaftsmesse der vierten Klassen des Wiener Gymnasiums Sacré Coeur am Rennweg statt.

Plastik aus Milch, Rosinen wieder in Weintrauben verwandeln, Wachs als Kleber, Slime aus im Haushalt verfügbaren Materialien, Hard- und Software für einen kleinen Roboter, der per Ultraschall-Sensoren bei jedwedem Hindernis stoppt, wie muss ein Ball getreten werden, damit er eine Kurve um die Mauer herum macht? Das und noch viel, viel, viel mehr stellten Jugendliche aus vier vierten Klassen des Gymnasiums Sacré Coeur bei der – nunmehr – dritten Wissenschaftsmesse in ihrer Schule diese Woche vor. Wochenlang hatten sie die Laborräume ihrer Schule vor allem aber viel in ihrer Freizeit geforscht, experimentiert.

Nicht aufgeben!

Science Fair Sacre Coeur, 2017 Foto: Heinz Wagner Vieles ist auf Anhieb gelungen, anderes musste verworfen und neu gedacht oder probiert werden. Vegane Gummibären 1.0 wurden beispielsweise selbst nach einem Monat im Kühlschrank nicht wirklich fest, weswegen die jungen Forscherinnen dieses Experiments, andere Mixturen ausprobieren mussten. Jungs, die Hard- und Software für einen Roboter entwickelten, der dank Ultraschall-Sensoren bei Hindernissen stoppt, „mussten zwei Mal für die Stromversorgung umbauen“.

Der Kinder-KURIER schaute und hörte sich bei der Science Fair am Rennweg um. Im Folgenden in der Bilder-Strecke Fotos – samt Texten über 20 der 31 vorgestellten Projekte.  

Fotos und Texte ...

