© karin steinbrugger

Kiku
05/08/2012

Einstündige "Verzauberung" auf der Bühne verwandelt ganze Tage

Wunderbare Tanztheaterperformance mit Livemusik nach dem Kinderbuch "Es gibt so Tage"

von Heinz Wagner

Ein wunderbar verspielter Beginn. Ein Musiker der hinter Schlagzeug, Metallofon und Computer versteckt, ganz leise, sanfte Töne mit den kleinen metallenen Zungen eines Drehorgelchens „klimpert". In der Mitte der Bühne im Lichtkreis ein Tänzerin und ein Tänzer, sie umkreisen, bewundern, bestaunen eine Trompete. Beginnen sie zu berühren, erkunden, ertasten, auszuprobieren – allerdings ganz anders als es vielleicht vermutet würde. Sie sind ja auch nicht die Musiker_innen. Glaubhaft wie kleine Kinder spielen sie mit dem Teil, setzen es abwechselnd auf, ein Arm verschwindet im Schalltrichter, ein Tänzchen folgt...

Jeder Tag kann besonders sein

Ausgehend vom rund zehn Jahre alten/ewig jungen Bilderbuch "Es gibt so Tage..." von Helga Bansch und Heinz Janisch hat Karin Steinbrugger ein Tanztheaterstück ersonnen und chroeografiert. Entstanden und entwickelt hat sie es gemeinsam mit den Tänzer_innen Jelle Warendorff, Stefanie Wieser und Hana Zanin sowie den Musikern Mathias Koch und Michael Brucker-Weinhuber.

Jeder Tag kann ein besonderer sein, kleine Dinge können zu großen Sachen werden – wie Kinder aus Alltagsgegenständen oft ganze Welten entstehen lassen, so hat das genannte, bekannte österreichische Kinderbuch-Duo schon Doppelseiten kreiiert, wo alle auf Stelzen gehen, jonglieren, sich küssen und sonst noch allerhand erleben.

Große Welten mit "kleinen" Dingen

Auch auf der Bühne reichen ein paar Hocker, ein Polster auf dem Kopf und auf dem wiederum eine Orange, sowie eine ausgeprägte Gelenkigkeit Stefanie Wiesers, um die Atmosphäre einer Zirkusnummer in den großen Saal des Dschungel Wien zu zaubern. Eines der Highlights ist aber sicher Hana Zanins „Verwandlung" in einen grünen Frosch, oder ist es nicht doch eher ein Monster. Dazu reichen ihr – neben den tänzerischen Bewegungen - ein grünes T-Shirt mit breitmaulfroschartigem Ausschnitt, zwei Kugeln, die wie Augen aussehen. Und ein geniales Zusammenspiel mit Mathias Koch, der genau im richtigen Augenblick die entsprechenden Geräusche und Töne erzeugt. Sehens- und erlebenswert auch der „Showdown" dieses „Tages". Als sich die augen des Monsters immer weiter vom Körper weg- und auf das Metallophon zubewegen und der Musiker mit zwei Schlegeln in Form von Stielaugen sich ebenfalls diesem großen Instrument nähert. Und die von den Augen angetippten in unterschiedlichsten Tönen klingenden Metallplatten nochmals deutlich stärker nachspielt.

Zauberhafte Momente

Drei der vielen zauberhaften Momente seien noch herausgegriffen: Michael Bruckner-Weinhuber setzt auf den Bohrkopf der Bohrmaschine eine Art kleinen Wischmobb, schaltet ein – und spielt damit die Saiten einer kleinen Gitarre ;)

Bälle, Kugeln – eine umgeben mit einem UFO-förmigen Gebilde aus zerknitterter Alu-folie, Keksdosen und Deckel machen an einem „Tag" den Boden zu einem voll bewegten Untergrund.

Und schließlich ist dem Buch, das die Basis mit seinen doppelseitigen Geschichten über verschiedenste Stimmungen und Erlebnisse an verschiedenen Tagen bildet, eine wunderbare Hommage gewidmet – ein einziges Exemplar dieses Buches dominiert die Bühne - „nur" durch gekonntes, choreografiertes von Hand zu Hand gehendes auf und zuklappen – ein „Vogel" fliegt durch den Raum...

Infos

Es gibt so Tage ...
Karin Steinbrugger / Cie. Villa Agathe

Idee: Heinz Janisch
Nach: Heinz Janisch/Helga Bansch „Es gibt so Tage", © 2001 im Verlag Jungbrunnen Wien
Konzept, Choreographie: Karin Steinbrugger
Musikalische Leitung: Mathias Koch
Raum, Licht: Silvia Auer
Kostümberatung: Betka Fislova
Livemusik: Mathias Koch, Michael Bruckner-Weinhuber
TänzerInnen: Jelle Warendorff, Stefanie Wieser, Hana Zanin

Bis 13. Mai
Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01)522 07 20-20

 

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