Leben | Kiku 05.12.2011

Es muss zuerst uns gefallen

Kinderbuchpreis: Monika Helfer und Michael Köhlmeier im eMail-Interview über Schreiben für Kinder

Das beste Kinderbuch stammt diesmal von einer bekannten Autorin und einem prominenten Schriftsteller. Hier ein eMail-Interview.
Ist "Rosie und der Urgroßvater" Ihr erstes gemeinsames Buch?
Monika Helfer und Michael Köhlmeier: Vor etlichen Jahren haben wir eine schöne Sache gemeinsam geschrieben, eine Sammlung mit erzählerischen Reflexionen. Der Mensch ist verschieden hieß das Buch, es war im Stil des antiken Philosophen Theophrast gehalten und kam in einem bibliophilen Verlag heraus, sündteuer und mit Holzschnitten eines Künstlers versehen.

Frau Helfer, Sie haben ja schon mehrere Bücher für Kinder geschrieben (Rosie in New York, Rosie in Wien, Tiere allein), Herr Köhlmeier, irre ich mich sehr, aber ist dies Ihr erstes Buch für Kinder?
Köhlmeier: Ja, Sie irren sich, ich habe drei Kinderbücher geschrieben (mit dem jetzigen): Marile und der Bär und Meine Mannmännchen (Verlag der Provinz, nicht mehr lieferbar).

Hohenemser Ausstellung

„... er war Kutscher und nicht mehr, und ein Christ war er obendrein“ – Illustration zur „Geschichte von Sophie Meyer, die nie gelogen hat“ (Kapitel vier im Buch von Helfer/Köhlmeier/Steinitz)
© Bild: Barbara-Steinitz

Die Geschichten wurden für die speziell an Kinder gerichtete Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems von Ihnen, Frau Helfer, verfasst. Wie kamen Sie zu den Geschichten? Basieren diese auf realen Vorbildern?
Beide: Einen historischen Kern haben alle Geschichten, das stimmt schon. Auch die phantastischste Geschichte, wenn zum Beispiel ein Löffel zu anderen Löffeln spricht oder wenn Tiere mit dem Hausherrn über die Arche Noah diskutieren, lässt sich auf eine, leider manchmal ziemlich langweilige Tatsache zurückführen. Eine gute Geschichte ist eine Geschichte, die gut erzählt ist. Die Wirklichkeit erzählt ja nicht, die ist einfach. Erzählen müssen wir.

Wie war die Zusammenarbeit?

Ist es nun die Rahmenhandlung, die sie beide gemeinsam verfassten? Wie gestaltete sich das gemeinsame Schreiben?
Beide: Es gab einen jüdischen Bürger von Hohenems, der ist vor den Nazis geflohen, ist durch den Rhein geschwommen und über die Schweiz in die USA gelangt. Dort hat er gelebt, ist sehr alt geworden. An ihn haben wir gedacht. Wir dachten, er wird Heimweh gehabt haben. Wie hat er sich an Hohenems erinnert? Vielleicht, dachten wir, hatte er eine Urenkelin und der hat er erzählt. Und schon war die Rahmenhandlung skizziert. Wir hatten keine festen Methode, wie wir beim Schreiben vorgegangen sind. Einen Teil hat Monika geschrieben, dann hat Michael überarbeitet, beim nächsten Teil war es umgekehrt, dann hat Monika das Überarbeitete noch einmal überarbeitet und so weiter.

Anders schreiben?

Schreiben Sie anders für Kinder als für Jugendliche bzw. Erwachsene?
Beide: Wieso sollte man für Erwachsene anders schreiben als für Kinder? Man schreibt immer nur für sich selbst. Das heißt, der Leser ist eine so abstrakte Figur, die kann einem nicht helfen beim Schreiben. Genauso gut könnte man sagen, man schreibt für ein bestimmtes Regal, in dem dann das Buch stehen soll. Was ich schreibe, muss zunächst mich zufrieden stellen. Wenn das erreicht ist, ist alles erreicht, wenn nicht, ist alles nichts.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der Illustratorin? Gaben/geben Sie an, welche Passagen sie gern bebildert hätten oder überlassen sie das der jeweiligen Person oder dem Verlag?
Beide: Barbara Steinitz ist eine so überaus begabte Künstlerin, der müssen wir nichts, aber auch gar nichts sagen. Sie lässt sich alles sagen, alles, aber dann tut sie, was jede wirkliche Künstlerin tut, nämlich das, was sie will.
Danke fürs eMail-Ping-Pong

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011