... über 20 der 31 Projekte der Science Fair 2017 im Sacre Coeur

Tintenkiller selber herstellen wollten Kathi Schäfer, Sherin John, Alexandra Oppolzer und Monika Božić. Und sie taten’s – aus drei verschiedenen Natrium-Verbindungen und deren Lösch-Fähigkeit verglichen die vier Schülerinnen. In Wien könnte der Titel des Projekts von Paul Schachhuber und Maximilian Falkner zu Verwirrung führen. Grätzel sind hier kleine Viertel innerhalb eines Bezirks. Doch der Schweizer Michael Grätzel erfand vor rund einem Viertel-Jahrhundert Farbstoffsolarzellen zur Umwandlung von Licht- in elektrische Energie. Damit  ... ... befassten sich die beiden Schüler und wurden so zu „Stromproduzenten“. Welchen Einfluss hat Wassertemperatur auf das Färben von Blumen? Das wollten Helena Weninger, Yessica Vanorek und Katharina Sobl wissen – und probierten’s aus. Ist das Wasser warm, erfolgt die Verfärbung schneller, dafür aber verwelkt die Blume schneller. Bei kaltem heißt’s mehr Geduld, aber länger Freude an der Pflanze. Caroline Bär und Antonia Patsch präsentierten das Projekt, das sie gemeinsam mit Katharina Sepér (am Science-Fair-Tag krank) gemacht hatten. Einen natürlichen Kefir-Pilz setzten sie in Milch und maßen sein Wachstum bzw. auch damit die Umwandlung von Milch in Kefir. Im so natürlich hergestellten Getränk ... ... findet sich – im Gegensatz zu den gekauften fertigen – nicht dieser Zuckergehalt, ist also für die Darmflora wirklich gesund. Selbst hergestellt haben auch Alexandra Veselska, Filip Kazimirović und Olivia Biniek Slime – und das aus natürlichen, im Haushalt oft vorhandenen Mitteln: Wasser oder Nagellackentferner, Bastelkleber, Natron (in Backpulver) ist die Grundmischung. ... ... Dazu lässt sich noch Lebensmittelfarbe hinzufügen. Die drei Jugendlichen hantierten mit unterschiedlichen Mengenverhältnissen – manche ergaben zu flüssige Slimes, andere waren ziemlich reißfest. Nina Palatty, Tamara Pfeifer, Michelle Esti und Hannah Kirmair wiederum produzierten eigene Gummibären – noch dazu verscheiden Arten: welche mit Fruchtsirup bzw. -saft, solche mit Cola bzw. vegane. „Es hat nicht immer alles auf Anhieb geklappt“, gestehen die vier Schülerinnen. ... ... „Manche waren zu flüssig, der erste Versuch der veganen Gummibären war nach einem Monat im Kühlschrank noch immer nicht fest.“ Letztlich hat’s geklappt – und so gab’s die verschiedenen Arten am Stand dieser Projektgruppe zu kosten. Klebrigkeit war das Thema des Wissenschafts-Versuchs von Tim Orler, Elias Baumann, Marc Langer und Manuel Iyverattu. Diese vier Schüler experimentierten mit Wachs – pflanzlichem, dem von Bienenstöcken sowie Parafin. Für die Wissenschaftsmesse legten sie eine Leiter auf den Boden, ... ... befestigten an beiden Enden mit Seilen je eine quadratische Holzplatte. Die klebten sie mit dem Wachs zusammen und begannen dann jeweils die Seile auseinander zu ziehen. Dabei wurde die jeweilige Kraft gemessen. In der Versuchsreihe davor ergab sich, dass Bienenwachs den meisten Kraftaufwand erforderten, um die Holzstücke auseinander zu reißen. In Mischungen von Wasser mit drei verschiedenen Spülmittel-Sorten ließen Pia Hohenbichler, Nina Jost und Tobias Frischmann Trockeneis mit Hilfe eines Trichters und eines Schlauches einfließen. Welche der Blasen, die sich dann bilden, würde am größten bzw. stabilsten sein – das war die Forschungsfrage. „Mit Trockeneis durften wir hier leider nicht experimentieren“, bedauern die Jung-forscher_innen. Bei der Science-Fair wäre es angesichts des Gewusels ... ... von interessierten Schüler_innen anderer Klassen und weiteren Besucher_innen zu gefährlich gewesen. Und so zeigte das Trio Videos, die sie bei den Versuchen in geschütztem Rahmen gefilmt hatten. Warum Kleber kaufen, mach dir deinen eigenen. Nach diesem Motto experimentierten Lyubomir Filipov, Johannes Guirguis, Kathrin Kiegler und Veronika Suvak