Leben | Kiku 05.12.2011

Eine ganze Stadt feiert Kinder- und Jugendbücher

Ausgehend von einer Buchhandlung Plautz gestalten Hunderte Schüler_innen die Preisverleihung in Gleisdorf

Rund 2000 papierene Fähnchen mit unterschiedlichsten Buchstaben, Silben und Wörtern in verschiedensten Schriften begrüßten die Besucherinnen und Besucher Freitag Nachmittag im forum Kloster im steirischen Gleisdorf. Ob in unserem bekannten Alphabet, Arabisch, Japanisch oder welcher Sprache dieser Welt auch immer - sie stammen aus Kinderhänden der Oststeiermark - 30 Schulen und einer Handvoll Kindergärten wie die Kennzeichen erster Schriftversuche zeigen.
Und sie sind "nur" eine der Aktivitäten die davon zeugen, die Verleihung der österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreise durch Unterrichts-, Kunst- und Kulturministerin Claudia Schmied ist hier ein...

... Ereignis der ganzen Stadt, ja Region

Schriftzeichen und Lesenacht
© Bild: Heinz Wagner

Schon am Tag vor der Preisverleihung startete LEKOSTA, die dritte - LeseKOngressSTAdt Gleisdorf nennt sich diese Initiative, bei der 28 Jugendliche (der Handelsakademie Weiz) Workshops für 43 Kinder aus 13 Schulen der Oststeiermark rund ums lesen leiten. Unter tags standen Ideensammlungen für Briefe an die Ministerin bzw. Herz und Seele dieser Veranstaltung, die Buchhändlerin Helga Plautz auf dem Programm. Am Abend ging's mit Spielen und einer Lesenacht weiter. Bei den Spielen, die ein halbes Dutzend HAK'lerinnen vorbereiteten und leiteten wurden Bezüge zu einigen der Preisbücher hergestellt. Mit Matten galt es Brücken zu legen - inspiriert von Heinz Janisch' und Helga Banschs "Die Brücke". Denise Supper, Tobias Hierzer und Marie-Sophie Rieger stellten für den KURIER Tiere wie Tiger, Elefant oder kotzendes Känguru nach - wozu sie sich durch das von Birgit Stubenschrott in die Kamera gehaltene "Bei 3 auf den Bäumen" von Saskia Hula und Ulrike Möltgen hinreißen ließen. Gedichtete Wortketten nannten Kids weitere Spiele.

Buchhändlerin

Schriftzeichen und Lesenacht
© Bild: Heinz Wagner

Eine eigene geräumige und doch gemütlich-einladende Lesewelt eröffnet die Buchhandlung Plautz. Obwohl schon seit sechs Jahren in Pension, ist die Besitzerin mit Vornamen Helga oft hier anzutreffen. Die anderen Tage der Woche verbringt sie in Weiz, der Bezirkshauptstadt, wo sie seit vier Jahren eine Tochter aufbaut, eine Buchhandlung, die noch (?) um ca. ein Drittel kleiner ist als jene in Gleisdorf (300 m² Verkaufsfläche).
1948 hatten ihre Eltern dort mit 20 Quadratmeter begonnen, wo heute der Eingangsbereich und die ersten Regale stehen. Helga, das letzte von fünf Kindern, blieb nichts anderes übrig, als die Nachfolge anzutreten, nachdem die anderen Geschwister andere Lebenswege eingeschlagen hatten, erzählt sie dem Online-Kinder-KURIER. "Eigentlich wollte ich Sprachen studieren, dafür war nicht genug Geld da und ich hab die Buchhandlung übernommen." Der Ausbau der Buchhandlung war nur eins, nicht das wichtigste. Das wurde und blieb: Freude am Lesen zu vermitteln. Jahre bevor sie 1975 selbst die Geschäfte übernahm, hatte sie begonnen, Lesungen zu organisieren. Dabei trachtete sie immer wieder, nicht zuletzt auch junge, noch weitgehend unbekannte Autorinnen und Autoren ins Geschäft zu holen, aber vor allem auch raus zu gehen - in Schulen und an andere Orte - "die Basis ist Leute neugierig aufs Lesen zu machen".
Das wurde ihr Leben. Das was sie sagt, ist authentisch: "Ich hatte und hab sehr viel Freude mit dem Beruf, in dem ich sicher die meisten Chancen hatte, so viele verschiedene Menschen kennen zu lernen und bei unzähligen von ihnen ein Strahlen in die Augen zu zaubern."
Und die eher kleine, zierliche Frau strahlt diese Freude inmitten ihrer Bücher ebenso aus wie im Veranstaltungssaal des forumKlosters, in dem zum neunten Mal die Preisverleihung stattfindet., die es ohne sie so sicher nicht gäbe. Auch wenn sie selbst sich ganz schwer tut, ins Rampenlicht gestellt zu werden und ihr bei jedem Versuch noch immer Dutzend Dinge einfallen, die sie davor noch erledigen muss.

