Tänzerisch Begrenzungen in Frage stellen

"Where to be born?" von .EVOLve Theatre Company
Foto: Caspar Thiel "Where to be born?" von .EVOLve Theatre Company

.EVOLve Theatre Company - internationales Team jugendlicher Tanztheaterleute gastiert mit „Where to be born?“ im Wiener Schauspielhaus.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So beginnt Artikel 1 der Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen – beschlossen am 10. Dezember 1948. Gerade nach den Erfahrungen, des davor überwundenen zweiten Weltkrieges und des Nazi-Regimes, das nicht nur diesen ausgelöst hatte, sondern zusätzlich massenhaft und systematisch Menschen als „Untermenschen“ vernichtete, war dieses klare und einfach formulierte Postulat wichtig – und weitgehend allgemein  willkommen. Auch wenn es vielfach von der gelebten Realität weit entfernt war – und ist. Hatten und haben doch vielerorts etwa Frauen, Kinder sowie Angehörige ethnischer Minderheiten eben nicht die gleichen Rechte – werden sie nicht einmal als gleichwertig anerkannt.

Vier Dutzend Mitwirkende aus zwei Dutzend Ländern

"Where to be born?" von .EVOLve Theatre Company Foto: Caspar Thiel Und nach wie vor ist es so gar nicht wurscht, wo du geboren wirst, wie sich allein schon der Ort, die Gegend, das Land auf deine (Über-)Lebens-Chancen auswirkt. Diese Frage war der Ausgangspunkt für die in Wien ansäßige internationale junge Theatergruppe .EVOLve Theatre Company. In den vergangenen drei Jahren entstanden fünf Stücke mit rund vier Dutzend Beteiligten aus Deutschland, Slowenien, Slowakei, Griechenland, Italien, Spanien, Syrien, Großbritannien, Türkei, Frankreich, Finnland, Dänemark, Kurdistan, Schweiz, Luxemburg, Afghanistan, Liechtenstein, Irak, Iran, Bulgarien, Costa Rica, Neukaledonien und Österreich. Anfang Juni gastiert die Gruppe mit ihrem fünften Bühnenprojekt im Wiener Schauspielhaus: Where to be born?

Begrenzende Körper

"Where to be born?" von .EVOLve Theatre Company Foto: Caspar Thiel Aber während – sicher nicht immer und für alle einfach - der Ort der eigenen Geburt verlassen werden kann, geht dies beim eigenen Körper ganz und gar nicht. Und so arbeiten die neun jungen Performer_innen Alaa Ghamian, Tarek Ghamian, Elissaveta Grigorova, Sallar Othman, Elena Pichler, Negin Rezaie, Lara Rump, Susanne Siebel, Fabienne Swoboda mit Regisseurin und Theatergründerin Barbara Wolfram sehr körperlich am selbst gestellten Thema. Sie versuchen die Fragen, die sich aus den Ungerechtigkeiten durch die Unterschiede von Geburtsorten ergeben vor allem in Bewegungen, Gesten, Mimik darzustellen und auszudrücken.

Das reicht von der Auseinandersetzung, dem Gegen- bzw. Zusammenspiel mit Projektionen des eigenen Gesichts und Körpers bis zu wortlosen aber aussagekräftigen Begegnungen mit der/dem anderen. Im ersten Teil, so bei einer Probe zu sehen und von den Teilnehmer_innen erzählt, wird’s – ausgehend von Recherchen über die Realität eher düster, dunkel, szenenweise aggressiv. Gefühle wie Neid, Missgunst, Hass werden tanztheatralisch dargestellt. Das Ausweiten, Überhandnehmen usw. führt zu einer Gewaltspirale, zu Chaos, dem ein zweiter Zyklus folgt.

Suche nach Utopien

"Where to be born?" von .EVOLve Theatre Company Foto: Caspar Thiel Der zweite Teil soll sich dann an Utopien für ein Miteinander annähern bei dem etwa Bedeutung und Wichtigkeit des Geburtsortes in den Hintergrund gerät – ein Gegenentwurf, der auch auf dem Erkennen der/des anderen aufbaut und sich mit dem Hinterfragen bestehender Verhältnisse und der Suche nach neuen, anderen, besseren... auseinandersetzt. All das wieder auf sehr körperliche Weise, die vielleicht dazu beiträgt, dass die Intentionen vom Publikum nicht nur kopfmäßig verarbeitet, sondern (auch) empfunden werden.

Infos

Was? Wer? Wann? Wo?

"Where to be born?" von .EVOLve Theatre Company Foto: Caspar Thiel Where to be born?
.EVOLve Theatre Company

Konzept, Regie: Barbara Wolfram

Performance: Alaa Ghamian, Tarek Ghamian, Elissaveta Grigorova, Sallar Othman, Elena Pichler, Negin Rezaie, Lara Rump, Susanne Siebel, Fabienne Swoboda

Bühne und Licht: Elisabeta Manescu
Multimedia: Caspar Thiel
Musik: Moerbeek
Produktion: Susanne Siebel
Assistenz: Franziska Köberl
Support: Judith Barfuss, Lewon Heublein

Wann & wo?
3. bis 5. Juni 2017; 20 Uhr
Schauspielhaus, 1090, Porzellangasse 19
Telefon: (01) 317 01 01 18
www.schauspielhaus.at

https://evolve-esntheatrecompany.net/

(kiku) Erstellt am
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