mit Mehl, mit Zucker, mit Stärke und mit Gelatine. Die verschiedenen mit diesen vier genannten Zutaten hergestellten Klebstoffe ... ... strichen sie dann jeweils rund einen Zentimeter dick auf eine Holzplatte, klebten eine zweite gleich große Platte drauf und brachten an beiden Kraftmesser an. Ergebnis: Mehl hielt am schlechtesten, danach folgte Zucker mit nur wenig größerer Pick-Kraft, dann Stärke. Deutlich mehr hielt der Gelatine-Kleber. Natürliches Plastik wollten Sonja Gruber, Cristina Melchor, Enya Syrovatka und Alicia Nguyen herstellen. Und fanden im Internet die Mischung Milch plus Essig bzw. Zitronensaft oder -säure. Erstere erhitzen sie – auch bei der Wissenschaftsmesse, rührten die jeweilige Zutat ein, ließen weiter köcheln – und fertig ist die Plastikmasse. Lebensmittelfarbe dazu und schon wird’s bunt. ... ... Die vier Mädchen hatten im Rahmen ihres Projekts auch Tonformen angefertigt – für ein Messer und einen Löffel. Erstere geriet so eng, dass das Metallmesser, das sie für die Form verwendet hatten, fest „eingemauert“ blieb. In zweiterer hingegen gelang es ihnen, Löffelchen zu gießen. ... ...  „Für die Umwelt wär’s zwar besser, weil dieses Plastik dann auch leicht abgebaut werden kann, aber es braucht halt schon sehr viel Milch für so kleine Dinger.“ Maria Goldenberg, Claudia Hollinsky und Gratia Franckenstein untersuchten den Einfluss von Temperatur und Helligkeit auf das Wachstum von Kristallen – natürlich experimentell. Kupfersulfid einerseits und Kalialaun andererseits mischten sie mit Wasser, kochten die Mixtur auf, filterten sie, ließen Fäden reinhängen und stellten ... ... manche dieser Experimentiergläser in eine Schachtel, andere in einen Kühlschrank und andere ins Tageslicht. Quintessenzen: Im Dunklen „wuchsen“ die Kristalle am besten, im Kühlschrank am wenigsten gut. Und die Kupfermischung war fürs Kristallwachstum förderlicher als die zweitgenannte. Marcel Lipp, Max Urban, Simon Perger, Sigrun Perus und Elisa Wiltschko experimentierten mit Obst und Gemüse, um heraus zu finden, wo mehr Spannung drinnen ist – und damit was mehr Strom hergibt. Sie verglichen Äpfel mit Erdäpfel (Kartoffel) und Zwiebel. ... ... Aus letzterer ließ sich am meisten Strom messen. „Aber wir wollten auch wissen, ob die Spannung steigt, wenn wir die drei Sorten in Serie schalten“, meinen die fünf Schüler_innen. „Ja, in der Serienschaltung konnten wir 1,5 Volt messen, bei den einzelnen Stücken nur weniger als ein Volt.“ Sowohl Soft- als auch Hardware für den kleinen Roboter, der bei Hindernissen stehen bleibt, sind Eigenbau von Elias Kosma, Brian-Joe Mappalakayil und Andro Agayby. Das Programmieren sei noch das leichtere unterfangen gewesen, berichten die Jungforscher: in C + + ... ... Der Bau samt Ultraschall-Sensoren war auch keine unüberwindbare Hürde, „Was uns Probleme gemacht hat, war die Energieversorgung. ... ... Da mussten wir zwei Mal umbauen – jetzt haben wir eine wieder aufladbare Batterie aus einer Powerbank eingebaut.“ Alexander Pill und Nikolaus Leinich kicken gern. Und so nahmen sie ihr Hobby zum Ausgangspunkt ihres wissenschaftlichen Experiments. Sie investierten in einen Smart-Ball, der verschiedenste Daten registrieren und per App ans SmartPhone übertragen kann, beispielsweise die Geschwindigkeit mit der er getreten wird und wo genau und Flugbahn usw. ... ... Besonders interessierten sich die beiden Fußballer dafür, wie einem Ball beim Schuss so ein Effet (Drall oder auf gut wienerisch Fett’n) mit auf den Weg gegeben werden kann, dass er etwa vom Corner (Eckball) direkt im Tor landen könnte, oder zumindest bei einem Freistoß an der Mauer vorbei eine Kurve beschreibt. ... ... Als „Nebeneffekt“ kamen sie drauf: „Wenn der Ball eine raue Oberfläche hat, fliegt er stabiler, aber das war gar nicht unsere Forschungsfrage. Die meiste Arbeit war übrigens aus den fünf Stunden Videoaufnahmen ein dreiminütiges Video zusammen zu schneiden!