Digital?

Schriftzeichen und Lesenacht
© Bild: Heinz Wagner

Die ständige Begegnung mit jenen, für die Kinder- und Jugendbücher gemacht werden, bewegte sie auch zu den genannten Lesekongressen, die sie gemeinsam mit zwei Lehrerinnen Stefanie Sabadi und Sonja Vucsina vor zwei Jahren zum ersten mal ins Leben rief. Heuer gesellte sich aus der Weizer HAK die Klassenvorständin Gitti Fehringer dazu, die "ihre" Jugendlichen auf die LehrerInnen-Rolle für die jüngeren LesebotschafterInnen vorbereitete. Und gerade dieser Kontakt zu den jungen und jüngsten LeserInnen macht ihr angesichts möglicher neuer Entwicklungen auch keinerlei Kopfzerbrechen. "Internet hat uns geholfen, viele Bestellungen erfolgen Online. Und was an neuen digitalen Varianten des lesens auf uns zukommt - ich bin neugierig, es werden noch spannende Zugänge." Und viele der 12- bis 14-jährigen KongressteilnehmerInnen wünschen sich nicht nur (noch) spannendere Bücher, sondern vor allem digitale Bücher.

Captain Book

Schriftzeichen und Lesenacht
© Bild: Heinz Wagner

Und um nicht nur bei der allgemeinen Forderung nach spannenderen Büchern zu bleiben, arbeitete eine der Workshopgruppen gleich an einem potenziellen neuen Buch. "Das Medaillon" heißt die Geschichte. Mehr als ein Dutzend der 12- bis 14-Jährigen hatte gemeinsam behirnt, um eine Story zu erfinden, die ihnen - und wie sie überzeugt sind - auch anderen Altersgenoss_innen taugen würde.
Diese so wie ihre anderen Vorschläge stellten sie gleich zwei Mal vor: Eimal bei einer eigenen Pressekonferenz und ein anderes Mal den preisgekrönten Autor_innen sowie der Bildungs- und Kulturministerin. Jede und jeder hatte darüber hinaus ein eigenes kleines vierseitiges Büchlein mit Ideen, Sprüchen oder auch ein paar Gedichtzeilen angefertigt. Zwei Trios zeigten dem Onkine-KiKu ihre: Lara Labric, Melanie Brantner und Maria Bergauer sowie Manuel Schatz, Michael Paierl und Markus Rosenberger.

Das Medaillon

Schriftzeichen und Lesenacht
© Bild: Heinz Wagner

Ihre LEKOSTA-Workshop-Leiter_innen aus der HAK Weiz hatten sich übrigens im Rahmen einer Junior-Firma, die sie "Captain Book" nannten, auf ihre Gleisdorfer Aufgaben vorbereitet. Nur eine der vielfältigen Aktivitäten dieses Schüler_innen-Unternehmens. Geld machten sie vor allem mit Lesungen, die sie an Schulen organisierten. Nicht wenigen. Mehr als 30 solcher Veranstaltungen hatten sie für drei Tage in der ersten Aprilhälfte auf die Beine gestellt.
Zurück zum Wunschbuch, das in einem der LEKOSTA-Workshops von mehr als einem Dutzend Schüler_innen in der Art eines schriftlichen Story-boards entstand: Teenager-Girl hat Eltern bei einem Unfall verloren, findet eine Schatzkarte, trifft einen Jungen. Gefühle kommen auf. Bei ihr. Ihn interessiert nur der Plan zum (materiellen) Schatz. Höhle, Skelett, Flaschengeist... Diese und noch ein paar weitere Zutaten sammelten sie, die sollten drin sein. Aus einem Spiel mit Anfangsbuchstaben der beteiligten Geschichtenerfinder_innen und plötzlicher Eingebung entstand auch der fiktive Name des Autors/der Autorin: Vayatonga Taka. Ob das Ganze nun noch zu einem wirklichen Buch "gekocht" wird? Hoffentlich!

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011