Kiku
24.12.2012

Ein Stück (über) Zusammenleben

15 Jugendliche entwickelten starkes Tanz-Theaterstück "Zusammen-leben" und leb(t)en das im Alltag

Alles begann eher zufällig. Mit einem Maturaprojekt zweier Schülerinnen, die damit in einem Jugendzentrum in Wien-Simmering landeten. Daraus entwickelte sich ein Tanz- und Theater-projekt samt einem Ausflug in die slowakische Hauptstadt Bratislava mit Tanz-Flashmob, gestohlenem Kleinbus und eine geeeniaaale Performance im Jugendtreff eleven und so viel Begeisterung, dass der Auftritt wiederholt werden musste. In der Jugendzone 16 war es kurz vor Weihnachten so weit. Und wäre es nicht sooooo schwierig die 15-köpfige bunt zusammengewürfelte Gruppe (14 bis 24 Jahre, Arbeitende, Schüler_innen, Berufsausbildung, Studierende) zu gemeinsamen Terminen zusammen zu bringen, eine ganze Aufführungsserie würde sicher gestürmt.

Tanzvideos...

... eröffnen den Abend – von Jugendlichen, die im Jugendtreff eleven regelmäßig ihrer Leidenschaft frönen. Es folgt eine längere (vielleicht eine Spur zu lange) Sequenz mit Chats über dies, das und jenes. Und erste Gedanken für gemeinsame Treffen – in echt, im Park. Die zu den in den Chatfenstern aufgetauchten Köpfen gehörenden 14 Menschen (Jasmin war leider bei der Wiederholung in Ottakring krank) tauchen auf, spielen mit extrem starker Bühnepräsenz dieses reale Aufeinandertreffen – in Cliquen, die doch ihre engen Grenzen sprengen. Machen eine gemeinsamen tänzerischen Flashmob in Bratislava aus. Reise und Bilder davon (der fand wirklich statt) wieder als filmische Einblendungen auf der Leinwand. Echte Tänze und szenisches Spiel, u.a. eine Parodie auf Banküberfallszenen aus US-Filmklassikern, reißen das Publikum zu rhythmischem Mitklatschen, manche auch zu tänzerischen Bewegungen, mit. Standing Ovations!

Zufälle

Nach dem Stück erzählen einige der Mitwirkenden ein bisschen über den Entstehungsprozess. Merve Taskaya und Tuba Güven: „Wir waren für unser HAK-Maturaprojekt auf der Suche nach einer Firma, Für die sollten wir eine Homepage machen. Aber wir wollten das auch für wen machen, wo wir dahinter stehen können, was uns selber interessiert.“ Da kam Merve zu gute, dass ihre Schwester Gözde mit zwei anderen jungen Leuten (J.P. und Ermeas Kaza) als „freaky walkers“ tanzt und immer im Simmeringer Jugendtreff Eleven trainiert.

So begannen die beiden Handelsakademie-Schülerinnen mit den ersten Gesprächen, der Planung, Gestaltung und Programmierung des neuen Online-Auftritts. Und wurden so schrittweise in das Tanzprojekt, zu dem sich noch ein Theaterprojekt gesellte, reingezogen, obwohl insbesondere Tuba Güven gesteht: „Ich wollte eigentlich erst gar nicht mitmachen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, auf der Bühne zu stehen.“
Und dann doch. Und gar nicht so richtig widerwillig. Und es begann sogar ihr Spaß zu machen. Andere waren ohnehin von vornherein „rampensaumäßiger“ unterwegs. Die einen kamen vom tanzen, die anderen wie etwa (Se-)Bastian Zurek waren „schon vorher auf Bühnen und ich möcht auch Schauspieler werden. Mein Plan B ist Chemiker“. Und nebenbei ist Teilnehmer der Weltmeisterschaft im Fingerboarden und polnischer Meister in dieser Disziplin, die im film kurz auf einer Mauer in Bratislava vorkommt.