“ Rosinen sind getrocknete Weintrauben. Aber geht’s auch umgekehrt, lassen sich Rosinen wieder zu Weintrauben „aufwassern“? Das war das Wissenschaftsprojekt von Chiara Ostos, Katharina Treu, Laura Rüling und Deirdre Rührig. ... ... „Eigentlich wollten wir ja 15.000 Volt-Blitze erzeugen. Oder wenigstens versuchen, ob sich Wasser frittieren lässt“, meinen die vier jungen Forscherinnen zum Kinder-KURIER. „Weil das aber zu gefährlich gewesen wäre, mussten wir uns was anderes suchen...“, meinen sie ein wenig enttäuscht. ... ... Ach ja, die Rückverwandlung funktionierte je nach Rosinen-Sorte und verwendetem Wasser – Leitung, destilliert, Mineral – unterschiedlich. „Aber selbst die, die viel aufsaugen konnten, haben dann nach Nix geschmeckt!“ Isabelle Schäfer, Anastasiya Pavlenko und Anna Beatriz Schönburg interessierte ursprünglich, ob unterschiedliche Augenfarben sich in der chemischen Zusammensetzung unterscheiden. Das war den drei jungen Forscherinnen dann nicht genug und sie begannen ... ... – dank privater Kontakte zu einer Schlachterei - Augen toter Rinder bzw. Schweine zu sezieren und analysieren.... ... Kühe – das fanden sie in der Literatur-Recherche im Internet – haben ein fast 360-Grad großes Blickfeld, können also auch sehen, was sich hinter ihnen abspielt. Für Morris Zwick, Ludovico Ursi und Kilian Jank war die Begrenztheit sowie die Umweltschädlichkeit fossiler Brennstoffe Ausgangspunkt ihres Projekts. Magnet-Schwebebahn wäre ein zukunftsträchtiges Transportmittel, so ihre Überlegung. ... ... Außerdem fällt hier die Reibung auf Gleisen und damit Verschleiß weg. Hinter der Funktionsweise steckt das Prinzip, dass gleiche Pole einander abstoßen. Gedacht, gesagt – und in die Tat umgesetzt. ... ... Die drei Schüler bauten eine schräge Ebene aus einer Holzplatte mit kleinen, sehr starken Magneten – und ließen darüber eine kurze Platte mit gleichpolig montierten Magneten schweben. In handelsüblicher Schoko-Haselnusscreme (Nutella) ist Palmöl drinnen, ein Fett der Früchte der Ölpalme - billig und gut zu verarbeiten. Umwelt-Fachleute und engagierte Schützer_innen weisen allerdings auf die Nachteile für Natur, Tierwelt und Menschen in den Regionen mit den Bäumen, die diese begehrten Früchte tragen, hin. ... ... Hanna Kinga Békési, Regina Delić und Anna Popadić recherchierten deshalb Alternativen – und produzierten auch eigenhändig eine solche streichfähige Creme ganz ohne Palmöl, einfach mit Butter – bestrichen mit dieser – sowie mit gekaufter palmfettiger Palatschinken und ließen die Besucher_innen kosten. Rhea Dessović, Viktoria Pinzer und Monika Göksun kauften einen kleinen Sterling-Motor, dessen Kolben ein Rad durch den Unterschied der Lufttemperatur zweier Kolben funktioniert. Sie testeten, ob beispielsweise Rapsöl oder Diesel oder Biodiesel wirkungsvoller wäre. ... ... Letzterer wäre zwar am besten geeignet, so die Schlussfolgerung des Trios, „aber dafür gibt es zu wenig Anbaufläche auf der Welt, sonst bleibt zu wenig für Nahrungsmittel“. Ziemlich grindig wirkt das rechte der beiden Fotos, die Riya Thekkumala, Anaïsa Korell und Felicia Scharitzer vergrößert auf einer Schautafel zeigen. Sie haben auch das Original dazu in einer durchsichtigen Kunststoff-Box, ... ... „aber eine geruchshemmende Folie, weil das ziemlich stinkt“. Drinnen befindet sich en selbst hergestellter Burger – nach zwei Wochen. In der linken Box, ein in einer Fastfood-Kette gekaufter. Der schaut fast aus wie neu, nur ein wenig zusammengesunken.
Also besser?
Nein, das geht nur, weil in dem viele Konservierungsstoffe .... ... drin sind, beim eigenen setzt die natürliche Schimmelbildung ein. Das Forscherinnentrio hat im Verlauf der beiden Wochen immer wieder auch Abstriche gemacht und diese analysiert.
(kiku) Erstellt am
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