Von den Jugendlichen

Was die drei und viele andere der Teilnehmenden beeindruckt war, „dass praktisch alles von uns gekommen ist, wir haben die Ideen gehabt, haben improvisiert und dann haben die Profis von daskunst das immer gesammelt und daraus mit uns das Stück und die Choreografien erarbeitet.“

Echtes Zusammenleben

Was auch extrem beeindruckt. Es ist nicht nur ein Stück über „Zusammen-leben“, der gesamte Erarbeitungs- und Probenprozess war mehr als ein Stück solch realen Zusammenlebens. Und mit wem auch immer von den Beteiligten du redest, es spielt genau null (0) Rolle, ob wer Türkisch, Spanisch, Polnisch, Englisch, Amharisch, Französisch oder Edo spricht - Deutsch reden sie sowieso alle perfekt -, es spielt auch keine Rolle, ob wer 14 und eine andere 24 ist, ob wer noch in die Schule geht, studiert oder schon arbeitet (letzteres ist natürlich nur schwieriger bei der gemeinsamen Terminfindung). Und das ist bei den Auftritten auf der Bühne auch voll zu spüren (gewesen).

Die Mitwirkenden

Yadel Artal, 15, HAK-Schülerin: „Es war eine lustige Zeit.“
Karaali Behlül, 19, Friseur: „Die Proben waren sehr schön. Es hat sehr viel Spaß gemacht und es war leiwand.“
Hela Bouchniba, 21, macht ihre Ausbildung zur diplomierten Krankenpflegerin und meint im Programmheft: „ich habe neue Leute kennen gelernt, habe mein Wissen über andere Kulturen erweitert“ und fand das Ganze „ein sehr lehrreiches Projekt“.
Jasmin Erber, 14, Schülerin: „Es war super, vor allem, weil so viele verschiedene junge Leute zusammen gearbeitet haben. Ich würde sofort wieder bei so einem Projekt mitmachen.“
Carine Cynthia Fomi, 19, Schülerin: „Die Proben waren super. Es hat Spaß gemacht. Ich finde die Gruppe cool. Alle sind sehr freundlich.“
Tuba Güven, 19 studiert Wirtschaftsinformatik an der FH Technikum und findet: „Die Proben haben (fast) immer Spaß gemacht, ich habe vieles dazu gelernt. Ich finde die Theatergruppe ist super, wir sind sehr multikulturell, es hat echt Spaß gemacht mit der Gruppe zu arbeiten.“
Ermeas Kaza, 21, macht eine Ausbildung in der Hotellerie und meint: „Ich habe zu meinen bisherigen Schauspielerfahrungen noch sehr viel Wissen ergattert. Auch wenn es manchmal sehr anstrengend war, freue ich mich, dabei gewesen zu sein.“
Osamuyimen Ogbevoen (J.P.), 19, Schüler: „Es war ein cooles Projekt und es war eine gute Zeit: Spiel, Spaß und neue Freunde.“
Linda Rodriguez, 19-jährige Schülerin: „Als das Theaterprojekt begann, war es komplett anders, als ich es mir vorgestellt habe. An diesem Eindruck hat sich noch nichts geändert, jedoch habe ich so viel mehr gelernt, als ich mir erträumt hätte.“
Melanie Strobl, 15, Tourismus-Schülerin: „Es hat sehr viel Spaß gemacht mit solchen Leuten Theater zu spielen.“
Gödze Taskaya, 24, studiert auf ihren Master in Informationsdidaktik. „Wir haben unterschiedliche Personen in der Theatergruppe kennen gelernt und meiner Meinung nach bestens das Stück Zusammen-leben repräsentiert.“
Merve Taskaya, 19, studiert an der Fachhochschule Technikum. „Die Proben waren immer sehr lustig und lehrreich, ich freue mich, dass ich bei diesem Stück dabei war, weil ich neue Leute kennen gelernt habe und viel Spaß hatte.“
Esil Yenis, 17, Bodenleger: „Die proben waren super. Es hat sehr viel Spaß gemacht.“
Sebastian Zurek, 14-jhriger AHS-Schüler: „Es war eine gute Zeit, eic ich nicht missen möchte. Proben und die Leute waren chillig – gerne bin ich wieder dabei.“

Hinter den Kulissen:
Ceyda Cansiz, Tänzerin
Oktay Günes, 33, Darsteller bei daskunst
Bernhard Mrak, 38, Regisseur und Darsteller bei daskunst
Elisabeth Kerbl, Jugendarbeiterin
Alakus Zafer, Jugendarbeiter

Übers Zusammenleben

Gözde Taskaya: "…es fängt im Herzen an und sollte nie aufhören!
und sollte nie aufhören!“ und was Zusammenleben bedeutet:

Merve Taskaya: „…miteinander auskommen und gegenseitigen Respekt haben“.
Respekt haben“.